AB über Schwellenländer 4 Gründe für Lokalwährungsanleihen

AB-Schwellenländerexperten Shamaila Khan und Christian DiClementi

AB-Schwellenländerexperten Shamaila Khan und Christian DiClementi

Der Konjunkturausblick in vielen Schwellenländern verbessert sich und viele Regierungen setzen Wirtschaftsreformen um, verringern die Abhängigkeit von ausländischem Kapital und bekämpfen die Korruption. Dennoch bevorzugen die meisten Anleger nach wie vor in Hartwährung begebene Papiere.

Der Grund: Zwischen 2013 und 2015 führten hohe Defizite in vielen Schwellenländern und die Furcht vor steigenden US-Zinsen zu einer Verkaufswelle. Die Währungen der Schwellenländer stürzten ab und der J.P. Morgan Government Bond Index – Emerging Markets, eine Benchmark für Lokalwährungsanleihen, stürzte auf US-Dollar-Basis um fast 30 Prozent ab.

Das waren zweifelsohne harte Jahre für EM-Wertpapiere im Allgemeinen und Lokalwährungsanleihen im Besonderen. Dabei bilden festverzinsliche Lokalwährungsanleihen das am stärksten wachsende Segment des Markts und sind aus Anlegersicht interessant. Dafür gibt es durchaus Gründe:

  1. Die Währungen der Schwellenländer sind positiv bewertet. Einige asiatische Währungen befinden sich gegenüber dem US-Dollar auf den niedrigsten Ständen seit zehn Jahren.
  2. Die Regierungen von Brasilia, Neu-Delhi und Jakarta schnallen den Gürtel enger.
  3. Die Inflation in den Schwellenländern ist stabil oder sinkend, das gibt den Zentralbanken Spielraum für Zinssenkungen.
  4. Die inflationsbereinigten Renditen liegen im Vergleich zu jenen der Industriestaaten auf historischen Höchstniveaus.

Die steigenden Zinsen in den USA sind ein Anzeichen einer anziehenden Konjunktur, was wiederum den Schwellenländern zugutekommen sollte. Das gilt für Rohstoffproduzenten und Exportnationen gleichermaßen.

Die Auswahl wird größer

Des Weiteren dürfte der Kreis der Länder, die Anleihen in ihren eigenen Währungen emittieren, in Zukunft wachsen. Viele Schwellenländer unternehmen erhebliche Anstrengungen, um die globalen Anleger zurückzugewinnen. So dürfte etwa die weitere Liberalisierung des chinesischen Anleihenmarkts in den kommenden Jahren die Aufnahme von Renminbi-Anleihen in die globalen Indizes ermöglichen. Peso-Anleihen aus Argentinien gelang dies bereits in diesem Jahr.

Zudem erwarten wir, dass mehr EM-Unternehmen in der Heimatwährung Schulden aufnehmen werden. All dies sollte zu vermehrten Anlagechancen für Anleger führen, die damit von den verbesserten Konjunkturaussichten in den Schwellenländern profitieren könnten und zudem ihre Währungsallokation diversifizieren können.

Letzteres ist ein wichtiger Aspekt. Denn der US-Dollar, in dem die meisten EM-Hartwährungsanleihen notieren, erscheint uns zuletzt doch recht hoch bewertet zu sein. Und angesichts der handelspolitischen Absichten der Trump-Regierung erwarten wir tendenziell Maßnahmen, die zu einer Schwächung des US-Dollars führen könnten.