Altersvorsorge der Zukunft „Die staatliche Komponente stört“

Charles Neus, Schroders-Experte für Altersvorsorge | © Schroders

Charles Neus, Schroders-Experte für Altersvorsorge Foto: Schroders

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Im Wahlkampf wurde um die Altersvorsorge gestritten. Hat das neue Konzepte und Ideen hervorgebracht?

Charles Neus: Auf politischer Ebene besteht mittlerweile ein Grundkonsens darüber, dass neue, investmentbasierte Lösungen sinnvoll sind und gefördert werden müssen. Dies ist nicht nur in Deutschland so, sondern überall in Mittel- und Westeuropa.

Was stört Sie an den bisherigen Modellen?

Die viel zu starke Fokussierung auf die staatliche Komponente, obwohl mit betrieblicher und privater Vorsorge noch zwei weitere Säulen zur Verfügung stehen. In Zukunft wird der Gesetzgeber nicht mehr als Vorsorgestaat auftreten, weil dies erstens die öffentliche Finanzlage nicht länger zulässt und zweitens die Lebenserwartung der Bevölkerung steigt. Fakt ist schon heute: Aus der staatlichen Altersvorsorge werden nur diejenigen Versicherten, die schon lange ins System eingezahlt haben, noch auskömmliche Rückflüsse erhalten. Aber selbst wer jetzt Mitte 40 ist, sollte sich darauf allein besser nicht zu sehr verlassen. Dass auch die Politik hierbei mittlerweile umgedacht hat, erachten wir als notwendig – und wir begrüßen diesen Prozess sehr.

Und wie wird die Altersvorsorge-Landschaft 2018 gestaltet sein?

Sie wird eine stärkere Bedeutung der betrieblichen und privaten Säulen besitzen. Bei der erstgenannten Komponente hat sich die bisherige Regierung auf eine ganz entscheidende Reform geeinigt: Arbeitgeber sollen zukünftig aus der Haftung entlassen werden können. In solchen Fällen legen Arbeitgeber und Arbeitnehmer fest, dass nur noch die eingezahlten Beiträge zugesagt werden, es bei der Verzinsung jedoch keine Garantie gibt. Das bedeutet: Der Ertrag der Einlagen fällt variabel aus und hängt davon ab, welche Wertentwicklung an den Kapitalmärkten damit erwirtschaftet wird. Dies ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, fonds basierte Altersvorsorge-Lösungen stärker voranbringen zu können.

Nun sind aber gerade deutsche Kunden Garantien in der Altersvorsorge sehr zugetan. Welche Entwicklung erwarten Sie hier?

Auch bei der privaten Eigenvorsorge ist die Entwicklung ähnlich. Angesichts der aktuellen Mini-Zinsen geht es weg von den althergebrachten Garantieprodukten und hin zu Investmentfonds, ohne die heute keine solide Altersvorsorge mehr funktioniert. Konkret sind etwa Modelle denkbar, die nicht mehr 100 Prozent Rückzahlung garantieren, sondern zum Beispiel nur 80 Prozent. Weniger Garantie bedeutet in diesem Fall einerseits zwar mehr Risiko, andererseits aber auch mehr Renditemöglichkeiten. Nur so lassen sich Kapitalmarktchancen sinnvoll nutzen, die höhere Ertragspotenziale bieten. Sie sind unserer Überzeugung nach die weit bessere Option für eine sinnvolle Altersvorsorge.