249 Fonds im Crashtest Die besten globalen flexiblen Mischfonds

Rechnerraum einer Bitcoin-Farm im kanadischen Saint-Hyacinthe: Mit einer Wette auf die boomende Kryptowährung Bitcoin ließ der Mischfonds Acatis Datini Valueflex im Kalenderjahr 2017 alle Konkurrenten weit hinter sich. | © Getty Images

Rechnerraum einer Bitcoin-Farm im kanadischen Saint-Hyacinthe: Mit einer Wette auf die boomende Kryptowährung Bitcoin ließ der Mischfonds Acatis Datini Valueflex im Kalenderjahr 2017 alle Konkurrenten weit hinter sich. Foto: Getty Images

Global, flexibel, gemischt – mehr geht nicht. Ein Fondsmanager, der in dieser Kategorie antritt, genießt abgesehen von den gesetzlichen Vorgaben der Risikostreuung komplette Narrenfreiheit. So zumindest kann man es sehen und genau so versteht Hendrik Leber seine Rolle als Manager des Acatis Datini Valueflex. „Ich reagiere spontan auf interessante Gelegenheiten und setze häufig Ideen um, die als Krümel meiner täglichen Arbeit abfallen“, schildert der Gründer der Frankfurter Investmentboutique Acatis seine Vorgehensweise.

Was auf den ersten Blick ein wenig chaotisch anmutet, ist das Erfolgsrezept der vergangenen Jahre schlechthin. Seit der Auflegung im Dezember 2008 brachte der nach dem italienischen Kaufmann Francesco di Marco Datini benannte, zunächst nur für eine einzelne Unternehmer-Familie lancierte Mischfonds ein Plus von knapp 350 Prozent. Das entspricht einer durchschnittlichen Jahresrendite von mehr als 17 Prozent. Doch auch die im April 2011 für die Allgemeinheit nachgeschobene Anteilsklasse B kann sich mehr als sehen lassen. Kein anderer globaler flexibler Mischfonds erzielte über die vergangenen fünf Jahre eine auch nur annähernd so gute Performance: Zum Stichtag 27. April 2018 waren es 145,49 Prozent (siehe Tabelle).

Rang Fonds Punkte gesamt Pkt. Perfor-mance Pkt. Stress-test Pkt. Aktives Mgmt. Vol. in Mio. € ISIN
1 WHC Global Discovery 84 36 25 23 428 DE000A0YJMG1
2 IP Multi-Flex 74 26 27 21 23 LU0186920152
3 Acatis Datini Valueflex B 73 33 10 30 287 DE000A1H72F1
4 Top Vermögen Concept Value 69 29 15 25 28 LU0314165159
5 Loys Global MH B 67 27 10 30 150 DE000A0H08U6
244 weitere Fonds

Trotz seiner Spitzen-Performance belegt der Acatis Datini Valueflex im aktuellen Crashtest von 249 globalen flexiblen Mischfonds nur Rang 3. Schwächen nämlich zeigt der Fonds – bei Lebers Anlagephilosophie nicht sonderlich überraschend – im Stresstest, wo er von 30 möglichen Punkten (siehe „So ermittelt DAS INVESTMENT die Sieger“) lediglich 10 Punkte erreicht. Auch im Performance-Block fehlen am Ende 7 Punkte an der Höchstpunktzahl von 40, weil die Ergebnisse in der Regel weniger konstant ausfallen als bei manchen Wettbewerbern. Für Anleger, die einen ausreichend langen Anlagehorizont mitbringen und von Lebers Managementfähigkeiten überzeugt sind, sollte das jedoch kein Kauf-Hindernis sein.

Mit 84 von 100 Punkten liegt im Crashtest wie im Vorjahr ein Fonds ganz vorn, dessen Manager in punkto Narrenfreiheit ähnlich tickt wie Hendrik Leber. Auch Markus Wedel schert sich im WHC Global Discovery keinen Deut um Vergleichsindizes, Marktprognosen oder moderne Portfolio-Theorien. Mit seiner überwiegend auf wenige deutsche Nebenwerte fokussierten Anlagestrategie schaffte Wedel ebenfalls eine beachtliche Fünf-Jahres-Performance – die jedoch in deutlich ruhigeren Bahnen verlief als beim Acatis Datini Valueflex. So verlor letzterer seit April 2013 in der Spitze 23,2 Prozent an Wert, der WHC Global Discovery lediglich 8,5 Prozent.

Einziger Schönheitsfehler des Crashtest-Siegers: Er ist bereits seit dem 1. Februar 2016 für Neuanlagen geschlossen, lediglich vor diesem Datum eingerichtete Sparpläne werden noch bedient. Wedel verweist in diesem Zusammenhang auf den Schwesterfonds SPSW Global Multi Asset Selection, der ein ganz ähnliches Konzept verfolgt.

Eine mögliche Alternative wäre auch der im Crashtest zweitplatzierte IP Multi-Flex. Dessen Manager Lars Rosenfeld konzentriert sich wie Wedel sehr stark auf die Region Deutschland, Österreich und Schweiz und dort ebenfalls vor allem auf Nebenwerte. Hinzu kommen Unternehmen in Sondersituationen. Trotz der deutlichen Leistungssteigerung in den vergangenen Jahren führt dieser bereits im April 2004 aufgelegte Fonds beim Volumen noch ein Schattendasein: Derzeit verwaltet Rosenfeld in seinem Portfolio gerade einmal 23 Millionen Euro. Der Flexibilität hat es nicht geschadet, eher im Gegenteil.

Apropos Volumen: Der beste Fonds im Gesamtklassement, der mehr als eine Milliarde Euro verwaltet, ist der von Feri Trust gemanagte Best Opportunity Concept auf Rang 24. Der Top-Seller Flossbach von Storch Multiple Opportunities (Volumen: 12,2 Milliarden Euro) folgt auf Rang 45, das Sektor-Schwergewicht Blackrock Global Allocation (15,7 Milliarden Euro) belegt Rang 135. Letzteres eine Größenordnung, die neben dem bereits zugangsbeschränkten WHC Global Discovery wohl auch die beiden anderen Crashtest-Gewinner nie erreichen werden. Hendrik Leber sieht zwar derzeit beim Acatis Datini Valueflex mit knapp 300 Millionen Euro „noch viel Luft nach oben“, behält sich aber vor, bei einem nachhaltigen Überschreiten der Milliardengrenze die Notbremse zu ziehen. Lars Rosenfeld wiederum setzt diese Grenze deutlich niedriger an, ohne aber im Vorfeld eine konkrete Zahl zu nennen: „Noch haben wir Steigerungspotential bis mindestens 100 Millionen Euro.“

Drei Top-Fonds im Porträt

Platz 1: WHC Global Discovery

Markus Wedel

Mit dem im Oktober 2010 gegründeten Allrounder beteiligt sich Fondsmanager Markus Wedel nur an Unternehmen, von denen er restlos überzeugt ist. So überzeugt, dass er möglichst große Anteile von ihnen besitzen möchte. In der Regel hält Wedel nur um die 30 Titel im Portfolio, wobei ein Großteil der erzielten Gesamt-Performance auf die jeweiligen Top-Ten-Positionen entfällt. Wedel: „Im Kalenderjahr 2017 lag dieser Anteil bei knapp 80 Prozent.“

Gleichzeitig verfolgt Wedel aber auch einen Absolute-Return-Ansatz, möchte also in jedem Kalenderjahr ein positives Ergebnis erzielen. Deshalb schöpft er die den Anlagebedingungen zufolge mögliche Aktienquote von 100 Prozent nicht annähernd aus. Meist ist schon bei 50 oder 60 Prozent Schluss. Den Rest füllt er mit Anleihen auf – zum Beispiel von Firmen, deren Aktien ihm zu teuer sind. Daneben hält er selten weniger als 10 Prozent Cash, oft sind es sogar über 20 Prozent. „Das gibt uns die nötige Flexibilität, um auch in unsicheren Börsenzeiten interessante neue Werte zu kaufen“, erläutert Wedel.

Wie findet er nun die Top-Positionen, aus denen er seine Performance saugt? Meist handelt es sich dabei um mittelständische Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum, zu deren Management Wedel mit seinen Partnern von der Hamburger Vermögensverwaltung SPSW engen Kontakt hält. Beispiele sind das Logistikunternehmen VTG, das Emissionshaus Lloyd und der Windpark-Projektierer PNE Wind, die ihren Geschäftssitz ebenfalls in Hamburg beziehungsweise im nahegelegenen Cuxhaven haben.

Vereinzelt gehören auch Index-Schwergewichte wie SAP oder IBM dazu. Für Wedel ist das allerdings eher die Ausnahme, wie er betont: „Wir finden in diesem Segment nur selten Firmen, die unseren Kriterien zufolge deutlich unterbewertet sind. Außerdem haben wir Respekt vor den hohen Zuflüssen in ETFs und davor, dass aus diesem Schlüsselloch in schwierigen Phasen alle gleichzeitig hinaus wollen.“

Mit 22 Prozent liegt die aktuelle Cash-Quote des WHC Global Discovery über dem langjährigen Durchschnitt. „Die Bewertungen vieler Titel sind nicht attraktiv und das Risiko wird nicht ausreichend gepreist“, begründet Wedel. Zugekauft hat er allerdings nach der jüngsten Kursschwäche bei MLP, wo er sich durch die neue gesetzliche Regelung zur betrieblichen Altersvorsorge Rückenwind erhofft. Nicht mehr im Portfolio vertreten sind dagegen der Schweizer Solarmodul-Hersteller Meyer Burger und der norwegische Fischkonzern Austevoll Seafood.