Absicherung von Frauen Welche Fehler Frauen bei der Altersvorsorge machen

Kinder zu bekommen ist eine feine Sache und ein wichtiger Beitrag zur Gesellschaft. Für die Rente der Mütter sind Kindererziehungszeiten und Teilzeitarbeit aber absolut verheerend. Foto: Getty Images

Kinder zu bekommen ist eine feine Sache und ein wichtiger Beitrag zur Gesellschaft. Für die Rente der Mütter sind Kindererziehungszeiten und Teilzeitarbeit aber absolut verheerend. Foto: Getty Images

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Es ist nicht mal die Hälfte. Geht es um die Rente, sind Frauen in Deutschland immer noch im Nachteil gegenüber den Männern. Allein die gesetzliche Rente der Frauen ist im Schnitt um 40 Prozent geringer. Über alle Schichten der Altersvorsorge hinweg, also inklusive privater und betrieblicher Altersvorsorge, sind es 57 Prozent, zeigt eine Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung. Nur 6 Prozent der Frauen erhalten danach überhaupt Geld aus einer Betriebsrente, bei den Männern sind es immerhin 25 Prozent.

Damit setzt sich im Alter fort, was im Arbeitsleben schon beginnt: Im Schnitt verdienen Frauen 21 Prozent weniger als Männer. Bei vergleichbarer Qualifikation, Karrierestufe und Arbeitszeit liegt die Lücke noch bei 7 Prozent. Hinzu kommt die nach wie vor klassische Rollenverteilung: Kommen Kinder ins Spiel, bleiben in der Regel die Frauen zu Hause. Danach arbeiten sie Teilzeit oder im Minijob.

Kinderkriegen ist für die spätere Rente oft verheerend

Für die spätere Rente ist das verheerend – und vielen Frauen immer noch nicht wirklich bewusst, sagt Ursula Oelbe, Versicherungsmaklerin aus Hildesheim. Immer wieder erlebt sie, dass Frauen die Haltung haben: Ich weiß ja gar nicht, was kommt und ob ich jemals so alt werde, also lasse ich es mir heute gut gehen. „Das versuche ich den Frauen wirklich sehr deutlich zu machen, dass das fatale Folgen für sie hat“, sagt Oelbe. Den Frauen gehe dadurch nämlich wichtige Zeit verloren, die sie für die Altersvorsorge brauchen. „Die Panik kommt irgendwann“, so Oelbe weiter. „Ungefähr ab 50 wird das Renten-Dilemma plötzlich sehr greifbar. Und die Zahlen, die auf der jährlichen Renteninformation stehen, werden sehr real.“ Dann allerdings erst vorzusorgen, wird sehr teuer.

Dieses zu späte Anfangen ist einer der Hauptfehler, den Frauen bei der Altersvorsorge machen. Ein anderer: „Es gibt immer noch Frauen, die ihren Ehemann für die beste Absicherung halten“, sagt Susanne Kazemieh, Versicherungsmaklerin und Gründerin der Frauen-Finanz-Gruppe aus Hamburg. Sie überlassen es ihm, sich um das Thema zu kümmern, und haben oft kaum Einblick in die Verträge. Dabei sind die Männer nicht per se cleverer, was die Kapitalanlage anbelangt, ihnen wird hier oft von den Frauen einfach nur der Schwarze Peter zugeschoben.

Vorsicht bei Scheidung

Das ist besonders dann schlecht, wenn zum Beispiel die Ehe in die Brüche geht. Und das kommt immer häufiger vor. So waren 1996 rund 52 Prozent der allein lebenden Frauen verwitwet und 13 Prozent geschieden. 2012 gab es nur noch 42 Prozent Witwen und schon 18 Prozent Geschiedene. Zwar werden Frauen nach einer Scheidung an den Rentenanwartschaften der Männer aus der Ehezeit beteiligt. Viel kommt dabei aber in der Regel nicht rum. Noch schlimmer sind Frauen dran, die mit ihrem Mann nur in einer Partnerschaft leben. Sie haben keinen gesetzlichen Anspruch darauf, an der Rente des Partners teilzuhaben.

„Niemals alles auf eine Karte setzen“, empfiehlt daher Kazemieh. „Schon gar nicht auf den Ehemann. Besser eigene Verträge abschließen.“ Und die dann aber auch weiterlaufen lassen, wenn es finanziell, etwa in der Elternzeit, eng wird. „Frauen neigen zu schnell dazu, ihre ganzen Verträge beitragsfrei zu stellen oder runterzufahren“, sagt Oelbe. Das zeigt auch eine Studie des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft. 29 Prozent der 30- bis 59-jährigen Frauen haben schon einmal eine Geldanlage eingeschränkt, die für die Altersvorsorge gedacht war. 17 Prozent haben die Verträge ganz aufgelöst – bei den Männern waren es nur 13 Prozent.

Verträge des Partners ruhend stellen

Maklerin Oelbe empfiehlt deswegen, bei diesem Thema auch den Partner mit in die Verantwortung zu nehmen. „Wenn nicht alle Verträge bedient werden können, sollte der Mann seine Altersvorsorgeverträge ruhend stellen und die der Frau werden weiter bedient“, sagt Oelbe. Denn der Mann sammelt ja durch seine Vollzeitarbeit weiter Anwartschaften in der gesetzlichen Rente.

Ein weiteres Problem der Zielgruppe Frau: Sie sind oft zu zögerlich und möchten kein Risiko eingehen, parken das Geld dann lieber in vermeintlich sicheren Produkten wie Festgeld, Bausparen oder klassischen Lebensversicherungen. „Da muss man dann aufklären“, sagt Oelbe. Etwa darüber, dass eine klassische Lebensversicherung in dieser Zinssituation einfach nicht mehr zeitgemäß sei. „Diese harten Garantien kosten so viel an Performance, das ist einfach nicht sinnvoll.“