Aberdeen AM-Chef Hartmut Leser Wohnimmobilien: „Für diese Nische gibt es enormen Bedarf“

Hartmut Leser, Chef von Aberdeen AM Deutschland

Hartmut Leser, Chef von Aberdeen AM Deutschland

Wie sollte ein guter Wohnimmobilien-Manager aufgestellt sein?

Hartmut Leser: Man braucht ein hinreichend großes, spezialisiertes Team. Zudem ist es entscheidend, Leute vor Ort zu haben, die sich um Transaktionen und Verwaltung kümmern. Dieses Prinzip zählt sicherlich zu den Erfolgsfaktoren von Aberdeen mit seinen knapp 300 Immobilienexperten in 11 Standorten und 10 Ländern in Europa.

Ist der Markt denn überhaupt groß genug?

Leser: Ja und nein. Für eine durchschnittliche Wohnimmobilienquote in allen institutionellen Portfolios von 15 oder 20 Prozent wird es vorerst nicht reichen. Aber auch wenn der Markt in diesem Sinn eine Nische bleiben wird, gibt es einen enormen Bedarf an zeitgemäßen Wohnungen in attraktiven Citylagen. Bis alles gebaut ist, was erforderlich ist, wird es noch mindestens zehn Jahre dauern. In zunehmendem Maße wird es die Aufgabe institutioneller Investoren sein, die Bautätigkeit zu finanzieren.

Für welche Investorengruppen sind Wohnimmobilien-Fonds Ihres Erachtens besonders geeignet?

Leser: Vor allem für Investoren, die mit festen Minimum-Renditen kalkulieren müssen, um ihren Verpflichtungen nachkommen zu können, etwa Lebensversicherer. In aller Regel kommen sie von der Rentenseite, auf der die Erträge aber selbst bei Hinzunahme von Kreditrisiken mittlerweile vielfach bei 0 liegen. Jetzt brauchen sie eine Assetklasse mit ein bisschen mehr Risiko, wollen oder können aber nicht verstärkt in Aktien investieren und scheuen auch den Schritt zu schwankungsanfälligeren Gewerbeimmobilien. Wohnimmobilien sind hier eine konservativere Alternative. Während die absoluten Renditen zwar etwas geringer ausfallen, sind sie risikoadjustiert vielfach sogar besser.

Mit einem neuen Spezialfonds wollen Sie in Wohnimmobilien in europäischen Metropolregionen investieren. Welche Objekte haben Sie da im Blick?

Leser: Größere urbane Wohnobjekte, die vom Trend zur Urbanisierung profitieren. Im Fokus stehen moderne Wohnungen, deren Standard den Anforderungen junger und gut ausgebildeter mobiler Mieter genügt. In der Regel sollen die Einzelobjekte eine Größe von mindestens 20 Millionen Euro und maximal 120 Millionen Euro haben und dabei einen Anteil von maximal 20 Prozent am Fondsvolumen nicht übersteigen. Das Ziel für die Ausschüttungsrendite sind 3 bis 4 Prozent.