5 Billionen Dollar Liquidität Warum steigende US-Zinsen Rentenfonds wenig anhaben können

Federal Reserve oder kurz Fed ist das Zentralbank-System der Vereinigten Staaten. Foto: Getty Images

Federal Reserve oder kurz Fed ist das Zentralbank-System der Vereinigten Staaten. Foto: Getty Images

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Zwar hat die Aussicht auf höhere Zinsen in den USA den Anleihen weltweit ihren schlimmsten Quartalsverlust aller Zeiten beschert, dennoch denken Analysten von JPMorgan Chase & Co., dass das überschüssige Geld - rund fünf Billionen Dollar oder 4,5 Billionen Euro - die Nachfrage stützen und die Notierungen treiben wird. Seit 1990 gab es vier Zeiträume, in denen Haushalte, Unternehmen und Investoren ähnlich hohe Mittel zur Verfügung hatten. Und jedes Mal ging es an den Märkten aufwärts. „Es gibt eine Überschussliquidität wie nie zuvor“, sagt JPMorgan-Stratege Nikolaos Panigirtzoglou. „Eine geldpolitische Straffung der Fed wird daran nichts ändern.“

Das Cash-Polster ist in den letzten Jahren dicker geworden, weil die Zentralbanken weltweit Billionen Dollar in das Finanzsystem gepumpt haben, um nach der Finanzkrise die Wirtschaft anzukurbeln. Das zusätzliche Geld auf dem Markt dürfte dazu beitragen, den drei Jahrzehnte dauernden Bullenmarkt bei Anleihen noch weiter zu verlängern - auch wenn die erstarkende US-Wirtschaft die Federal Reserve einer Zinsanhebung näher bringt.

Im abgelaufenen Quartal haben die Anleihen einen Rückschlag erlitten. Inflationssignale in den USA und in Europa lösten einen Exodus aus, nachdem die Renditen auf historische Tiefs gefallen waren. Die Papiere verloren 2,23 Prozent und damit so viel wie seit mindestens 1996 nicht mehr, wie Daten von Bank of America zeigen.

Im Juli trieben die Sorgen um eine mögliche Pleite Griechenlands und der Ausverkauf an den chinesischen Börsen die Investoren zurück in Schuldtitel. Dennoch erwartet die Wall Street immer noch einen Ausverkauf, vor allem bei US-Treasuries, sobald die Fed die Zinsen erhöht, die sie seit 2008 nahe null gehalten hat.

Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe lag am Mittwoch bei 2,40 Prozent. Analysten prognostizieren einen Anstieg in Richtung drei Prozent in den nächsten zwölf Monaten.

Trotz zahlreicher Vorbehalte deutet die Analyse von JPMorgan an, dass es möglicherweise anders kommen wird. Durch Stimulierungsmaßnahmen in Form von Anleihenkäufen in den USA, Japan und Europa sowie ansteigende Bankenausleihungen in den Schwellenländern liegt der Bargeldumlauf weltweit nun bei 67 Billionen Dollar, während sich die geschätzte Nachfrage auf nur rund 62 Billionen Dollar beläuft, wie von JPMorgan zusammengestellte Daten zeigen.

Der Überschuss ist zwar von seinem Rekordstand von sieben Billionen Dollar im Juli letzten Jahres zurückgegangen, er ist aber immer noch höher als in den vorherigen Perioden mit reichlicher Geldversorgung und steigenden Preisen von Anlageprodukten, nämlich 1990 bis 1995, 2002 bis 2004 und Mitte 2009 bis Mitte 2010. Und wenn man den Betrag zu dem Marktwert von Anleihen und Aktien in Beziehung setzt, dann liegt das Verhältnis immer noch deutlich über dem Vorkrisen-Niveau.