48 Fonds im Crashtest Die besten defensiven europäischen Mischfonds

Hauptsitz der Lehman Brothers Holding in New York am 14. September 2008: Die US-amerikanische Investmentbank, die 2007 weltweit 28.600 Mitarbeiter beschäftigte, musste infolge der Finanzkrise Insolvenz beantragen. | © Getty Images

Hauptsitz der Lehman Brothers Holding in New York am 14. September 2008: Die US-amerikanische Investmentbank, die 2007 weltweit 28.600 Mitarbeiter beschäftigte, musste infolge der Finanzkrise Insolvenz beantragen. Foto: Getty Images

Anfang Juli 2008 – jenes Monstrum, das später als „Finanzkrise“ in die Geschichtsbücher eingeht, kommt langsam auf Betriebstemperatur. Die einst renommierte Investmentbank Bear Stearns ist schon pleite, der Aktienkurs des Konkurrenten Lehman Brothers hat seit Jahresbeginn 73 Prozent an Wert verloren. Immobilien-Finanzierer wie Fannie Mae und Freddie Mac japsen nach Luft und rufen reihenweise nach staatlicher Hilfe. Mitte September gehen schließlich auch bei Lehman die Lichter aus.

zum Newsletter von DAS INVESTMENT

Turbulente Zeiten, an die sich Ronald Spekking gut erinnern kann. Der Fondsmanager der Sparkassen-Tochter Deka übernahm 2008 zur Jahresmitte den SK Top Invest Deka – einen europäisch ausgerichteten Mischfonds, der maximal 30 Prozent seines Vermögens in Aktien halten darf. Eine eher konservative Vorgabe, die sich in der Krise auszahlte: Bis zum Höhepunkt der Verwerfungen an den Aktienbörsen im März 2009 verlor das Portfolio unter Spekking lediglich 8 Prozent an Wert. Bereits fünf Monate später war die Delle komplett ausgebügelt. Vergleichbare Mischfonds wie der W&W Dachfonds Basis oder der Strategiekonzept I benötigten dafür deutlich länger.

Der SK Top Invest Deka kam jedoch nicht nur glimpflich durch die Finanzkrise. Er macht auch in freundlicheren Börsenphasen eine gute Figur. Das zeigt der jüngste Crashtest von 48 defensiven Mischfonds mit Schwerpunkt Europa für den Zeitraum August 2013 bis Juli 2018. Dort belegt Spekkings Fonds mit 65 von 100 möglichen Punkten Rang 1 (siehe Tabelle).

Rang Fonds Punkte gesamt Pkt. Perform. Pkt. Stresstest Pkt. Aktives Mgmt. Vol. in Mio. € ISIN
1 SK Top Invest Deka 65 27 18 20 33 DE0009786111
2 Kapital Plus 64 28 13 23 3345 DE0008476250
3 BFS Nachhaltigkeitsfonds Ertrag 63 25 18 20 44 DE000A0B7JB7
4 Amundi Ethik Fonds 59 27 10 22 381 AT0000857164
5 BFS Invesco Euro-Mix 57 28 13 16 38 DE0005318893
43 weitere Fonds

Logisch: Traumrenditen waren von einem überwiegend auf Anleihen setzenden Mischfonds im Nullzins-Umfeld der vergangenen Jahre nicht zu erwarten. Als einer von nur neun Fonds seiner Vergleichsgruppe schaffte der SK Top Invest Deka jedoch im Test-Zeitraum einen Wertzuwachs von mehr als 20 Prozent – was Spekking in erster Linie auf die „konsequente Ausnutzung von Aktienmarkt-Chancen“ und die „gute Einzeltitelselektion“ zurückführt.

Einer der wenigen Fonds mit noch besserer Performance ist der Kapital Plus von Allianz Global Investors (AGI). Dort erzielte Fondsmanager Stefan Kloss über fünf Jahre einen Wertzuwachs von 28,1 Prozent. Leichte Schwächen offenbart der bereits 1994 aufgelegte Klassiker allerdings im Stresstest, wo er lediglich 13 von 30 möglichen Punkten holte (nähere Informationen zum Auswahlverfahren lesen Sie hier). In der Endabrechnung reicht es deshalb nur zu Rang 2.

Auch der drittplatzierte BFS Nachhaltigkeitsfonds Ertrag der Bank für Sozialwirtschaft gehört zur breiten Mehrheit von 31 Fonds, die beim Ausbruch der Finanzkrise bereits auf dem Markt waren und die vor 2007 markierten Höchststände längst wieder überschritten haben. Die übrigen 17 – als Bestplatzierter der BKC Treuhand Portfolio I auf Rang 8 – müssen sich in einem derart ruppigen Umfeld noch beweisen. Hoffentlich nicht allzu bald.

Drei Top-Fonds im Porträt

Platz 1: SK Topinvest Deka

Ronald Spekking

Grundsätzlich kann Fondsmanager Ronald Spekking mit seinem im November 1997 aufgelegten Fonds die Aktienquote zwischen 30 und null Prozent variieren. „Letzteres ist in der Praxis aber unwahrscheinlich, da es ein extrem negatives Bild für Aktien-Investments voraussetzen würde“, erläutert Spekking. In den vergangenen zehn Jahren – also seit Übernahme des Portfolios im Sommer 2008 – habe die Untergrenze bei 15 Prozent und die Obergrenze bei 27 Prozent gelegen.

Dass Spekking Aktien trotz der sich anbahnenden Handelskonflikte weiter für die chancenreichste Anlageklasse hält, zeigt die aktuelle Quote von knapp 24 Prozent. Davon stammt knapp die Hälfte aus Deutschland. Für ihre Auswahl erstellt der Deka-Manager aus rund 600 europäischen Aktien eine Rangfolge jener Titel, die in punkto Bewertung, Wachstumsaussichten und Qualität den besten Eindruck hinterlassen. „In der Feindadjustierung geht es dann darum, in einzelnen Branchen Klumpenrisiken zu vermeiden“, führt Spekking weiter aus. Da er in der Regel 40 bis 60 verschiedene Titel ins Portfolio nimmt, kommen nur wenige davon auf ein Gewicht von mehr als ein Prozent.

Auf der Rentenseite ist Spekking deutlich konzentrierter unterwegs und hält selten mehr als 20 Positionen. Einen Schwerpunkt legt er dabei auf Staatsanleihen aus Euro-Peripherie-Ländern wie Italien, Spanien oder Portugal: „Dort gibt es immer wieder Gelegenheiten.“ Die Duration des Portfolios beträgt aktuell etwas mehr als vier Jahre. Solange es von der EZB keine eindeutigen Signale in Richtung Zinswende gibt, hält Spekking wenig davon, diesen Wert deutlich nach unten zu drücken: „Viele Marktteilnehmer sind konstant zu kurz investiert über eine lange Periode.“

In punkto Performance kommt dem SK Top Invest Deka langfristig auch seine sehr schlanke Kostenstruktur zugute: Pro Jahr fallen weniger als 0,6 Prozent Gebühren an. Das hat unter anderem damit zu tun, dass der Fonds exklusiv von der Sparkasse Köln/Bonn (dafür steht das Kürzel SK im Namen) vertrieben wird, und zwar bevorzugt an institutionelle Anleger. Indes, die Mindestanlage ist mit 50.000 Euro so gestaltet, dass an einem Kauf interessierte Privatanleger nicht zwingend draußen bleiben müssen.