33 Fonds im Crashtest Die besten europäischen Long-Short-Aktienfonds

Wasserbus in der Anfahrt auf Venedig. | © Getty Images

Wasserbus in der Anfahrt auf Venedig. Foto: Getty Images

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Im jüngsten Crashtest für europäische Aktien traten insgesamt 433 Fonds gegeneinander an. Demgegenüber zeigt sich das Angebot von Fonds, die diesen Markt über eine Long-Short-Strategie beackern, sehr übersichtlich: Aktuell erfüllen gerade einmal 33 – also exakt 400 weniger – die Kriterien, die DER FONDS für die Analyse heranzieht. Gerade in turbulenten Börsenphasen haben die Manager dieser Fonds jedoch einen entscheidenden Vorteil gegenüber der Konkurrenz, die ausschließlich auf steigende Aktienkurse setzen kann.

Besonders gut versteht sich Blackrock-Manager David Tovey darauf, sowohl auf long als auch short zu gehen. Gegenüber den erfolgreichsten europäischen All Cap-Fonds über drei Jahre erzielte er mit dem Blackrock European Opportunities Extension Strategies einen Vorsprung von mehr als 30 Prozentpunkten und liegt insgesamt mit rund 92 Prozent im Plus (Stand 20. September 2016). Auch gegen die Konkurrenz, die ebenfalls auf die Long-Short-Strategie setzt, behauptet sich der Fondsmanager erfolgreich und belegt im aktuellen Crashtest wie schon im März den Spitzenplatz.

Die besten europäischen Long-Short-Aktienfonds

  Fonds Punkte
Gesamt
Pkt.
Perfor-
mance
Pkt.
Stress-
test
Pkt.
Rating
Vol. in
Mio. €
1 Blackrock European Opportunities Extension Strategies 200 100 20 80 637
2 Lupus alpha All Opportunities Fund 173 63 50 60 97
3 JPM Europe Equity Plus 167 81 16 70 3885
4 RAM Long/Short European Equities 167 63 64 40 364
5 Blackrock European Absolute Return Fund 148 30 84 34 1812
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Sortierkriterium: Punkte Gesamt, Quelle: Testverfahren DER FONDS, Berechnung und Daten: FWW Fundservices GmbH (Stichtag: 2. September 2016), Wertentwicklung auf Euro-Basis
Quelle: Sortierkriterium: Punkte Gesamt, Quelle: Testverfahren DER FONDS, Berechnung und Daten: FWW Fundservices GmbH (Stichtag: 2. September 2016), Wertentwicklung auf Euro-Basis

Auf 200 Punkte kommt der Fonds – das bedeutet gegenüber dem zweitplatzierten Lupus Alpha All Opportunities Fund einen komfortablen Vorsprung von 27 Punkten. Das Spitzenergebnis verdankt er vor allem der guten Wertentwicklung: 100 Punkte räumt er in dieser Disziplin ab. Sowohl über ein Jahr als auch über drei und fünf Jahre erzielte der Blackrock European Opportunities Extension Strategies jeweils ein Mehrfaches der Wertentwicklung seiner Konkurrenten. Eine Kostprobe: 17,23 Prozent Plus waren es im Zwölf-Monats-Zeitraum, auf Platz 2 folgt mit großem Abstand der Schroder Total Return mit 5,72 Prozent. Von zwei Ausnahmen abgesehen liegen die restlichen Fonds mit bis zu 16,14 Prozent im Minus.

Auch über die beiden anderen Vergleichszeiträume geht die Schere weit auseinander. Dies dürfte allerdings auch daran liegen, dass die Fonds teils sehr unterschiedliche Strategien verfolgen. Der Blackrock European Opportunities Extension Strategies beispielsweise hat das Ziel, in der Morningstar-Vergleichsgruppe „Aktien Europa Flex-Cap“ im ersten Quartil vertreten zu sein. Entsprechend offensiver agiert das Fondsmanagement, was sich auch im Stresstest wiederspiegelt. Die Drei-Jahres-Volatilität von 13,43 Prozent reicht in dieser Teildisziplin nur für Rang 28, während der Spitzenreiter Absolute Insight Equity Market Neutral einen Wert von 1,36 Prozent erreicht. Im Gesamtklassement liegt dieser Fonds aber nur auf Rang 14, weil er in puncto Performance mit Rang 24 ein deutlich schwächeres Ergebnis erzielte.

Seit dem vorangegangenen Crashtest im Frühjahr hat sich innerhalb der Kategorie einiges getan: Zu den Aufsteigern gehört der von der Frankfurter Investmentboutique CHOM Capital betreute CHOM Capital Active Return Europe UI, der sich von Rang 26 auf Platz 10 emporgearbeitet hat. Der Lupus Alpha All Opportunities Fund schoss gar von Rang 17 auf den zweiten Platz. Der zuletzt zweitplatzierte Henderson Horizon Pan European Alpha Fund wiederum fiel auf Rang 9 zurück.

Die drei Siegerfonds im Kurzporträt

Der Gesamtsieger: Blackrock European Opportunities Extension Strategies

David Tovey hat seinen Spitzenplatz innerhalb der Gesamtwertung verteidigt. Der Blackrock-Manager, der den Fonds gemeinsam mit Simon Hunter betreut, greift bei der Titelauswahl auf die Anlageideen des europäischen Aktienteams der weltgrößten Fondsgesellschaft zurück. Im Fokus stehen dabei unterbewertete Qualitätstitel mit guten Gewinnaussichten auf Sicht von ein bis drei Jahren. Short gehen die Fondsmanager hingegen mit Titeln, die gegenteilige Merkmale aufweisen und beispielsweise über ein vergleichsweise schwaches Management verfügen.

In Summe enthält der Fonds rund 100 bis 150 Positionen, wobei Nebenwerte eine wichtige Rolle spielen: Unternehmen mit geringer bis mittlerer Marktkapitalisierung werden mit mindestens 50 Prozent gewichtet. Dementsprechend setzt sich die Top-Ten-Liste der größten Einzeltitel mit Ausnahme des Tabakkonzerns BAT aktuell aus Titeln zusammen, die nicht jedem geläufig sind – darunter der Gasdruckfeder-Hersteller Stabilus.

Die Bezeichnung „Extension“ im Fondsnamen steht für die Ergänzung der Long-Strategie um synthetische Short-Positionen auf Einzeltitel. Die dort erwirtschafteten Prämien nutzen Tovey und Hunter wiederum, um in synthetische Long-Positionen zu investieren. Maximal können sie das Portfolio auf 200 Prozent hebeln.

Auf Branchenebene setzt das Duo den Schwerpunkt derzeit bei Industriewerten, der rund ein Drittel des Portfolios ausmachen. Auf Länderebene dominiert Großbritannien mit einer Gewichtung von knapp 30 Prozent. Stark übergewichtet gegenüber dem Vergleichsindex S&P Europe BMI ist der Fonds in dänischen Titeln, deren Anteil bei rund 15 Prozent liegt.

Einziger Schönheitsfehler in der seit Jahren makellosen Bilanz: Der Fonds ist seit Juli 2014 für Neuanleger geschlossen.