22 Fragen an Marc Basselier „Comics sind eine Kunst – sowohl zeichnerisch als auch erzählerisch“

Marc Basselier, Manager des Axa Framlington Global Convertibles

Marc Basselier, Manager des Axa Framlington Global Convertibles

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1. Ihre erste prägende Erfahrung zum Thema Geld?

Als ich noch ein Junge war, kaufte mir mein Vater eine einzelne Aktie, damit ich Erfahrungen auf diesem Gebiet sammeln konnte. Es war eine Aktie des Haushaltswaren-Herstellers Moulinex, der in den 60er Jahren zu den größten börsennotierten Gesellschaften Frankreichs gehörte. Obwohl mein Engagement später in der Pleite endete, halte ich es nach wie vor für eines meiner besten Investments – so viel Erfahrung für so wenig Geld gibt es selten. Aus diesem Grund besitze ich das wertlose Stück immer noch

2. Wie haben Sie Ihr Studium finanziert?

Danke schön, Frankreich! Mein Studium war nicht sehr teuer, so dass ein paar Gelegenheitsjobs und ein wenig Unterstützung durch meine Eltern völlig ausgereicht haben. Ich erinnere mich, dass die Jahresgebühr gerade einmal bei 750 Euro gelegen hat, inklusive Unterkunft. Deshalb halte ich es auch für meine Pflicht, etwas zurückzugeben und meine damalige Universität zu unterstützen

3. Haben Sie ein berufliches Vorbild?

Ich könnte natürlich Warren Buffett anführen. Aber wenn ich ehrlich bin, habe ich nicht wirklich ein Vorbild. Dafür treffe ich zu viele interessante Leute, die mich Bescheidenheit lehren. Zu meinen Kunden gehört zum Beispiel ein Pensionsfonds aus dem Gesundheitssektor, der von einem nach wie vor praktizierenden Mediziner geführt wird. Trotz der zusätzlichen Belastung weiß dieser Mann genau, wie ein weltweites Multi-Asset-Portfolio auszusehen hat. Respekt!

4. Die unsinnigste Börsen-Theorie, die Ihnen je untergekommen ist?

Dass es Investments geben soll, die bei niedrigen Risiken auf Dauer hohe Erträge erwirtschaften

5. Welches Buch sollte jeder Fondsmanager gelesen haben?

Ich habe einen naturwissenschaftlichen Hintergrund, deshalb empfehle ich Fraktale und Finanzen des Mathematikers Benoît Mandelbrot. Generell ist es für einen Fondsmanager wichtig, viel zu lesen – nicht nur über das Auf und Ab der Märkte: Auch wer beispielsweise die Marketing-Strategie von Apple studiert, kann enorm viel über das Finanzwesen lernen

6. Wie motivieren Sie sich, wenn Sie mit Ihrem Fonds einmal hinter der Konkurrenz zurückbleiben?

Es macht mir nichts aus, hin und wieder dem breiten Markt hinterherzuhinken. Entscheidend für mich ist das Geld meiner Kunden, nicht der Platz in einer Ranking-Liste. Trotzdem hilft in einer solchen Phase der Zuspruch von Kollegen – den es in aller Regel auch gibt

7. Und die Belohnung, wenn Sie alle anderen abgehängt haben?

Die schönste Belohnung ist, wenn ein Kunde neues Geld in meinen Fonds investiert – dann weiß ich, dass meine Arbeit für ihn von Nutzen war

8. Ihr bislang schönstes Erlebnis als Fondsmanager?

Am besten fühle ich mich, wenn ich voller Zuversicht eine zum Markt entgegengesetzte Position einnehmen kann. Ein Beispiel ist vielleicht der Kauf von Gilead Sciences. Ursprünglich war das Unternehmen nur für Medikamente gegen Aids bekannt – bis es 2011 Pharmasset kaufte, ein recht kleines Biotech-Unternehmen, das aber an einem aussichtsreichen Mittel gegen Hepatitis C forschte. Der Kaufpreis lag bei 11 Milliarden Dollar, 6 Milliarden Dollar über dem vorherigen Marktwert. Das war vielen Akteuren zu teuer: Gilead verlor innerhalb kürzester Zeit mehr als 10 Prozent. Ich dagegen habe in dieser Phase gekauft, und aus dem 11-Milliarden-Dollar-Zukauf entwickelte sich innerhalb weniger Jahre ein 80 Milliarden Dollar umfassender Geschäftszweig. Die Gilead-Aktie stieg in diesem Zeitraum von unter 20 auf zeitweise über 100 Dollar

9. Worüber haben Sie sich in jüngster Zeit so richtig geärgert?

Über einen Bandscheibenvorfall, der mich zu einer Operation gezwungen hat. Dafür dankbar sein zu müssen, dass man wieder normal laufen kann, ist eine seltsame Erfahrung

10. Und wem würden Sie gern einmal gehörig die Meinung sagen?

Mir selbst, wenn ich mich wieder einmal danebenbenehme

11. Was sammeln Sie?

Comics, in erster Linie aus Belgien und Frankreich. Für mich ist das eine Kunst, sowohl zeichnerisch als auch erzählerisch, und es gehört eine Menge Arbeit dazu. Deshalb verstehe ich auch nicht, warum der Kreis der Liebhaber dafür in Deutschland so klein ist. Zu meinen Favoriten gehören Corto Maltese, mit dessen Abenteuern ich meine Sammlung begonnen habe, die im Venedig des 18. Jahrhunderts angesiedelte Serie Giacomo C und – ganz aktuell – Blacksad