10 Milliarden Dollar für Neuwagen-Käufe Warum VW den US-Markt vor Einbruch retten könnte

Der neue Volkswagen Atlas SUV in Detroit, Michigan | © Getty Images

Der neue Volkswagen Atlas SUV in Detroit, Michigan Foto: Getty Images

Scott Nichols war glücklich mit seinem Jetta SportWagen TDI und hatte eigentlich vor, das Fahrzeug noch für Jahre zu behalten. Doch dann kam der Abgasskandal der Volkswagen in den USA ans Licht. Das veranlasste Nichols und seine Ehefrau letztlich, der Marke den Rücken zu kehren und Ausschau nach einem Auto von Honda Motor zu halten.

„Wir haben das lange recherchiert. Wir wollten etwas, das für eine lange Zeit hält. Und jetzt müssen wir wieder zurück und ein anderes Auto kaufen“, sagt Nichols.

Volkswagen muss in den USA bis 2019 bis zu 562.000 Diesel-Fahrzeuge zurückkaufen oder reparieren. Das dürfte auf dasselbe hinauslaufen wie die Abwrackprämie der dortigen Regierung von vor ein paar Jahren. Mit dieser sollte der Autoverkauf während der Rezession angetrieben werden. Und nachdem der US-Staat mit rund 3 Milliarden Dollar den Eintausch von Benzinfressern subventioniert hatte, könnte VW nun mit rund 10 Milliarden Dollar den Neuwagen-Kauf in dem Land ankurbeln. Diese Summe ist Teil des US-Vergleichs im Abgasskandal.

Die Rückkäufe könnten die Serie an Zuwächsen bei den US-Autoverkäufen, die mit der Abwrackprämie einst losgetreten worden war, verlängern. VW hat bereits bei rund 96.000 Fahrzeugen einen Rückkauf durchgeführt oder die Leasing-Verträge ausgesetzt – das ist mehr als der gesamte Jahreszuwachs 2016.

„Das ist mit Sicherheit einer der Gründe dafür, warum wir damit rechnen, dass der Fahrzeugabsatz in diesem und im kommenden Jahr weiter ansteigen wird“, sagt Jeff Schuster, Senior Vice President für Prognosen bei LMC Automotive, mit Blick auf die Rückkäufe. Ohne den „VW-Effekt“ würden die Verkäufe seiner Meinung nach beginne, leicht zurückzugehen.

VW-Diesel-Besitzer, die ansonsten gar nicht auf dem Markt gewesen wären, könnten weitere rund 210.000 neue Fahrzeuge kaufen – 60.000 in diesem Jahr und 150.000 im nächsten, schätzt LMC Automotive. Die Hersteller insgesamt hatten im vergangenen Jahr in den USA mit 17,55 Millionen Autos und leichten Nutzfahrzeugen so viele Fahrzeuge abgesetzt wie nie zuvor.

VW gelingt es offenbar, einige der Diesel-Besitzer an Bord zu halten. Rund 20 Prozent der Kunden, die ihr Auto beim Linden-Autohaus in New Jersey zurückverkaufen, bleiben der Marke treu, sagt der dortige Chef Mike DiFeo.

„Ich wäre nicht überrascht, wenn sich die Zahlen langsam nach oben bewegen“, sagte er unlängst beim Kongress der National Automobile Dealers Association in New Orleans. Besonders verärgerte Kunden stoßen ihre Autos womöglich schnell ab, während zufriedenere Fahrer mehr dazu geneigt sein könnten, der Marke gegenüber nachsichtiger zu sein.

Der in den USA erzielte Vergleich verbietet es Volkswagen oder den verbundenen Autohäusern, Kunden dazu zu ermutigen, einen neuen VW statt ein Fahrzeug einer anderen Marke zu kaufen.

Die Familie Nichols hatte ursprünglich ihren Honda Fit im Jahr 2013 für einen VW eingetauscht, als sie erst ein Kind hatten. Jetzt, mit zwei Kindern und noch vor dem Termin zum Verkauf ihres Jetta in März, schlugen sie bei einem neuen Honda Odyssey Minivan zu.