22 Fragen an Frank Fischer „Fotograf hätte mir Spaß gemacht“

Frank Fischer, Manager des Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen | © C. Scholtysik/P.Hipp

Frank Fischer, Manager des Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen Foto: C. Scholtysik/P.Hipp

  1. Ihre erste prägende Erfahrung zum Thema Geld?

Ich habe mein erstes Geld mit Zeichnungen verdient. Damals war ich sechs oder sieben Jahre alt. Nachbarn, die Mitleid hatten, haben mir dann ein paar Bilder abgekauft. Meinem Vater war das peinlich, weil ich wirklich nicht zeichnen konnte. Aber auch er hat mir einige Bilder abgekauft – aber wohl nur, damit ich an der Haltestelle nicht weiter die Leute belästige

  1. Wären Sie nicht Fondsmanager geworden, wären Sie heute …

Wahrscheinlich Gemmologe, also ein Mensch, der sich mit Edelsteinen beschäftigt. Oder Fotograf. Beides hätte mir Spaß gemacht

  1. Haben Sie ein berufliches Vorbild?

Ist doch klar: Als Value-Investor bin ich ein glühender Fan von Warren Buffett

  1. Welche andere Persönlichkeit imponiert Ihnen oder fasziniert Sie?

Mich fasziniert Jeremy Grantham, der Vorstandschef von GMO. Der ist nicht nur ein ausgezeichneter Value-Investor, sondern auch ein sehr guter Risikomanager. Darüber hinaus beschäftigt er sich intensiv mit politischen und umweltpolitischen Fragen

  1. Welches Buch sollte jeder Fondsmanager gelesen haben?

Famous Financial Fiascos von John Train. Die Börse ist schließlich keine Einbahnstraße

  1. Wie motivieren Sie sich, wenn Sie mit Ihrem Fonds einmal hinter der Konkurrenz zurückbleiben?

Wenn das mal vorkommt, dann wurmt das mein Team und mich enorm und spornt uns noch mehr an. Da geht es nicht nur um die Verantwortung den Anlegern gegenüber, sondern um die Frage unserer Existenzberechtigung. Denn wer braucht uns noch, wenn wir nicht dauerhaft eine gute Performance abliefern?

  1. Und die Belohnung, wenn Sie alle anderen abgehängt haben?

Das ist dann ein Ego-Boost. Wenn es einem gelingt, die vielen schlauen Köpfe, die es in unserem Geschäft gibt, hinter sich zu lassen, dann genießen mein Team und ich diesen kurzen Moment. Denn schon ein paar Tage später kann es wieder ganz anders aussehen

  1. Ihr bislang schönstes Erlebnis als Fondsmanager?

Es ist kein einzelnes Erlebnis. Wir freuen uns, wenn wir Trends mittel- bis langfristig richtig einschätzen. Und wenn wir Unternehmen langfristig und erfolgreich begleiten können. Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit: Secunet und Washtec

  1. Welchem verpassten Investment trauern Sie noch heute nach?

Dem Labortechnik-Unternehmen Tecan. Ein Versiebenfacher, den wir zu früh verkauft haben. Denn danach hat sich die Aktie noch mal verfünfunzwanzigfacht!

  1. Worüber haben Sie sich in jüngster Zeit so richtig geärgert?

Dass wir den Brexit falsch gesehen haben

  1. Und wem würden Sie gern einmal gehörig die Meinung sagen?

Allen Politikern, die verwahrlostes Kapital nicht verhindern. Den Aktionären eines Unternehmens sollte es möglich sein, mit dem Management in einen ehrlichen Dialog zu treten. Stattdessen kommt es viel zu häufig vor, dass diese angestellten Manager das Unternehmen als Selbstbedienungsladen sehen. Hier vernünftige Rahmenbedingungen zu schaffen, ist Aufgabe der Politik