AB Marktkommentar Was tun, wenn sich der Wind am Anleihemarkt dreht?

Jeremy Cunningham ist Senior Portfolio-Manager Fixed Income bei AB.

Jeremy Cunningham ist Senior Portfolio-Manager Fixed Income bei AB.

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Für Anleiheinvestoren werden die Zeiten nicht einfacher. In den nächsten Jahren dürften die US-Zinsen allmählich steigen; die 30-jährige Anleihehausse scheint zu Ende zu gehen.

Es gibt kaum noch Marktsegmente, die wirklich günstig bewertet sind. In nächster Zeit spricht viel für mäßige Anleiherenditen. Außerdem dürfte die Volatilität steigen – denn Konjunktur, Weltpolitik und mögliche Pandemien machen gleichermaßen Sorgen.

Dennoch bleiben Anleihen für viele Investoren interessant, um laufende Erträge zu erwirtschaften oder als Gegengewicht zu den stets schwankenden Aktien. Anleiheinvestoren sollten aber Folgendes bedenken.

Der Markt ist noch nicht über den Berg

Nach der Medianprognose der Offenmarktausschussmitglieder der Fed wird der US-Leitzins von gut 0 Prozent Ende dieses Jahres auf 1,5 Prozent Ende 2015 steigen. Für Ende 2017 werden sogar fast 4 Prozent erwartet.

Dies ist kein besonders steiler Anstieg – langsam aber stetig gehen die Zinsen nach oben. Unterdessen schlägt die EZB die entgegengesetzte Richtung ein und überlegt, wie sie die Geldpolitik weiter lockern und die Konjunktur in Europa stärken kann.

Bei der Normalisierung der Geldpolitik wird die Fed sicherlich hier und da Volatilität auslösen. Und wenn die Zinsen steigen, ist die Anleiheperformance eher mäßig, vor allem bei Papieren mit einer hohen Kreditqualität.

Einen großen Ausverkauf wie 1981 und 1994 sollten Anleger allerdings nicht befürchten. In Europa werden sich die Unternehmen auch weiterhin günstig refinanzieren können, was sowohl ihren Geschäftsaussichten als auch der Kreditqualität nützt.

Global denken und Währungsrisiken meiden

Konjunktur, Politik und Geldpolitik der führenden Industrieländer driften zurzeit immer weiter auseinander. Für Anleger bedeutet dies Chancen bei Anleihen und Währungen.

In den USA werden die Zinsen steigen. Im Euroraum und in Japan, wo das Wachstum schwächer ist, stehen die Zeichen aber weiter auf niedrige oder sogar fallende Zinsen.

Diese unterschiedlichen geldpolitischen Pfade werden unterschiedliche Ertragsmöglichkeiten an den Anleihenmärkten mit sich führen. Da diese Entwicklungen jedoch dynamisch und nicht statisch sind, macht es Sinn, sich global aufzustellen und Risiken zu streuen.