Trügerische Ruhe Mehr Vola, bitte!

Susanne Grabinger, Investmentspezialistin M&G Investments

Susanne Grabinger, Investmentspezialistin M&G Investments

Ob die Sommerferienstimmung noch nachwirkt oder der Herbstbeginn schon schläfrig macht: Zurzeit sind die Finanzmärkte ungewöhnlich ruhig. Aktien- und Anleihekurse sind stabil. Viele Anleger erfreut dieser Zustand. Doch wenn die Preise nicht schwanken, die Märkte also kaum Volatilität aufweisen, dann gibt es auch keine interessanten Einstiegsmöglichkeiten und weniger Ertragschancen.

Dabei gibt es gerade sogar eine ganze Reihe von Gründen, die für ein Aufleben der Volatilität sprechen. Da sind zum Beispiel die aktuellen politischen Unwägbarkeiten, mögliche unerwartete Schritte der Notenbanken in Richtung einer strafferen Geldpolitik oder vielleicht eine neue Wendung während der Brexitverhandlungen. Aus unserer Sicht kann es daher nicht schaden, etwas zusätzliche „Munition“ in Form von Cash zurückzulegen: Wenn die Märkte plötzlich nervös werden und die Kurse fallen, können sich Anlagechancen ergeben.

Das gilt jedenfalls, solange sich der grundlegende Konjunkturrahmen nicht verschlechtert. Und danach sieht es im Moment nicht aus, im Gegenteil. Der Anstieg der Aktienkurse während der vergangenen Monate verlief parallel zu einem kräftigen Wachstum der Unternehmensgewinne bei immer noch mäßiger Inflation. Zumindest außerhalb der USA sind Unternehmen nach wie vor attraktiv bewertet. Aus Aktiensicht befinden wir uns damit in einem Goldlöckchenszenario, das für Anleger genauso ideal ist, wie es klingt.

Wer bereit ist, ein größeres Risiko einzugehen, findet in einigen Schwellenmärkten Spannendes: Auf der Aktienseite etwa bieten zum Beispiel Unternehmen aus Korea Potenzial. Dort hat sich die Corporate Governance verbessert, und die Gewinne sind sehr stark gestiegen, was die Aktienkurse aber noch nicht vollständig widerspiegeln. Auch Anleihen lateinamerikanischer Staaten werden unserer Meinung nach am Markt negativer gesehen als gerechtfertigt. Bei Anleihen aus den entwickelten Märkten liegt der Fall anders. Die sicheren Zinstitel sind durchweg teuer und anfällig für einen Abverkauf. Dieser kann durch kleinste Signale ausgelöst werden – ein besonders restriktiver Kommentar eines Notenbankers oder eine leicht steigende Inflationsrate könnten bereits ausreichen. In diesem Segment halten wir es deshalb für rat sam, sich möglichst flexibel aufzustellen und auch Short-Positionen oder sogar eine negative Duration zuzulassen, um von steigenden Anleiherenditen profitieren zu können.