15 Jahre Lloyd Fonds: „Die Schwarte hat gekracht, aber wir kommen sauber aus der Krise“

Torsten Teichert

Torsten Teichert

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DAS INVESTMENT.com: Mit 15 ist man mitten in der Pubertät. Hat der Initiator Lloyd Fonds sein Ich schon gefunden? Torsten Teichert: Na klar - und bei den bei uns handelnden Personen ist die Sturm-und-Drang-Zeit ja schon eine Weile her. Bei unserem Börsengang 2005 sagten manche, dass eigentlich jedes Emissionshaus ein "Me-too-Emissionshaus" sei.  Letztlich definiert sich jedes Emissionshaus durch seine Produkte und durch die Performance dieser Produkte. Und da gibt es schon gehörige Unterschiede. Mit Attributen wie „das persönliche“ oder „das sympathische“ Emissionshaus kann ich selbst wenig anfangen. Worauf ich aber Wert lege: Wir sind ein anständiges Unternehmen, das nichts auf die leichte Schulter nimmt und für den Erfolg der Fonds hart arbeitet. DAS INVESTMENT.com: Zwischenzeitlich sah es indes so aus, als ob Sie das Wettrennen gewinnen wollten, wer die meisten Assetklassen in Fonds verpacken kann. Teichert: Jedes unserer Produkte haben wir nach entsprechender Analyse des Markts emittiert. Dass dabei auch mal ein Weg nach einiger Zeit nicht weiter verfolgt wird, ist völlig üblich. Übrigens weisen die Ratinggesellschaften nach wie vor gern darauf hin, dass die Emissionshäuser produktseitig viel zu wenig diversifiziert seien. Genau das ist aber für viele heute ein Problem. Wir haben unsere Produktklassen von sechs auf zwei, also Transportation und Immobilien, reduziert. Alles zu machen, ist für Lloyd Fonds genauso wenig optimal wie ausschließlich auf einen Bereich wie etwa Schiffe zu setzen. Interessanterweise gehen einige vorher eher spezialisierte Häuser momentan in die entgegengesetzte Richtung und werden zum Gemischtwarenladen. Wir werden sehen, was das bringt. DAS INVESTMENT.com: Was ist die wichtigste Lehre, die Sie aus der Krise ziehen? Teichert: Dass wir zu wenig Geld verdienen. Das meine ich absolut ernst: Denn der Gewinn, den wir Emissionshäuser erwirtschaften, war in der Vergangenheit nicht risikoadäquat. Dabei ist zu bedenken, dass wir früher ja jedes Asset erst vollständig ankaufen mussten, mit allen Haftungsverpflichtungen – bevor wir es dann als Fonds wieder verkaufen konnten. Bei nüchterner Betrachtung der tatsächlichen Haftungsvolumina in der Vergangenheit lag der Nachsteuergewinn bezogen auf dieses Haftungsvolumen oft nicht über 2 Prozent. DAS INVESTMENT.com: Und deswegen ist das KG-Modell in einer Krise? Teichert: Ja, wir haben in der Krise gelernt, dass wir zu viele Risiken auf unsere Bücher genommen hatten. Die Zeche zahlen jetzt Emissionshäuser, Reedereien und Banken. Wobei die Banken natürlich immer noch den Zugriff auf die Assets haben. Etwas überspitzt formuliert: Vor der Krise war für uns Fondshäuser das Wachstum die "Risikovermeidungsstrategie" – weil als größtes Risiko der Mangel an vertriebsfähigen Fonds angesehen wurde. Das ist heute anders.