13 Fonds im Crashtest Die besten Fonds für deutsche Nebenwerte

In einem A350 für Qatar Airways: Seit 2000 ist der Flugzeugbauer Airbus im M-Dax vertreten. Auf dem A350 ruhen viele Gewinnhoffnungen des Unternehmens. (Foto: KARIM JAAFAR/AFP/Getty Images)

In einem A350 für Qatar Airways: Seit 2000 ist der Flugzeugbauer Airbus im M-Dax vertreten. Auf dem A350 ruhen viele Gewinnhoffnungen des Unternehmens. (Foto: KARIM JAAFAR/AFP/Getty Images)

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Nach zwei Spitzenjahrgängen kehrte 2014 wieder etwas mehr Bescheidenheit am deutschen Aktienmarkt ein. Vor allem die zweite Jahreshälfte war sehr volatil – bis in den Dezember hinein. Schließlich beendete der Dax das Jahr aber doch noch mit einem – im Vergleich zu Zinsanlagen akzeptablen – Plus von 2,7 Prozent.

Crashtest: Die besten Fonds für deutsche Nebenwerte

  Fonds Punkte
Gesamt
Pkt.
Perfor-
mance
Pkt.
Stress-
test
Pkt.
Rating
Vol. in
Mio. €
1 Lupus Alpha Smaller German Champions 231 85 86 60 29
2 I-Shares M-Dax 222 73 89 60 1,036
3 Uni Deutschland XS 188 72 82 34 40
4 Allianz Nebenwerte Deutschland 182 73 79 30 644
5 DWS German Small/Mid Cap 180 81 69 30 128
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Sortierkriterium: Punkte Gesamt, Quelle: Testverfahren DER FONDS, Berechnung und Daten: FWW Fundservices GmbH (Stichtag: 12. Dezember 2014), Wertentwicklung auf Euro-Basis
Quelle: Sortierkriterium: Punkte Gesamt, Quelle: Testverfahren DER FONDS, Berechnung und Daten: FWW Fundservices GmbH (Stichtag: 12. Dezember 2014), Wertentwicklung auf Euro-Basis


Bei den Nebenwerten ging die Performance-Schere auseinander. Der 50 Werte umfassende M-Dax brachte es auf 2,2 Prozent. Überzeugender war der S-Dax, der die in punkto Marktkapitalisierung im Streubesitz und Börsenumsatz nächstfolgenden 50 Unternehmen bündelt: Er schaffte knapp 6 Prozent. Der Tec-Dax legte um 17 Prozent zu – rasant, aber nach 41 Prozent im Jahr 2013 trotz allem auch irgendwie bescheiden.



Die Auswahl an Fonds, die sich auf deutsche Nebenwerte konzentrieren, ist sehr übersichtlich. Lediglich 13 davon erfüllten die im Crashtest geforderten Kriterien, was Volumen und Auflagedatum betrifft. Und wieder einmal zeigte sich: Aktives Stockpicking kann zwar durchaus erfolgreich sein, doch gerade mittel- und langfristig ist das kostengünstigere passive Management keineswegs zu verachten. So belegt der börsennotierte Indexfonds I-Shares M-Dax von Blackrock den zweiten Platz.

Etwas unter Wert geschlagen wurden einige Fonds, die wie der auf Squeeze-Outs spezialisierte KR Fonds Deutsche Aktien Spezial oder der Stresstest-Sieger DC Value One AMI ihre defensiven Stärken im Aufschwung der vergangenen fünf Jahre nicht voll zur Geltung bringen konnten. Wer in den kommenden Jahren wieder ein etwas raueres Umfeld für deutsche Aktien erwartet, sollte deshalb auch diese beiden Kandidaten nicht völlig außer Acht lassen.

Die drei Sieger-Fonds im Kurzporträt

Platz 1: Lupus Alpha Smaller German Champions

Rund 80 Werte haben Peter Conzatti (r.) und Björn Glück in ihrem Portfolio. Damit ist der Lupus Alpha Smaller German Champions für einen deutschen Stockpicker-Nebenwertefonds relativ breit gestreut. Conzatti ist seit 2007 für den Fonds verantwortlich. Seit 2009 hat er Björn Glück an seiner Seite, der zuvor als Analyst am Anlageerfolg mitwirkte.

Lupus Alpha wurde im Jahr 2000 von Ralf Lochmüller, Matthias Biedenkapp, Christoph Braun und dem im Sommer 2014 verstorbenen Karl Fickel gegründet. Bekannt ist die Frankfurter Fondsboutique vor allem für ihre Expertise bei europäischen Nebenwerten. Die Titelauswahl erfolgt nach dem hauseigenen fundamentalen Investmentprozess, der quantitative und qualitative Kriterien vereint.

„Wir setzen auf Geschäftsmodelle, die wir als zukunftsträchtig und nachhaltig profitabel sehen und die darüber hinaus möglichst hohe Eintrittsbarrieren haben“, erklärt Glück. Darüber hinaus müsse die Bewertung attraktiv sein – gemessen an Finanzkennzahlen wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis, dem Ertrag auf das eingesetzte Kapital und einer Cash-Flow-Analyse. „Im besten Fall haben wir noch eine andere Meinung als der Markt oder sehen die Konsens-Gewinnschätzungen als zu niedrig an“, so Glück.

Zum Anlageuniversum zählen vor allem Werte aus dem M-Dax und dem S-Dax, die Fondsmanager können aber auch andere Werte aus dem Regulierten Markt sowie aus dem Entry Standard kaufen. Am stärksten ist der Fonds mit rund 30 Prozent aktuell in Industriewerten investiert. „Der Fonds ist zurzeit eher zyklisch aufgestellt“, erklärt Glück. Er erwartet zwar kein Konjunkturwunder, hält die Aktien aber für teilweise günstig bewertet.

Platz 2: I-Shares M-Dax Der in den vergangenen Jahren auf ein Volumen von mehr als einer Milliarde Euro angewachsene Fonds bildet möglichst genau den deutschen Mittelstandsindex M-Dax ab. Dies erfolgt durch physische Replikation, das Fondsvermögen wird also tatsächlich in sämtliche Indexwerte investiert.

Der 1996 gestartete M-Dax umfasst jene 50 Unternehmen, die gemessen an Freefloat-Marktkapitalisierung und Börsenumsatz auf die 30 Dax-Unternehmen folgen. Er wird wie der Dax als Performance-Index, einschließlich der Dividendenzahlungen, berechnet. Größter Wert mit knapp 10 Prozent Gewichtung ist Airbus, gefolgt von Pro Sieben Sat1 Media und Brenntag mit einem Anteil von jeweils rund 5 bis 6 Prozent. Wichtigster Sektor mit gut 30 Prozent sind Industriegüter und -dienstleistungen. Es folgen Immobilien und Chemie mit 16 beziehungsweise 14 Prozent.

Der Index wird vierteljährlich überprüft und einem Rebalancing unterzogen. Nach dem obligatorischen September-Check schafften die Deutsche Annington Immobilien sowie die Kion Group den Aufstieg. Der Dampfgarer Rational und der Graphit- und Kohlenstoff-Spezialist SGL Carbon, der dem M-Dax erst seit November 2013 angehörte, wanderten dafür in den S-Dax ab. Auch außerhalb der vierteljährlichen Termine sind in Ausnahmefällen Änderungen möglich. So übernahm am 4. Dezember Jungheinrich den Platz von Sky Deutschland.

Während der M-Dax 2014 um 2,17 Prozent zulegte, schaffte der I-Shares-ETF nur ein um 0,55 Prozentpunkte schlechteres Ergebnis – was in etwa der Kostenquote entspricht. Die jährliche Rendite aus Aktienleihen lag zum 30. September bei 0,02 Prozent.

Platz 3: Uni Deutschland XS

Auffälligstes Merkmal dieses Fonds von Union Investment ist sein sehr konzentriertes Portfolio. Fondsmanager Michael Muders beschränkt sich zurzeit auf 25 Titel. Der größte Wert, der Mobilfunk-Service-Provider Drillisch aus dem Tec-Dax, hat ein Gewicht von knapp 10 Prozent, Patrizia Immobilien kommt auf über 8 Prozent. Rund 60 Prozent des Portfolios stecken in nur zehn Werten.

Muders begleitet den Fonds seit Auflegung 2006 – zunächst als verantwortlicher Fondsmanager, dann als Stellvertreter und seit März 2013 wieder als Hauptverantwortlicher. In den vergangenen zwölf Monaten hat der 52-Jährige ein gutes Händchen bewiesen. Zum Auswertungsstichtag des Crashtests (12. Dezember 2014) weist er mit über 12 Prozent die beste Ein-Jahres-Performance aller getesteten Fonds auf. Das hat er nicht zuletzt seinen Investitionen in die beiden viel kritisierten Börsengänge von Rocket Internet und Zalando zu verdanken. Die Werte schienen zwar zunächst zu floppen, stiegen bis Jahresende aber an.

Muders sucht unter den kleinen und mittelgroßen deutschen Firmen nach unterbewerteten Unternehmen, die Anhaltspunkte dafür bieten, dass sich diese Unterbewertung in absehbarer Zeit auflöst. Neben Qualitätstiteln können dies auch Turnaround-Kandidaten sein. Basis der Titelauswahl ist ein umfangreiches Screening, mit dem der Union-Manager und sein Team rund 150 Aktien herausfiltern, die sie genauer betrachten.