10 Jahre Bankenkrise Therapie nicht überall erfolgreich

Filiale der Banco Populare di Vicenza: In Italien gerieten mehrere Banken ins Straucheln | © Getty Images

Filiale der Banco Populare di Vicenza: In Italien gerieten mehrere Banken ins Straucheln Foto: Getty Images

Die Bankenkrise jährt sich zum zehnten Mal, es ist Zeit für eine Bilanz. Allgemein funktioniert die Regulierung in Europa seit dem Systemzusammenbruch schnell und effektiv. Ihre Schlagkraft verbesserte sich deutlich. Nachdem die Europäische Union (EU) im Juni 2014 das Rahmenwerk für die Sanierung und Abwicklung von Banken und Wertpapierfirmen (BRRD) verabschiedet hat, gelten strenge Reglements für Kreditinstitute.

Die BRRD soll die Verpflichtung von Nationalstaaten zu staatlichen Rettungsmaßnahmen begrenzen und eine Ansteckung zwischen Systemen verhindern. Der Hintergrund: Sowohl in Europa als auch in den USA erwiesen sich staatliche Rettungsaktionen als willkürlich, da sie nur als Reaktion auf Krisensituationen erfolgten. Anleihegläubiger wurden je nach Großzügigkeit des jeweiligen Landes mehr oder weniger zufällig zur Kasse gebeten.

Im Zuge dessen hat die EU das sogenannte Single Resolution Board (SRB) ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich um eine Behörde, die im Fall einer europäischen Bankenpleite die Abwicklung übernimmt. Die SRB soll die Gleichbehandlung der Anleihegläubiger sicherstellen und eine klare Rangfolge für Entschädigungen festlegen.

Gläubiger der Banco Popular gehen leer aus

Ganz so einfach ist es aber nicht, wie der Fall der spanischen Pleitebank Banco Popular zeigt: Das Geldinstitut benötigt dringend frisches Kapital, doch seine Aktionäre zogen es nach mehreren Kapitalerhöhungen in diesem Jahr vor, nicht weiter zu investieren. Dadurch gingen die Inhaber einiger nachrangiger Anleihen leer aus.

Droht den italienischen Veneto-Banken nun das gleiche Schicksal? Damit müssen wohl alle außer den Privatanlegern rechnen, die nachrangige Vicenza- und Veneto-Anleihen halten. Aufgrund seiner Innenpolitik musste Italien sich um seine Privatanleger kümmern. Dort ist es nicht ungewöhnlich, bei einer Bank Anleihen zu kaufen, die höhere Renditen abwerfen, als eine von der EU garantierte Geldanlage.

So zahlt der italienische Abwicklungskandidat Intesa Sanpaolo Geld an seine Anleihegläubiger Kapital zurück das von der italienischen Regierung bereitgestellt wurde. Damit will die Bank sicherstellen, dass Privatanleger nicht nervös werden und keine institutionellen Investoren anstecken.

Anleihegläubiger der britischen Co-op Bank sind nicht so glimpflich davongekommen. So sind Privatanleger, die nachrangige Co-op-Anleihen halten, weniger einflussreich oder systemrelevant und von ihren Verlusten geht keine Ansteckungsgefahr aus. Sie mussten bereits 2013 einen dramatischen Wertverlust hinnehmen. Nun droht ein weiteres Minus von 55 Prozent.

Europa wartet auf die Bewährungsprobe

Diese Einzelfälle zeigen, dass die SRB keinen schlechten Start hatte. Die Behörde  kann sich jedoch erst vollständig bewähren, wenn ein Schwergewicht der Finanzbranche sie auf die Probe stellt.
Generell gilt: Die Sanierung des Bankensystems ist noch nicht abgeschlossen, schon gar nicht im Europa. Dennoch präsentieren sich europäische Banken deutlich robuster als vor zehn Jahren. Die Regulierer sind klar aktiver geworden und haben die Risikofaktoren genau im Blick.