220 Fonds im Crashtest Die besten globalen defensiven Mischfonds

Pennywise, dämonische Hauptfigur des Stephen-King-Romans „Es“, auf einem Wandgemälde in Sydney: Manche fürchten sich vor Clowns, andere haben eine regelrechte Phobie gegen das Auf und Ab der Aktienmärkte. | © Getty Images

Pennywise, dämonische Hauptfigur des Stephen-King-Romans „Es“, auf einem Wandgemälde in Sydney: Manche fürchten sich vor Clowns, andere haben eine regelrechte Phobie gegen das Auf und Ab der Aktienmärkte. Foto: Getty Images

Geht es um die Ängste von Menschen, ist Psychiatern und Psychologen kaum ein Sachgebiet fremd. Merkwürdig nur: Die mitunter panische Angst deutscher Anleger, mit Aktien Geld zu verlieren, spielt in der einschlägigen Literatur bisher kaum eine Rolle, es gibt noch nicht einmal einen expliziten Namen dafür. Bestens bekannt in Fachkreisen ist dagegen die Orthophobie – die Angst vor Eigentum. Wir sind schon ein merkwürdiges Volk. 

Im Angesicht von Nullzins und steigenden Inflationsraten laufen derzeit gleich mehrere Versuche, Anleger vor den fatalen finanziellen Folgen ihrer Börsen-Phobie zu bewahren. „Der erste Schritt“, ein betont konservativ gemanagter Einsteiger-Fonds des Kölner Vermögensverwalters Flossbach von Storch ist ein solcher Versuch, der im Mai gestartete „Zukunftsfonds“ von Ex-„Bild“-Chef Kai Diekmann und seinem Jugendfreund Leonhard Fischer (von 1999 bis 2002 Vorstand der Dresdner Bank) ein anderer. Ob die Botschaft verfängt? Zu wünschen wäre es beiden Anbietern – wenn denn am Ende die Ergebnisse stimmen. Soll heißen: Unter dem Strich springt trotz sehr niedriger Schwankungen mehr heraus als bei einem klassischen Festgeld oder einem reinen Anleihe-Produkt.

Rang Fonds Punkte gesamt Pkt. Perfor-mance Pkt. Stress-test Pkt. Aktives Mgmt. Vol. in Mio. € ISIN
1 FOS Rendite und Nachhaltigkeit 67 29 18 20 965 DE000DWS0XF8
2 Acatis ELM Konzept 65 27 18 20 86 LU0280778662
3 4Q-Income Fonds 64 28 11 25 128 DE000A1JUV78
4 Mainfirst Absolute Return Multi Asset 64 30 10 24 96 LU0864714000
5 Premium-Mandat Konservativ EUR 64 30 10 24 105 DE0008493859
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Dazu bedarf es keiner Hexerei, wie der jüngste Crashtest von 220 defensiv ausgerichteten, bereits seit längerem am Markt erhältlichen Mischfonds zeigt. Viele der untersuchten Angebote (siehe Tabelle) legten seit Mai 2013 um 15 Prozent oder mehr zu, blieben aber bei der Volatilität – der Kennzahl für das Auf und Ab des Anteilspreises – meist deutlich unter 5 Prozent. Zum Vergleich: Der deutsche Anleihe-Index Rex schaffte im selben Zeitraum ein Plus von nur 7 Prozent, sein Aktien-Pendant Dax schlug auf der Volatilitäts-Skala bei 15,3 Prozent an und schwankte damit mehr als dreimal so stark.

Drei Top-Fonds im Porträt

Platz 1: FOS Rendite und Nachhaltigkeit

Doris Märzluft

Das in München ansässige Managementteam des 2009 aufgelegten Crashtest-Siegers unter der Leitung von Doris Märzluft gehört zum vornehmen Deutsche Oppenheim Family Office. Bis 1998 betreute es exklusiv das Vermögen der Bankiersfamilie von Finck. Beim FOS Rendite und Nachhaltigkeit kommen jedoch nicht nur Millionäre zum Zuge, willkommen ist jeder Anleger mit monatlichen Raten ab 25 Euro. Dabei sorgen die konstant guten Leistungen der vergangenen Jahre für steten Zufluss: Am 18. Mai 2018 überschritt das Fondsvolumen erstmals die Grenze von einer Milliarde Euro.

Was den FOS Rendite und Nachhaltigkeit von den meisten Wettbewerbern unterscheidet, ist die strikte Ausrichtung an sozialen, ethischen und ökologischen Zielen. „Ausgeschlossen sind beispielsweise Anleihen von Staaten, in denen es die Todesstrafe gibt“, erläutert Märzluft. Ein Knockout-Kriterium für US-Treasuries, nicht jedoch für Anleihen amerikanischer Firmen. Entsprechende Titel finden sich derzeit aber kaum im Portfolio. Ob die Geschäftspolitik eines in Frage kommenden Emittenten in irgendeiner Form anstößig ist, stimmt Märzluft wie in allen anderen Fällen auch mit den Nachhaltigkeits-Experten der Münchner Gesellschaft Oekom Research ab.

Einen Teil des Mehrertrags der vergangenen Jahre hat Märzluft über Währungsgewinne hereingeholt. Den Kern des Portfolios bilden freilich auf Euro lautende Festzinspapiere. Im aktuellen Umfeld liegt dabei der Schwerpunkt auf Nachranganleihen aus dem Finanzsektor. „Dabei profitieren wir stark von vorzeitigen Kündigungen“, berichtet Märzluft. Die durchschnittliche Restlaufzeit hält sie durch Absicherungsgeschäfte bewusst kurz, um sich vor steigenden Zinsen zu schützen.

Den Aktienanteil von derzeit 28 Prozent streut Märzluft auf knapp 40 Einzeltitel aus Europa und den USA sowie auf vier Fonds mit Schwerpunkt Südostasien beziehungsweise Wasserrecycling. Seit Anfang 2018 darf sie Aktien mit bis zu 35 Prozent gewichten, zuvor waren es 30 Prozent. Damit hat ihr Arbeitgeber auf den Umstand reagiert, dass die Jagd nach Rendite-Vorteilen an den globalen Rentenmärkten immer schwieriger wird. „Das heißt jedoch nicht, dass wir künftig generell eine höhere Aktienquote fahren“, betont Märzluft. Letztlich gehe es darum, die Flexibilität zu erhöhen.