14 Fonds im Crashtest Die besten flexiblen europäischen Mischfonds

Zwei der Large Caps, welche die drei Fondsmanager des Invesco Pan European High Income kaufen: Novartis und Allianz (Fotos: Getty Images)

Zwei der Large Caps, welche die drei Fondsmanager des Invesco Pan European High Income kaufen: Novartis und Allianz (Fotos: Getty Images)

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Mischfonds sind die klaren Gewinner 2014: Laut BVI-Statistik flossen den Publikumsfonds in diesem Segment netto 22,7 Milliarden Euro zu, so viel wie keiner anderen Kategorie. Schon 2013 lagen die Mischfonds mit 18,3 Milliarden Euro Nettozuflüssen an der Spitze.

Crashtest: Die besten europäischen flexiblen Mischfonds

  Fonds Punkte
Gesamt
Pkt.
Perfor-
mance
Pkt.
Stress-
test
Pkt.
Rating
Vol. in
Mio. €
1 Unirak 252 93 89 70 2,598
2 Invesco Pan European High Income Fund 244 90 84 70 4,750
3 Walser Portfolio German Select DE 223 84 79 60 26
4 Oppenheim DA 220 47 99 74 117
5 UBS Global Allocation Focus Europe 197 60 87 50 172
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Sortierkriterium: Punkte Gesamt, Quelle: Testverfahren DER FONDS, Berechnung und Daten: FWW Fundservices GmbH
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Doch nicht nur die Nachfrage ist gestiegen, auch das Fondsangebot wurde in den vergangenen Jahren kräftig ausgebaut. Die Vielfalt der Strategien ist unüberschaubar und auch relativ schwer, in Gruppen zu fassen. Entsprechend schwierig ist ein aussagekräftiger Vergleich der Produkte. Gerade flexible Strategien unterscheiden sich so stark, dass Äpfel nicht nur mit Birnen, sondern auch mit Pflaumen und Tomaten verglichen werden. Einfach nur den besten Fonds zu wählen, reicht also als Auswahlkriterium bei weitem nicht aus. Es gilt in die Fonds hinein zu schauen.



Wie wichtig das ist, zeigt schon der Vergleich der drei bestplatzierten Fonds im Crashtest für flexible Mischfonds mit dem Schwerpunkt Europa. Der erstplatzierte Unirak setzt grundsätzlich stärker auf Aktien als auf Anleihen und investiert einen Teil seines Portfolios auch außerhalb der eigentlichen Zielregion. Der zweitplatzierte Invesco Pan European High Income investiert nur in Europa, aber deutlich stärker in Anleihen als in Aktien. Und der Walser Portfolio German Select DE auf dem dritten Platz kann die Gewichtung der Aktien und Anleihen jeweils von null bis 100 Prozent hoch- und runterfahren. Im Gegensatz zu den beiden anderen Siegerfonds investiert er aber ausschließlich in Deutschland.

Die Sieger-Fonds im Kurzporträt

Platz 1: Unirak

Der Crashtest-Sieger ist ein echter Klassiker unter den Mischfonds in Deutschland. Er wurde bereits 1979 von Union Investment aufgelegt und schaffte in diesem Zeitraum eine durchschnittliche Wertentwicklung von 7,9 Prozent pro Jahr. Das Kürzel „rak“ steht für Renten/Aktien, den beiden im Fonds vertretenen Anlageklassen. Um die Aktienseite kümmert sich seit Anfang 2000 Thomas Jökel (r.). Er investiert international, hält aber mindestens 22,5 Prozent des Fondsvermögens in deutschen Aktien. In der Regel sind es 30 Prozent. Hinzu kommen mindestens 26,25 Prozent internationale Aktien. Der Anleiheanteil, für den seit 2001 Jörg Warncke verantwortlich ist, muss mindestens ebenfalls 26,25 Prozent ausmachen und ist auf Euro-Anleihen fokussiert. Den Cash-Part können Jökel und Warncke auf bis zu 25 Prozent hochfahren.

Tatsächlich halten sich die beiden Fondsmanager weitgehend an ihre strategische Allokation von 65 Prozent Aktien und 35 Prozent Anleihen. „Seit wir den Fonds zusammen managen, hat es nur selten Phasen gegeben, wo wir nahezu 10 Prozentpunkte davon abgewichen sind. Normalerweise liegen wir eher bei etwa 5 Prozentpunkten Über- oder Untergewicht“, erläutert Jökel. „Wir versuchen vielmehr möglichst viele voneinander unabhängige Wetten einzugehen, um den Erfolg zu steigern.“ Wichtiger als die Gewichtung der Anlageklassen sind für die Manager die vielen Möglichkeiten der Einzeltitel-Selektion im Aktienbereich und der Zins- und Bonitäten-Steuerung auf der Rentenseite.

Ende Januar betrug der Aktienanteil knapp 66 Prozent. Die Hälfte davon war in deutschen Aktien investiert, knapp 13 Prozent in US-Titeln. Vom 32 Prozent ausmachenden Rentenanteil steckte mehr als ein Drittel in Italien und Spanien.

Platz 2: Invesco Pan European High Income

Dieser 2006 aufgelegte Fonds strebt hohe regelmäßige Erträge an. Dazu investiert er vornehmlich in europäische Anleihen und kauft sowohl von Unternehmen als auch von Staaten ausgegebene Papiere. Europäische Aktien dürfen bis zu 30 Prozent beigemischt werden. Die übliche Quote ist jedoch geringer. 2014 hat das Fondsmanagement sie auf 20 Prozent angehoben, und im Laufe des Jahres ist sie bis auf über 22 Prozent hochgelaufen – womit sie bereits am oberen Ende der historischen Aktienspanne lag. Neben der Aktienquote sorgt die Investitionsquote für Flexibilität im Fonds. Bis zu 30 Prozent können die Fondsmanager in Cash halten.

Verantwortlich für den Fonds ist ein Trio: Paul Causer (l.) managt den Fonds bereits seit der Auflegung, Paul Read ist seit 2008 dabei. Um den Aktienanteil kümmert sich seit 2012 Stephanie Butcher. Sie konzentriert sich auf Unternehmen mit hohem Cashflow sowie beständigen oder steigenden Dividenden. Large Caps wie Novartis, Allianz und ING gehören zu den größten Positionen.

Im Mittelpunkt steht jedoch der Anleihebereich. Über 40 Prozent des Fondsvermögens entfallen auf Hochzinspapiere. Hinzu kommen Investmentgrade-Unternehmensanleihen. Staatsanleihen spielen zurzeit keine wichtige Rolle. Da die Erträge der in Euro denominierten Anleihen aktuell eher mau sind, weichen die Manager auch gern, wenn möglich, auf höher rentierliche Dollar-Anleihen europäischer Emittenten aus.

Platz 3: Walser Portfolio German Select DE

Jürgen Jann hält nichts von Bauchgefühl und auch nichts von Prognosen. Der Fondsmanager der Walser Privatbank verlässt sich auf sein regelbasiertes finanzmathematisches Modell, das ausschließlich Vergangenheitsdaten auswertet. Dieses Modell stellt auch die Basis seines Walser Portfolio German Select, dessen Ende 2009 über Universal aufgelegte deutsche Variante auf dem dritten Platz landete. Man erkennt sie an der „DE“-Ergänzung im Fondsnamen. Das 2004 gestartete Original liegt auf Platz 6.

Jann investiert in den Dax und den deutschen Anleihe-Index Rex-P. Entscheidend ist nicht die Einzeltitelauswahl, sondern die Allokation der beiden Anlageklassen Aktie und Rente. Immer zu Beginn eines Jahres starten beide Klassen mit einem Anteil von je 50 Prozent. Jeden Monat allokiert Jann neu, und zwar gewichtet er nach dem Best-of-Two-Ansatz die besser gelaufene Anlageklasse noch etwas stärker. Wie stark, hängt von der Höhe der Outperformance ab. So kann eine Anteilsklasse bis auf 100 Prozent Gewichtung steigen. Beispielsweise lag die Aktienquote Ende 2007 bei fast 100 Prozent und ein Jahr später bei null, das gesamte Vermögen steckte in Anleihen.

Jann investiert vor allem in Dax-Aktien und Dax-ETFs. Die monatliche Feinsteuerung erfolgt über Futures, also über den Verkauf von Dax-Futures und den Kauf von Futures auf 2,5- und 10-jährige Bundesanleihen. Das Jahr 2014 beendete der Walser Portfolio German Select nahezu ausgeglichen, mit einem leichten Überhang bei den Aktien. Diese dominieren auch jetzt: „Nach dem Start ins neue Jahr mit einer 50:50 Allokation haben wir die Aktienquote Anfang Februar erhöht und liegen nun moderat oberhalb der neutralen Quote. Die Anleihequote haben wir entsprechend reduziert“, so der Walser-Manager.