92 Fonds im Crashtest Die besten Fonds für europäische Nebenwerte

Rapsfeld im oberbayerischen Olching: Das Gute liegt oft in der Provinz. Foto: Getty Images

Rapsfeld im oberbayerischen Olching: Das Gute liegt oft in der Provinz. Foto: Getty Images

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Bereits 2015 haben europäische Nebenwerte eine beeindruckende Performance gezeigt und die großen Werte in ihrer Wertentwicklung um rund 10 Prozentpunkte übertroffen. Ein gutes makroökonomisches Umfeld, attraktive Bewertungen und starkes Wachstum bei den Gewinnen waren dabei die wesentlichen Treiber. Hinzu kommt, dass der europäische Mittelstand weniger vom Wohl und Wehe der Schwellenländer abhängig ist. Den China-Crash im vergangenen Jahr steckten kleinkapitalisierte Aktien deshalb auch besser weg.

Die besten europäischen Nebenwerte

  Fonds Punkte
Gesamt
Pkt.
Perfor-
mance
Pkt.
Stress-
test
Pkt.
Rating
Vol. in
Mio. €
1 Squad Growth 253 70 99 84 61
2 MFS Meridian European Smaller Companies Fund 211 46 88 77 1347
3 SEB European Equity Small Caps 183 93 0 90 338
4 Threadneedle European Smaller Companies Fund 173 43 60 70 1751
5 Lupus alpha Dividend Champions 168 39 69 60 85
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Sortierkriterium: Punkte Gesamt, Quelle: Testverfahren DER FONDS, Berechnung und Daten: FWW Fundservices GmbH (Stichtag: 6. April 2016), Wertentwicklung auf Euro-Basis
Quelle: Sortierkriterium: Punkte Gesamt, Quelle: Testverfahren DER FONDS, Berechnung und Daten: FWW Fundservices GmbH (Stichtag: 6. April 2016), Wertentwicklung auf Euro-Basis


Wer Nebenwerte per se für riskanter hält, der irrt: Über die vergangenen 15 Jahre weist der Stoxx Europe Small Cap keine höhere Volatilität auf als der Stoxx Europe Large Cap. Einer Untersuchung von Allianz Global Investors zufolge erzielten Nebenwerte zudem in zwölf dieser 15 Jahre eine bessere Wertentwicklung als große Titel. Das spiegeln auch die Ergebnisse der für diese Kategorie maßgeblichen Fonds wider, die bereits seit etlichen Jahren am Markt sind.



Der Gesamtsieger Squad Growth von der Augsburger Fondsboutique Discover Capital ist im Februar zehn Jahre alt geworden und glänzt mit einer Wertentwicklung von 225 Prozent seit Bestehen. Nur wenige Fondsmanager kennen sich mit kleinkapitalisierten Unternehmen in Europa und vor allem im deutschsprachigen Raum so gut aus wie Discover-Capital-Geschäftsführer Stephan Hornung und sein Team.

Ein altbekannter Klassiker ist zudem der seit elf Jahren von Nicholas Williams gemanagte Baring Europe Select, der im aktuellen Crashtest Platz 12 belegt. Mit einer Wertentwicklung von 2.069 Prozent seit Auflage 1984 gehört er zu den erfolgreichsten Investmentfonds überhaupt in diesem Zeitfenster. Ein weiterer Beweis für die langfristige Überlegenheit der Anlageklasse.

Wer in diesem Segment erfolgreich sein will, muss natürlich über gute Stockpicker-Qualitäten verfügen und genaue Unternehmensanalyse betreiben. Viele Portfolio-Manager halten daher auch Kontakte mit den Unternehmenslenkern für unverzichtbar. „Meetings mit Konzernvertretern spielen bei der Entwicklung unserer Anlageideen eine entscheidende Rolle“, sagt beispielsweise Peter Fruzzetti, Manager des zweitplatzierten MFS Meridian European Smaller Companies.

Für den Crashtest haben sich in diesem Jahr 92 Fonds qualifiziert. Den Managern steht ein recht großes Anlageuniversum von rund 8.000 europäischen Nebenwerten mit einer Marktkapitalisierung von weniger als 2 Milliarden Euro zur Verfügung. Aktiv gemanagte Fonds dominieren die Spitzenplätze. Der beste ETF (UBS MSCI EMU Small Cap) belegt gerade einmal Platz 30.

Die Sieger des vergangenen Jahres, der F&C European Small Cap und der Parvest Equity Europe Small Cap, büßten viele Punkte in der Performance-Auswertung über ein Jahr ein. Auch im Stresstest sind sie zurückgefallen. Das bedeutet natürlich nicht, dass die beiden Fonds nun generell schlecht sind. Sie liegen trotz der jüngsten Schwächephase noch vor allen Indexfonds auf den Rängen 25 und 14. Dort investierte Anleger sollten sie allerdings genauso beobachten wie den SEB European Equity Small Caps: Der aktuelle Performance-Sieger hat seit Beginn dieses Monats ein neues Management.

Die drei Siegerfonds im Kurzporträt

Der Gesamtsieger: Squad Growth


Stephan Hornung und sein ehemaliger Studienkollege Christian Struck gründeten im Februar 2004 die Discover-Capital GmbH, die sich auf den Kauf unterbewerteter Aktien spezialisiert hat. Neben dem Gesamtsieger-Fonds berät das Duo auch den Squad Value, der jüngst beim Crashtest für europäische All-Cap-Fonds bereits einen sehr guten dritten Platz belegte.

Der Namenszusatz Growth täuscht ein wenig über die eigentliche Anlagephilosophie dieses Fonds hinweg. Er setzt zwar stärker als der Schwesterfonds auf Wachstumstitel. Allerdings achtet Hornung auch hier bei der Auswahl geeigneter Unternehmen auf Value-Kriterien. Günstige Bewertungs-Kennzahlen oder ein Augenmerk auf hohe freie Cashflows fließen auch in der Growth-Variante maßgeblich in den Anlageprozess ein.

Das Resultat ist ein Nebenwerte-Fonds, der im aktuellen Crashtest neben einer ausgezeichneten Rendite auch beste Risikokennzahlen aufweist. Hornung führt das auf die Vorgehensweise bei der Aktienauswahl zurück: „Wir schauen gerne auf Unternehmen, die nicht im Fokus der großen institutionellen Marktteilnehmer stehen.“ Oft haben die Kandidaten für den Fonds eine Durststrecke hinter sich oder es gibt kaum Research, da sie sich nicht in gängigen Indizes befinden. Dadurch bewegen sich die favorisierten Titel oft unabhängiger von den täglichen Börsenschwankungen. Zudem finden Hornung und Struck in der Regel niedrige Bewertungen vor, obwohl die Unternehmen über ein attraktives Geschäftsmodell verfügen.

Das derzeit nur etwas über 60 Millionen Euro große Portfolio streut Hornung, der mit der Hälfte seines Vermögens im eigenen Fonds investiert ist, in der Regel auf 60 bis 80 Titel. Davon stammen derzeit mehr als die Hälfte aus Deutschland. Britische Aktien haben ein Gewicht von 18 Prozent. Die restlichen Mittel verteilt er auf Titel aus Österreich, Dänemark und der Schweiz. Im Zweifelsfall kann er auch bis zu 100 Prozent des Fondsvermögens als Kasse halten.

Hervorragend entwickelt hat sich jüngst der Kurs von Ad Pepper, einem Spezialisten für Internet-Marketing. „Zum Kaufzeitpunkt notierte die Aktie in etwa zu ihren Netto-Barmitteln“, resümiert Hornung.

Neu im Fonds ist MLP. Neben dem stark gefallenen Kurs gefällt Hornung dort besonders, dass inzwischen fast zwei Drittel des Unternehmensumsatzes aus wiederkehrenden Einnahmen wie Bestandsprovisionen und Managementgebühren kommen.

Wer sich für den Squad Growth interessiert, sollte beachten, dass der Fonds sich bereits seit längerem im Soft-Closing befindet und nur noch zum vollen Ausgabeaufschlag bezogen werden kann. „Damit ist es uns bisher relativ gut gelungen, institutionelle Investoren fern zu halten und das Fondsvolumen zu begrenzen, um weiter in attraktive Small Caps investieren zu können“, erklärt Hornung abschließend.