Absolut Research Analyse: Das leisten Smart-Beta-Fonds

Michael Busack, Gründer und Chef des Hamburger Finanzanalysehauses Absolut Research

Michael Busack, Gründer und Chef des Hamburger Finanzanalysehauses Absolut Research

Die hohe Nachfrage nach Smart-Beta-Produkten hat einen kontroversen Diskurs in der Asset-Management-Branche über mögliche Kapazitätsgrenzen und Überbewertungen dieser Strategien entfacht. Absolut Research hat diesen Diskurs zum Anlass genommen, um den aktuellen Forschungs- und Diskussionsstand zum Thema darzustellen und eine eigene Analyse zur Preisveränderung verschiedener Faktorstrategien durchzuführen.

Zum Ende des ersten Quartals 2017 verwalteten Smart-Beta-Produkte in den USA und Europa 291 Milliarden Euro – ein Anstieg um mehr als 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Trotz der Befürchtungen mancher Investoren und Asset Manager, dass dies zu Überbewertungen der Faktorstrategien führen würde, lässt sich ein deutlicher relativer Preisanstieg von Smart-Beta-Strategien nicht feststellen. Im Verhältnis zu klassischen Markt-Benchmarks hat sich die Bewertung von Smart-Beta-Strategien über die vergangenen fünf Jahre nicht wesentlich verändert.

Dies gilt sowohl für eine Betrachtung der Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) als auch der Kurs-Buchwert-Verhältnisse (KBV). Die Strategien Value Weighted und Equal Weighted scheinen sogar relativ betrachtet günstiger geworden zu sein. Aktuell lässt sich eine systematische Überbewertung im Vergleich zu marktbreiten Aktieninvestments allerdings nicht feststellen.

Quellen: Absolut Research GmbH, Indexanbieter, Datenstand Januar 2017

Der Gesamtmarkt für Smart-Beta-Strategien hat sich 2016 deutlich positiv entwickelt. Zum Ende des ersten Quartals 2017 beträgt das Volumen europäischer und US-Smart-Beta-Fonds 291 Milliarden Euro, aufgeteilt auf 794 Produkte. Binnen eines Jahres konnten die Fonds Netto-Zuflüsse in Höhe von 31 Milliarden Euro erzielen, vor allem in Aktienstrategien (+ 28,4 Milliarden Euro). In Relation zum Gesamtmarkt der europäischen Aktienfonds machen Smart-Beta-Produkte mit einem Anteil von 3,5 Prozent allerdings nach wie vor nur einen geringen Bruchteil aus.

Sowohl für Europa als auch für die USA zeigen die Untersuchungen, dass Smart-Beta-Strategien nicht automatisch und in jeder Marktphase eine Überrendite erzielen, sondern einzelne Faktoren auch über längere Zeiträume hinter dem Gesamtmarkt zurückbleiben können. Mit Ausnahme gleichgewichteter Ansätze lagen in Europa alle Smart-Beta-Strategien über der kapitalisierungsgewichten Marktbenchmark, in den USA dagegen blieben alle anderen Ansätze hinter dem Gesamtmarkt zurück. Generell zeigt sich, dass dividenden- und risikogewichtete Strategien in einer schwachen Marktphase erfolgreich sind, während fundamentale Ansätze im positiven Marktumfeld vorne liegen.

Quellen: Absolut Research GmbH, Indexanbieter, Datenstand März 2017

Die Untersuchung der Smart-Beta-Fonds in unserer Analyse unterstreicht die Bedeutung einer sorgfältigen Auswahl des Asset Managers. Denn auch innerhalb der Faktorstrategien gibt es deutliche Performance-Abweichungen, die durch unterschiedliche Faktordefinitionen und Umsetzungsmethoden hervorgerufen werden. Ein Beispiel hierfür sind US-Dividendenstrategien, bei denen über die vergangenen drei Jahre die annualisierten Renditen von -3 Prozent bis +15,8 Prozent reichen.