28 Fonds im Crashtest Die besten dynamischen europäischen Mischfonds

Blick auf Tower Bridge und Themse in London: Der Sieger des Crashtests setzt auf das Großbritannien. (Foto: Getty Images)

Blick auf Tower Bridge und Themse in London: Der Sieger des Crashtests setzt auf das Großbritannien. (Foto: Getty Images)

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Anleger schwören weiter auf Mischfonds. Das zeigt unter anderem der aktuelle europäische Fondsabsatz-Bericht von Morningstar. Sowohl im September als auch insgesamt in den ersten neun Monaten dieses Jahres haben Mischfonds mehr Anlegergelder angezogen als jede andere Fondskategorie.

Crashtest: Die besten Mischfonds Europa

  Fonds Punkte
Gesamt
Pkt.
Perfor-
mance
Pkt.
Stress-
test
Pkt.
Rating
Vol. in
Mio. €
1 Threadneedle Monthly Extra Income Fund 253 93 80 80 344
2 Deutsche Aktien Total Return 214 73 94 47 260
3 DWS Vorsorge AS (Flex) 198 57 91 50 75
4 LVM Pro-Futur-Fonds 188 80 63 45 124
5 Candriam Sustainable High 178 68 83 27 50
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Sortierkriterium: Punkte Gesamt, Quelle: Testverfahren DER FONDS, Berechnung und Daten: FWW Fundservices GmbH (Stichtag: 20. Oktober 2014)
Quelle: Sortierkriterium: Punkte Gesamt, Quelle: Testverfahren DER FONDS, Berechnung und Daten: FWW Fundservices GmbH (Stichtag: 20. Oktober 2014)


Im aktuellen Crashtest stehen dynamische, also eher aktienorientierte Mischfonds mit regionalem Schwerpunkt Europa im Fokus. Schon die drei besten Fonds zeigen, wie abwechslungsreich diese Anlagekategorie sein kann. Der Sieger-Fonds, der Threadneedle Extra Monthly Income, setzt auf Großbritannien. Der zweitplatzierte Deutsche Aktien Total Return legt in Deutschland an, und der drittplatzierte DWS Vorsorge AS (Flex) hat zwar seinen Schwerpunkt in Europa, investiert aber letztlich global.

In den Teilbereichen Performance und Rating liegt jeweils der von Richard Colwell und Alasdair Ross gemanagte Threadneedle-Fonds vorn. Weder über drei noch über fünf Jahre weist ein anderer Fonds ein besseres Ergebnis aus, und Colwell und Ross schafften auch in jeder einzeln betrachteten Zwölf-Monats-Periode eine Outperformance. Folgerichtig steht der Threadneedle Extra Monthly Income auch bei vielen Fondsanalysten hoch im Kurs.

Im Stresstest liegt dagegen der Carmignac Euro-Patrimoine unangefochten in Front: 100 von 100 möglichen Punkten, mehr geht nicht. Mit dem Klassiker Carmignac Patrimoine hat der Stresstest-Sieger bis auf den Namen nicht allzu viel gemein. Fondsmanager Muhammed Yesilhark kauft vereinzelt auch außerhalb Europas und kann im Aktienbereich sowohl long als auch short agieren. Dabei soll die Netto-Aktienquote (long minus short) maximal 50 Prozent betragen. Der absoluten Perfomance tat diese Strategie nur bedingt gut: Mit einem Wertzuwachs von 9,97 Prozent über drei Jahre und 14,97 Prozent über fünf Jahre findet sich der Camignac Euro-Patrimoine am hinteren Ende des Feldes. Auch das jüngste Zwölf-Monats-Ergebnis von minus 1,86 Prozent ist leicht unterdurchschnittlich.

Die drei Sieger-Fonds im Kurz-Porträt

Platz 1: Threadneedle Extra Monthly Income Fund

Die beiden Fondsmanager Richard Colwell (l.) und Alasdair Ross setzen auf Arbeitsteilung. Colwell kümmert sich um Aktien, Ross um die Anleihen-Seite. Die beiden Engländer investieren für den Fonds schwerpunktmäßig in ihrem Heimatmarkt: Mindestens zwei Drittel des Portfolios müssen in britischen Aktien und Anleihen, die in Pfund Sterling notieren, angelegt sein.

Dabei steht Colwells Arbeit schon seit längerem stärker im Fokus. „Zurzeit sind rund 25 Prozent des Fonds in Anleihen investiert, der Rest in Aktien“, so der Threadneedle-Manager. „In letzter Zeit haben wir diese Aufteilung nicht deutlich verändert.“

Er setzt auf ein relativ konzentriertes Portfolio aus britischen Aktien. „Ich achte vor allem auf Unternehmen, bei denen die Fähigkeit, eine nachhaltige Dividende aufzubauen, noch nicht in der Bewertung enthalten ist“, so Colwell. Auf drei Kernbereiche zielt er ab: auf versteckte Perlen, die der Markt vernachlässigt, auf Unternehmen, die langfristig eine Chance auf eine Neubewertung haben, und auf Value-Aktien.

Anleihe-Experte Ross hat den größeren Fondsanteil nach Anzahl der Titel. Er streut sehr breit, so dass insgesamt rund 200 Werte im Portfolio sind. Der Manager investiert in Unternehmensanleihen mit Schwerpunkt Großbritannien, mischt aber auch Anleihen aus anderen Ländern – auch außerhalb Europas – bei.

Sowohl beim Aktien- als auch beim Anleihe-Part steht das Thema Income im Vordergrund. Dividenden und Zinskupons ermöglichen feste monatliche Ausschüttungen an die Anleger. Eine Eigenschaft, der der Fonds letztlich seinen Namen verdankt.

Platz 2: Deutsche Aktien Total Return Der 2005 von LRI aufgelegte Fonds hat seinen geographischen Schwerpunkt in Deutschland. Anleger vertrauen voll auf das Können von Albrecht von Witzleben (r.) und Christian Krahe von der von Witzleben Asset Management. 244 Millionen Euro verwaltet der Fonds mittlerweile – ein stattliches Volumen für einen Vermögensverwalterfonds ohne größeren Vertriebsapparat.

Krahe und von Witzleben setzen auf ein konzentriertes Portfolio aus rund 20 Aktien und etwa ebenso vielen Unternehmens- und Wandelanleihen. Letztere spielen allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Die Fondsmanager sind an keine Gewichtungsgrenzen gebunden und investieren losgelöst von einer Benchmark. Die aktuelle Gewichtung von rund einem Drittel Anleihen entspricht der üblichen Allokation des Fonds. Die Aktienquote liegt zurzeit bei 55 Prozent. Hinzu kommen etwas Cash und als fester Krisen-Hedge eine rund 3,5 Prozent große Position in Xetra Gold.

Im Aktienbereich spielen Nebenwerte eine wichtige Rolle. So sind die Aktien von Freenet und Sixt mit 7,7 und 7,0 Prozent die größten Positionen im Fonds. Und die Manager scheuen auch nicht vor ausgefallenen Anlagen zurück, wenn sie voll von ihnen überzeugt sind. So stecken zurzeit noch rund 1,3 Prozent im offenen Immobilienfonds Degi Europa, den sie nach der Schließung des Fonds günstig über die Börse erworben haben.

Platz 3: DWS Vorsorge AS (Flex)

Der DWS Vorsorge AS (Flex) folgt den Regeln eines Altersvorsorge-Sondervermögens (AS-Fonds). Demnach müssen mindestens 51 Prozent des Fondskapitals in Substanzwerten, also in Aktien oder Immobilien, investiert sein. „Da nach der neuen Gesetzgebung offene Immobilienfonds für uns nur noch sehr beschränkt investierbar sind, betrachten wir die Untergrenze für die Aktienquote bei rund 51 Prozent“, erklärt Lorand Soha. Er managt den Fonds seit Jahresanfang verantwortlich, ist aber schon seit August 2012 als Co-Manager dabei. Zurzeit machen Immobilienfonds 2,5 Prozent seines Portfolios aus. Die Obergrenze für Aktien beschränken die AS-Regeln auf 75 Prozent. „Im aktuellen Jahr haben wir die Quote für Aktien und Immobilienfonds relativ konstant bei etwa 65 bis 70 Prozent gehalten“, sagt Soha. Der Rest fließt in Renten und Cash.

Marktrisiken steuert Soha nicht nur über die Asset Allocation, sondern auch innerhalb des Aktienanteils. „Als im Juli eine Abschwächung der europäischen Konjunktur sichtbar wurde, haben wir den Aktienteil defensiver aufgestellt und verstärkt in Standardwerte mit höherer Marktkapitalisierung investiert“, so der DWS-Manager. Außerdem setzt er seither bewusst auf ein möglichst globales Aktienuniversum. Da AS-Fonds den Fremdwährungsanteil aber auf 30 Prozent beschränken müssen, liegt der Schwerpunkt stets auf der Eurozone.

Soha setzt seine Anlageziele nicht nur über Einzeltitel um, sondern investiert auch in ETFs, aktiv gemanagte Fonds und Derivate. Unter den größten Positionen befinden sich beispielsweise ein auf Dollar lautender ETF für Schwellenländeranleihen sowie ein ETF für asiatische Aktien.

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