109 Fonds im Crashtest Die besten Aktienfonds für europäische Nebenwerte

Filiale von Domino’s im nordfranzösischen Calais: Die Aktie des Pizza-Lieferanten gehört zu den größten Positionen des Stresstest-Siegers MFS Meridian European Smaller Companies | © Getty Images

Filiale von Domino’s im nordfranzösischen Calais: Die Aktie des Pizza-Lieferanten gehört zu den größten Positionen des Stresstest-Siegers MFS Meridian European Smaller Companies Foto: Getty Images

2015 verbuchten europäische Nebenwerte gegenüber größeren Konzernen einen Renditevorsprung von rund 10 Prozentpunkten. Und auch wenn der Vorsprung 2016 knapper ausfiel – das Marktsegment bietet immer wieder attraktive Kaufgelegenheiten. Doch die gilt es zu erkennen, denn anders als Standardwerte stehen Titel aus der zweiten Reihe deutlich weniger im Fokus der Analysten. Das bietet Managern von Nebenwertefonds Gelegenheit, ihr Gespür für aussichtsreiche Unternehmen unter Beweis zu stellen.

Im Vergleich zum vorangegangenen Crashtest konnte der bisherige Spitzenreiter Squad Value in der Gesamtwertung seine herausragende Stellung behaupten und und zudem ein weiteres Mal den Stresstest für sich entscheiden. Im Performance-Test belegt er zudem einen sehr guten zweiten Platz.

  Fonds Punkte
Gesamt
Pkt.
Perfor-
mance
Pkt.
Stress-
test
Pkt.
Rating
Vol. in
Mio. €
1 Squad Growth 248 72 97 79 111
2 Echiquier Entrepreneurs 173 53 80 40 415
3 Baring Europe Select Trust 160 42 31 87 1964
4 Bellevue BB Entrepreneur Europe Small 155 78 0 77 62
5 MFS Meridian European Smaller Companies Fund 153 0 91 62 1043
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Neu in den Top 5 vertreten ist der Bellevue BB Entrepreneur Europe Small, der den Performance-Test für sich entschied. Damit schneidet der von Birgitte Olsen gemanagte Fonds deutlich besser ab als im Vorjahr: Mit lediglich 29 Punkten im Performance-Test reichte es damals insgesamt nur für Rang 24, im aktuellen Crashtest verbucht das Team um Olsen nun 78 Performance-Punkte. Gewohnt solide schneidet der 1984 aufgelegte Klassiker Baring Europe Select ab: Er belegt mit 160 Punkten Rang 3 in der Gesamtwertung.

Die drei Siegerfonds im Kurzporträt

Stephan Hornung

Der Gesamtsieger: Squad Growth

Stephan Hornung und Christian Struck kennen sich bereits aus Studienzeiten. Sie gründeten im Februar 2004 die Vermögensverwaltung Discover-Capital, mit der sie unterbewertete Aktien aufspüren. Dabei beschränkt sich das Team der Augsburger Fondsboutique nicht nur auf Aktien aus der zweiten Reihe: Der Schwesterfonds Squad Value investiert in Unternehmen aller Größenklassen.

Anders als es der Name vermuten lässt, stehen Wachstumswerte im Squad Growth nicht ausschließlich im Vordergrund: Auch Value-Kriterien spielen bei der Titelauswahl für den 2006 aufgelegten Fonds eine Rolle – etwa günstige Bewertungskennzahlen oder ein hoher freier Cashflow. Ein besonderes Augenmerk richten die Fondsberater Hornung und Johannes Köpple beispielsweise auf Unternehmen, die eine längere Durstrecke überwinden mussten oder solche, die nicht in einem der gängigen Nebenwerte-Indizes enthalten sind und deshalb von Analysen weitgehend unbeachtet bleiben.

Im Schnitt umfasst das Portfolio rund 60 bis 80 Titel, wobei der Schwerpunkt generell auf Titeln der DACH-Region liegt, ergänzt um Nordeuropa. Das belegt auch die aktuelle Ländergewichtung: Etwas mehr als die Hälfte des Portfolios steckt in deutschen Titeln wie Freenet, Immofinanz oder MLP.

Gegenüber 2016 wurde das Engagement in britischen Titeln etwas zurückgefahren, allerdings nicht wegen des Brexit, wie Hornung betont: „Im Gegenteil: Wir haben danach in Aktien von einigen Unternehmen investiert, die einen hohen Anteil ihres Umsatzes im Ausland erzielen.“

Aktien aus den Benelux-Staaten sind derzeit hingegen mit 11 Prozent höher gewichtet. Weitere 8 Prozent des rund 100 Millionen Euro schweren Fonds halten Hornung und Köpple in österreichischen Titeln, Nordeuropa gewichten sie mit 6 Prozent. Von der Möglichkeit, im Extremfall bis zu 100 Prozent des Portfolio als Kasse halten zu können, macht das Duo aktuell kaum Gebrauch: Die Cash-Quote beträgt lediglich 3 Prozent.

Zu den jüngsten Neuzugängen im Portfolio gehört unter anderem die italienische Zeitarbeitsfirma Openjobmetis: „Sie profitiert als Frühzykliker deutlich von der aktuell anlaufenden Erholung der italienischen Wirtschaft und profitiert darüber hinaus von einer regulatorischen Umstellung im Arbeitsmarkt“, begründet Hornung den Kauf.

Das gute Abschneiden im Performance-Test führt Hornung unter anderem auf die Entwicklung von Aktien wie Brodrene Johansen zurück. „Das dänische Unternehmen profitierte von einem sehr großen Aktienrückkaufprogramm. Auch Washtec – Weltmarktführer für Autowaschanlagen mit Sitz in Augsburg – entwickelte sich äußerst positiv“, erläutert er.

Wer neu in den Fonds einsteigen will, muss den vollen Ausgabeaufschlag von 5 Prozent einkalkulieren, denn es gilt seit Längerem ein Soft Closing. So wollen die Discover-Capital-Gründer das Fondsvolumen vorerst weiter auf eine praktikable Größenordnung begrenzen.