431 Fonds im Crashtest Die besten Fonds für europäische Aktien

Street Style in Barcelona: Ein Model trägt zu einem Mantel der Marke Zara einen Rucksack des Modells Kånken, einem Bestseller der schwedischen Marke Fjällräven, die zum Konzern Fenix Outdoor International gehört. | © Getty Images

Street Style in Barcelona: Ein Model trägt zu einem Mantel der Marke Zara einen Rucksack des Modells Kånken, einem Bestseller der schwedischen Marke Fjällräven, die zum Konzern Fenix Outdoor International gehört. Foto: Getty Images

Handy ist klar, Turnschuhe hätte man sich denken können. Aber dass auf den Schulhöfen und Universitäts-Campen dieser Welt neuerdings auch ein Rucksack über den Coolness-Faktor mitentscheidet?

Nach Beobachtung von Dirk Stöwer ist das so. „iPhone, Adidas, Kånken“, zählt der in Trier ansässige Vermögensverwalter und Berater des Nestor Europa Fonds die aktuellen Insignien der studentischen Oberliga auf. Was dem Hersteller der eher schlicht gehaltenen Tragehilfe natürlich nicht zum Nachteil gereicht: Beim schwedischen Unternehmen Fenix Outdoor laufen die Produktionslinien seit langem auf Volllast. Der Aktienkurs hat sich daraufhin seit Anfang 2015 fast verdreifacht.

Fenix Outdoor ist das, was Stöwer in der häufig etwas verschwurbelt daherkommenden Sprache der Fondsmanager einen „Value-Builder“ nennt. Weil er davon gleich mehrere an Bord hat, ist der Nestor Europa inzwischen selbst zu einer Art Werttreiber geworden: Zwischen Anfang 2013 und Anfang 2018 steigerte Stöwer den Anteilspreis um 85 Prozent.

Damit belegt der Nestor Europa im jüngsten Crashtest von 431 Europa-Aktienfonds in punkto Performance zwar nicht den Spitzenplatz, gehört aber doch zum oberen Zehntel seiner Vergleichsgruppe. Da er zudem in den Teilbereichen „Stresstest“ und „Aktives Management“ mit exzellenten Kennzahlen zu überzeugen weiß, stehen am Ende 91 von 100 möglichen Punkten und Platz 1 (siehe Tabelle). Nähere Informationen zum Auswahlverfahren lesen Sie hier.

Um ein Haar wäre der Nestor Europa gar nicht beim Crashtest dabei gewesen, denn die dafür nötige Mindestgröße von 10 Millionen Euro erreicht er nur mit Ach und Krach. Nach den konstant guten Ergebnissen der vergangenen Jahre erwartet Stöwer jedoch für die Zukunft „spürbare Zuflüsse“. Und auch für Späteinsteiger lohnt sich der Kauf seinen Worten zufolge noch: „Europa hatte aufgrund der Euro-Krise lange Zeit einen Malus bei internationalen Investoren. Auch die Brexit-Debatte war nicht förderlich. Doch ganz allmählich löst sich die politische Verkrampfung und öffnet den Aktienmärkten Potential.“

Rang Fonds Punkte gesamt Pkt. Perfor-mance Pkt. Stress-test Pkt. Aktives Mgmt. Vol. in Mio. â?¬ ISIN
1 Nestor Europa Fonds 91 34 30 27 10 LU0054735948
2 Invesco Europa Core Aktienfonds 85 32 30 23 108 DE0008470337
2 RAM Systematic European Equities 85 32 30 23 462 LU0268506903
2 Blackrock European Opportunities Extension 85 38 20 27 1188 LU0313923228
5 Sycomore Selection Responsable 82 30 30 22 1060 FR0011169341
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Ähnlich sehen das die Manager zweier im Ranking nachfolgender Fonds. „Makroökonomische Überlegungen spielen für uns keine Rolle“, betont zwar Thorsten Paarmann, der zusammen mit Manuela von Ditfurth und Michael Fraikin den Invesco Europa Core Aktienfonds betreut. Das hindert ihn jedoch nicht daran, Europas Börsenplätzen im Vergleich mit der weit vorausgelaufenen Wall Street einiges an Aufholbedarf zu bescheinigen. Und glaubt man Thomas de Saint-Seine vom Schweizer Vermögensverwalter RAM Active Investments, beginnt sich diese Erkenntnis allmählich bei vielen Investoren durchzusetzen: „Der Trend ist eindeutig pro Europa.“

Wie der RAM Systematic Europe Equities und der Inveso Europa Core Aktien hat auch der Blackrock European Opportunities Extension 85 Punkte erreicht und belegt damit Rang 2. Seine herausragende Fünf-Jahres-Performance von 185 Prozent hat Fondsmanager David Tovey mit einer Long-Short-Strategie erreicht, die am ehesten der eines 130/30-Fonds vergleichbar ist. Um diese Strategie nicht durch weitere Zuflüsse – aktuell beträgt das Volumen 1,2 Milliarden Euro – zu gefährden, hat Blackrock den Fonds allerdings Anfang 2017 nach kurzer Öffnung ein zweites Mal dicht gemacht. Weder Alt- noch Neu-Investoren können ihn derzeit kaufen.

Beim vorangegangenen Crashtest für europäische Aktienfonds im August 2016 war der Blackrock-Überflieger noch nicht dabei – ebenso wenig wie der Lupus Alpha All Opportunities auf Rang 7 oder der Chom Capital Active Return Europe UI auf Rang 15. Das liegt daran, dass unser Daten-Partner FWW dieses Mal Aktienfonds mit Long-Short-Ansatz erstmalig in die Auswertung einbezogen hat. Wobei nicht alle Fondsmanager mit diesen größeren Freiheiten so versiert umgegangen sind wie in den drei genannten Fällen: So landet der RWC Europe Absolute Alpha Fund mit 27 Punkten und einer eher mickrigen Fünf-Jahres-Performance von 8,8 Prozent abgeschlagen auf Rang 185.

Falls sich jemand fragen sollte, wo denn der Sieger des vorangegangenen Crashtests abgeblieben ist: Der Strategic Europe Value Fund von E.I. Sturdza konnte sich dieses Mal nicht qualifizieren, weil in der Fünf-Jahres-Berechnung Daten zur Volatilität fehlten. Mit einer Performance von 83,3 Prozent seit Anfang 2013 und einem vergleichsweise niedrigen maximalen Verlust von 12,9 Prozent darf der von Willem Vinke gemanagte Fonds jedoch weiter als Spitzenprodukt gelten. Nur dieses Mal außer Konkurrenz eben.

Drei Top-Fonds im Porträt

Platz 1: Nestor Europa

Dirk Stöwer, Nestor

Seit Juni 2005 managt Dirk Stöwer den Crashtest-Sieger, er ist seit mehr als 25 Jahren im Wertpapiergeschäft tätig. Bei der Zusammenstellung des Portfolios sucht er nach sogenannten Value-Buildern. Ein Unternehmen, das sich diesen Namen verdienen und im Nestor Europa aufgenommen werden will, muss nachhaltige Erträge oberhalb der Kapitalkosten erwirtschaften, eine tadellose Eigenkapitalausstattung aufweisen und im Branchenvergleich weit überdurchschnittliche Margen erwirtschaften. Es muss darüber hinaus in der Lage sein, neue Märkte zu erschließen und seine Produkte nebst zugehörigem Vertrieb und Marketing ständig zu optimieren.

„Capital-Builder agieren gewöhnlich in Nischen, die für große Wettbewerber zu klein, aber für kleine Wettbewerber zu groß sind“, sagt Stöwer. Für ihn fällt neben dem schwedischen Outdoor-Spezialisten Fenix Outdoor (siehe oben) und dem italienischen Daunenjacken-Hersteller Moncler unter anderem auch der irische Billigflieger Ryanair in diese Kategorie: „Während andere im Niedrigpreis-Segment straucheln, steht das Unternehmen glänzend da. Der wesentliche Unterschied ist schlicht und einfach Effizienz.“ Die drei genannten Titel gehören schon seit längerem zu den größten Positionen des Nestor Europa, zusammen mit der Aktie des ähnlich prominent gewichteten Wettanbieters Bet-at-home kommen sie auf ein Gewicht von 21 Prozent.

Zwar besorgt sich Stöwer bei der Auswahl der 50 bis 70 von ihm gehaltenen Favoriten einen großen Teil der benötigten Informationen vom heimischen Schreibtisch aus. Daneben nimmt er jedoch auch an Investment-Konferenzen in ganz Europa teil und nutzt diese Reisen zur ausgiebigen Recherche vor Ort. Den jüngst aus Stockholm mitgebrachten Plan, stärker in skandinavische Nebenwerte zu investieren, konnte er bisher aber nur zum Teil umsetzen. Lediglich beim finnischen Computerspiele-Produzenten Rovio – bekannt durch Angry Birds – gab es eine kleine Zuteilung. „Viele der von uns angedachten Titel kamen zudem viel zu teuer an den Markt, so dass wir auf eine Zeichnung verzichtet haben“, berichtet Stöwer.

Außer in Skandinavien und Italien ist der Nestor Europa vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs. Neben Value-Buildern jeglicher Größenordnung kauft er auch vereinzelt Turnaround-Kandidaten, Deep-Value-Unternehmen und klassische Wachstumsaktien – sofern deren Bewertung ein vernünftiges Maß nicht überschreitet.

Gewinne realisiert hat Stöwer jüngst im stark gelaufenen Technologie-Bereich. Nicht mehr vertreten ist er so unter anderem bei Reply, GFT, KPS, S&T und GN Store Nord. Vereinzelt hat er in diesem Sektor aber auch zugekauft – etwa beim norwegischen Dienstleister Asetek und beim schwedischen Software-Anbieter IAR Systems. Insbesondere Asetek gab dem Portfolio im Dezember noch einmal einen leichten Schubs nach oben.