15 Jahre Riester-Vorsorge Riester-Rente: „Scheitern sieht anders aus“

Ex-Arbeitsminister Walter Riester bei einem Staatsbesuch im Iran im Jahr 2000 | © Getty Images

Ex-Arbeitsminister Walter Riester bei einem Staatsbesuch im Iran im Jahr 2000 Foto: Getty Images

„Die Riester-Rente ist gescheitert.“ Ein Satz, der sitzt. Und mit dem sich Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer im April 2016 in die ziemlich große Gruppe der Riester-Meckerer einordnet. Kritik an dem staatlich geförderten Produkt gibt es nämlich auch zum 15. Geburtstag zuhauf. Sie sei ein Fehlschlag, so Ex-Bundesarbeitsminister und „Die-Rente-ist-sicher“-Verkünder Norbert Blüm. Von der Riester-Rente profitierten vor allem Versicherer und Fondsgesellschaften, schimpft der Ökonom Peter Bofinger.

Diese Dauerschelte zeigt Wirkung. Die Zahl der Riester-Verträge stagniert beziehungsweise geht in manchen Produktkategorien zurück. So kletterte die Zahl der Riester-Versicherungen bis 2012 auf rund 11,1 Millionen Verträge. Ende 2016 waren es nur noch 10,9 Millionen.

Ist die Riester-Rente tatsächlich gescheitert?

Auch manche Riester-Anbieter ziehen sich aus dem Geschäft zurück. Die Helvetia etwa bietet seit Januar 2015 kein Riester-Produkt mehr an. Basler und Swiss Life ebenso. Und auch die Nürnberger hat ihre Riester-Rente eingestellt, zumindest vorläufig: „Neben dem derzeit herrschenden Niedrigzinsumfeld führt die starke Regulierung des Gesetzgebers zu komplexen Verwaltungsvorgängen, welche eine wirtschaftliche Verwaltung der Verträge erschweren“, sagt Stefanie Alt. „Ob und wann wir wieder Riester-Verträge anbieten, ist aktuell noch nicht final entschieden“, so die Leiterin Produkt- und Marktmanagement Leben weiter.

Ist das Produkt also tatsächlich gescheitert? Nö, zeigt eine kleine Umfrage von DAS INVESTMENT unter Versicherungsgesellschaften.

„Die Riester-Rente lohnt sich allein schon durch die staatliche Förderung für alle – insbesondere für Familien mit Kindern“, sagt Tobias Warweg, Vorstand Makler- und Kooperationsvertrieb der HDI Vertriebs AG. Er liefert dazu auch gleich ein Beispiel: Eine Familie mit zwei Kindern und einem mittelbar geförderten Ehepartner mit einem Jahreseinkommen von 40.000 Euro bekäme für einen Eigenbeitrag von 752 Euro jährlich 908 Euro vom Staat. Warweg: „Die staatliche Förderung beläuft sich damit auf 55 Prozent des Gesamtbeitrags.“ Das kann sich sehen lassen.

„Scheitern sieht anders aus“

Auch bei der WWK hat sich noch keinerlei Riester-Müdigkeit eingestellt. „Wir konnten unser Neugeschäft an Riester-Verträgen seit 2013 mehr als verdreifachen“, sagt WWK-Mann Ansgar Eckert. Und dieser Trend werde sich wohl auch 2017 fortsetzen, wie die ersten Monate zeigten. Bei der Alten Leipziger ist die Entwicklung der Riester-Rente ebenfalls positiv. „So haben sich die Neuabschlüsse von 2014 auf 2015 um 54 Prozent und von 2015 auf 2016 sogar um 117 Prozent erhöht“, sagt Leben-Vorstand Jürgen Bierbaum. „Die Steigerung resultiert vor allem aus der fondsgebundenen Riester-Rente.“

„Wir bieten unseren Vertriebspartnern nach wie vor Riester-Renten an, denn wir sind von dem Produkt überzeugt“, sagt Christian Schröder vom Volkswohl Bund. Der Dortmunder Versicherer verbuchte im vergangenen Jahr 30 Prozent mehr neu abgeschlossene Riester-Versicherungen. Schröder: „Scheitern sieht anders aus.“