111 Fonds im Crashtest Die besten Schwellenländer-Rentenfonds

Neujahrsfeier in Hong Kong / Foto: Lam Yik Fei/Getty Images

Neujahrsfeier in Hong Kong / Foto: Lam Yik Fei/Getty Images

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Mit Schwellenländeranleihen haben Anleger über Jahre hinweg gutes Geld verdient. Bis zum Frühjahr 2013. Dann schickte die Ankündigung der US-Notenbank Fed, die monatlichen Ankäufe amerikanischer Staatsanleihen reduzieren zu wollen, die Kurse auf Talfahrt. Viele auf dieses Segment spezialisierte Rentenfonds verloren innerhalb weniger Monate mehr als 10 Prozent an Wert.

Doch die Furcht, die von einer drohenden Zinswende in den USA ausgeht, war spätestens im Herbst 2013 wieder verflogen. In den vergangenen zwölf Monaten erzielten viele Schwellenländer-Rentenfonds respektable Wertzuwächse, der Crashtest-Sieger Pioneer Emerging Markets Bond legte sogar mehr als 11 Prozent zu.

Crashtest: Die besten Schwellenländer-Rentenfonds

Wer mit festverzinslichen Wertpapieren höhere Renditen erzielen will, als Steuer und Inflation wegfressen, kommt um höherverzinsliche Anleihen aus Schwellenländern kaum herum - trotz drohender Zinswende in den USA. DER FONDS nennt die besten Angebote.

  Fonds Punkte
Gesamt
Pkt.
Perfor-
mance
Pkt.
Stress-
test
Pkt.
Rating
Vol. in
Mio. €
1 Pioneer Emerging Markets Bond 208 100 48 60 1,929
2 Apollo New World 203 91 87 25 61
3 Kepler Emerging Markets Rentenfonds 164 53 64 47 94
4 Candriam Bonds Emerging Markets 164 83 11 70 486
5 ISI Emerging Market Bonds 155 60 30 65 57
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Sortierkriterium: Punkte Gesamt, Quelle: Testverfahren DER FONDS, Berechnung und Daten: FWW Fundservices GmbH (Stichtag: 22. Oktober 2014)
Quelle: Sortierkriterium: Punkte Gesamt, Quelle: Testverfahren DER FONDS, Berechnung und Daten: FWW Fundservices GmbH (Stichtag: 22. Oktober 2014)


Nun steht der nächste Test bevor. Am 29. Oktober verkündete Fed-Chefin Janet Yellen wie erwartet das Ende der Ankaufprogramme. Über kurz oder lang dürften die Zinsen für US-Anleihen also wieder steigen.

Aber: In Europa und in Japan halten die Notenbanken an ihrer Politik des billigen Geldes fest, und auch bei geringfügig höheren US-Zinsen bliebe der Renditevorteil der Schwellenländer gewahrt. Derzeit beträgt er auf Dollarbasis knapp 3 Prozentpunkte. Als Beimischung sind Emerging-Markets-Bonds also allemal interessant, zumal die wirtschaftliche und finanzielle Lage vieler Schwellenländer nach wie vor besser ist als jene der Industrieländer.

Trotz alledem sollten Anleger bei der Auswahl nicht allein auf die mögliche Performance schielen, sondern auch die Risiko-Kennziffern im Blick behalten. Bei den Siegern im aktuellen Crashtest hinterlässt in dieser Hinsicht der zweitplatzierte Apollo New World den besten Eindruck. Noch besser schneidet der in der Gesamtwertung auf Rang 8 liegende Global Evolution Frontier Markets ab: Dessen Volatilität war in den vergangenen drei Jahren nur knapp halb so hoch wie beim Pioneer Emerging Markets Bond, ähnliches gilt für den maximalen Verlust.
Beim Stresstest-Sieger Multirent-Invest (98 von 100 möglichen Punkten) hapert es dagegen bei der Performance: Auf Drei-Jahres-Sicht stehen dort nur knapp 5 Prozent auf der Habenseite gegenüber 40 Prozent im Pioneer Emerging Markets Bond und 24 Prozent im Global Evolution Frontier Markets. Über fünf Jahre beträgt der Performance-Abstand zum Pioneer-Fonds sogar 62 Prozentpunkte. Die drei Sieger-Fonds im Kurz-Porträt

Platz 1: Pioneer Emerging Markets Bond Der im Sommer 2000 aufgelegte Fonds gehört mit knapp 2 Milliarden Euro Volumen zu den Flaggschiffen unter den Schwellenländeranleihen-Fonds. Fondsmanager Yerlan Syzdykov kann flexibel agieren. Die Benchmark des Fonds dient nur als Performance-Vergleich. Syzdykov kauft überwiegend Hartwährungsanleihen, darf aber auch bis zu einem Drittel des Fondsvolumens in Lokalwährungen anlegen. Zurzeit macht er von dieser Möglichkeit aber kaum Gebrauch. Ähnlich klar ist seine Ausrichtung bei den Emittenten: Im Portfolio trafen Ende September 194 Unternehmensanleihen auf drei Staatsanleihen.

Grundlage für die Einzeltitelauswahl ist ein mehrstufiger Investmentprozess. An erster Stelle steht die Makroanalyse. Untersuchungskriterien sind die Kreditwürdigkeit, die wirtschaftliche und fiskalische Lage, aber auch die politische Situation der einzelnen Länder. Daraus strickt Syzdydov die Länderallokation. Erst dann geht er mithilfe des hauseigenen Researchs auf die Suche nach interessanten Investments.

Das Portfolio verteilt sich über eine Vielzahl von Ländern. Größte Länderposition ist zurzeit Russland mit einem Anteil von knapp 9 Prozent. Solide Daten wie eine niedrige Staatsverschuldung und die drittgrößten Währungsreserven der Welt machen Russland und seine Unternehmen in den Augen von Syzdydov zu einem attraktiven Investment.

Platz 2: Apollo New World Fondsmanager Stefan Winkler folgt bewusst keiner Benchmark. Statt auf die in den einschlägigen Indizes anzutreffenden großen Positionen einzelner Staaten setzt er auf eine größtmögliche Diversifizierung. Große Untergewichte im Vergleich zum Gesamtmarkt finden sich deshalb unter anderem in Russland und Brasilien.

Ende September waren 35 Prozent des Fondsvermögens in Osteuropa investiert. Weitere Schwergewichte sind Lateinamerika (30 Prozent) sowie Asien (23 Prozent). Afrika hat mit 11 Prozent eine deutlich geringere Bedeutung im Fonds. Winkler, der im Fondsmanagement von Günther Moosbauer unterstützt wird, bewegt sich ausschließlich in den Hartwährungen, also im US-Dollar (70 Prozent) und im Euro (30 Prozent). Mehr als die Hälfte des Währungsrisikos ist gegenüber dem Euro abgesichert.

Winkler definiert Emerging Markets als Staaten, die Defizite in wirtschaftlichen, strukturellen oder rechtlichen Belangen aufweisen. Deshalb gehören auch Anleihen der PIIGS-Staaten Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien zu seinem Anlageuniversum. Aktuell machen diese aber nur etwas mehr als ein Prozent des Fondsvermögens aus.

Platz 3: Kepler Emerging Markets Rentenfonds

Dieser 2001 aufgelegte Fonds folgt einer Kombination aus Top Down- und Bottom Up-Ansatz. Im ersten Schritt legt Fondsmanagerin Gabriele Nopp-Rau mit ihrem Team die Länder- und Rating-Allokation fest. Dabei kommt ein selbst entwickeltes Risikomodell zum Einsatz, das Kepler-Scoring. Es gewichtet die einzelnen Länder anhand von Wirtschaftsdaten, Verschuldungs-, Budget- und Leistungsbilanz-Kennzahlen und einer qualitativen aktuellen Länderbeurteilung. Im zweiten Schritt wählt das dreiköpfige Kepler-Team die Anleihen nach quantitativen Bewertungskriterien aus. Ob eine Anleihe den Weg ins Portfolio schafft, entscheidet neben dem Rating und dem Kepler-Scoring unter anderem auch die Höhe des jeweiligen Risikoaufschlags.
Ende September entfiel gut ein Drittel des Fondsvermögens auf Anleihen aus Lateinamerika, knapp ein weiteres Drittel auf Osteuropa. Gut geschlagen im Analyseprozess haben sich in diesem Jahr auch Afrika und der Mittlerer Osten, deren Anteile am Portfolio deutlich zugenommen haben. Papiere aus Südostasien, insbesondere aus China und von den Philippinen, sind dagegen untergewichtet. Wie der Apollo New World ist auch der Kepler Emerging Markets Rentenfonds zur Gänze in den Hartwährungen US-Dollar und Euro investiert. Dabei beträgt der Anteil an Dollar-Anleihen aktuell 92 Prozent. Da Nopp-Rau den Dollar komplett absichert, bestehen für Euro-Investoren jedoch keinerlei Währungsrisiken.

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