Ärger, Euphorie und Finanzblasen: Gierforscher Johannes Hewig über Irrationalität der Finanzentscheidungen

Johannes Hewig

Johannes Hewig

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DAS INVESTMENT.com: Die Gier der Banker sei die eigentliche Ursache der Finanzkrise gewesen, so die weit verbreitete Meinung. Finden Sie das auch?

Johannes Hewig: Es gab mehrere Faktoren, die letztendlich zur Finanzkrise geführt hatten. Die Gier der Banker war einer davon. In Fachkreisen wurde der Einfluss der Gier auf ökonomische Entscheidungen bereits nach der ersten Krise des vergangenen Jahrzehnts – dem Platzen der New-Economy-Blase – diskutiert.

DAS INVESTMENT.com: Die grenzenlose Gier, so wie wir sie kurz vor dem Ausbruch der Subprime-Krise erlebt haben, ist also nichts Neues?

Hewig: Nein. Selbst in der Evolutionspsychologie gibt es Theorien, die besagen, dass Menschen schon immer stark von ihren Emotionen beeinflusst wurden. Und Emotionen – vor allem die positiven – tragen indirekt zu Blasenbildungen bei. Denn angenehme Gefühle wie Euphorie und Gier lösen übersteigertes Risikoverhalten aus. Das kann eine zeitlang zwar gute Gewinne bescheren und so das unvorsichtige Verhalten noch weiter verstärken, aber irgendwann geht das schief.
DAS INVESTMENT.com: Das Schumpeter-Fellowship, ein Stipendium der Volkswagen-Stiftung ermöglicht es Ihnen, ihre Studien zu psychologischen Einflussfaktoren bei ökonomischen Entscheidungen in den nächsten fünf Jahren fortzusetzen. Was ist die Kernfrage Ihrer Untersuchungen?

Hewig: Wie Emotionen unser Entscheidungsverhalten beeinflussen, insbesondere unter Risiko- und Unsicherheitsbedingungen. Dabei wollen wir zunächst interpersonelle Unterschiede, also Unterschiede zwischen Menschen mit verschiedener Persönlichkeitsstruktur, ausfindig machen.

DAS INVESTMENT.com: Und wie machen Sie das?

Hewig: Die Studie ist in drei Teilprojekte gegliedert. Im ersten Teilprojekt arbeiten wir mit dem Ultimatum-Spiel. Das ist eine Methode aus der Spieltheorie, die sehr oft in Wirtschaftswissenschaften angewendet wird.