3 Thesen Bitcoin – Chance oder Systemrisiko?

Exemplarisch geprägte Bitcoin-Münzen. Banken, die aus Prinzip von Bitcoin Abstand halten, lassen sich interessante Investment-Möglichkeiten entgehen, sagen Heinz-Gerd Stickling und Laura Pfannemüller von ZEB. | © Getty Images

Exemplarisch geprägte Bitcoin-Münzen. Banken, die aus Prinzip von Bitcoin Abstand halten, lassen sich interessante Investment-Möglichkeiten entgehen, sagen Heinz-Gerd Stickling und Laura Pfannemüller von ZEB. Foto: Getty Images

Keine Auflistung aktueller Themen beim Jahresrückblick, die ohne einen Verweis auf „Bitcoin“ oder „Krypto“ auskommt. Mit dem Aufspringen der klassischen Medien auf den Krypto-Zug ist das Thema endgültig in der allgemeinen gesellschaftlichen Debatte angekommen. Zusammengefasst: Alle reden über den Bitcoin.

Einzig eine Gruppe hält sich erstaunlich zurück: Insbesondere deutsche Banken treten, wenn überhaupt, nur als Mahner in Erscheinung. Vergleiche zu den Hypes des Neuen Markts und der Dotcom-Blase werden herangezogen. Doch wie gerechtfertigt sind solche Gegenüberstellungen? Und können Bitcoins unsere heutige Geldordnung revolutionieren, wie deren Protagonisten behaupten? Im Folgenden wollen wir eine Einordnung anhand von drei Thesen geben.

These 1: Bitcoins sind als Währungsersatz untauglich und stellen keine Bedrohung für die Kreditvergabe der Banken als deren Kernfunktion dar

Die Welt in der Geldordnung nach Bretton Woods (seit 1971) ist für Kreditblasen und Finanzkrisen anfällig geworden. Darüber hinaus begünstigt sie Schuldenexzesse mit Verschuldungsgraden, die bislang nur in Kriegszeiten üblich waren. Krisen sind seither zum Regelfall geworden, wie das Deutsche Bank Market Research in einer Studie eindrucksvoll dokumentiert hat. Im bestehenden Geldsystem schöpfen Geschäftsbanken „Kredite aus dem Nichts“, d.h. sie können aus geldpolitischer Sicht ungedeckt und unbeschränkt Kredite ausgeben und schaffen im Zusammenspiel mit den Zentralbanken die Voraussetzungen für die o.g. Fehlentwicklungen.

Die große Finanzmarktkrise 2008/2009 war folgerichtig die Geburtsstunde des Bitcoins als digitale Alternativwährung, unabhängig von Regierungen, Zentralbanken und Geschäftsbanken. Kann dieser Anspruch eingelöst werden? „Der Bitcoin spielt eine sehr kleine Rolle in unserem Zahlungssystem, ist kein stabiles Wertaufbewahrungsmittel und auch als gesetzliches Zahlungsmittel nicht anerkannt“, so das kurze Urteil von Janett Yellen, Präsidentin der amerikanischen Notenbank. Das heißt, Bitcoins erfüllen heute die drei Merkmale einer Währung nur sehr unzureichend: Zahlungsmittel und Recheneinheit sowie Wertaufbewahrungsmittel zu sein.

Axel Weber, ehemaliger Bundesbankpräsident, sieht zudem einen Konstruktionsfehler im Bitcoin: „Weil es keinen Emittenten gibt, der die Kontrolle über das Angebot an Bitcoins hat, wird der Wert allein über die Nachfrage bestimmt“. Dies impliziere eine hohe Volatilität und Crashs seien unvermeidlich (NZZ vom 17. Dez. 2017).

Bitcoins müssen ihre Kinderkrankheiten erst überwinden und sich gegen andere Kryptowährungen durchsetzen, bevor sie das Potenzial haben, unser Geldsystem zu reformieren. Und dann stehen sie im Wettbewerb mit den großen Weltwährungen, die durch die Notenbanken und Regierungen „beschützt“ werden.