AfW zur Schäubles Regulierungsplänen: „Der Finanzausschuss muss eingreifen“

Frank Rottenbacher, AfW

Frank Rottenbacher, AfW

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DAS INVESTMENT.com: Wie steht es um die Bemühungen der Verbände, die Einstufung von geschlossenen Fonds als Finanzinstrumente zu verhindern? Die Anhörung im Finanzministerium Ende Mai hat keine messbare Reaktion erbracht.

Frank Rottenbacher: Wir rechnen nicht damit, dass sich in der Zielrichtung etwas ändert, das heißt, geschlossenen Fonds droht definitiv die Einstufung als Finanzinstrumente mit allen Folgen, die für den freien Vertrieb existenzbedrohend sind.

DAS INVESTMENT.com: Und die wären?

Rottenbacher: Es ist für die meisten freien Vermittler schlicht nicht praktikabel und finanzierbar, eigens für den Vertrieb geschlossener Fonds eine Lizenz nach Paragraf 32 KWG als Finanzdienstleistungsinstitut anzustreben. Die damit verbundenen Prüf-, Berichts- und Dokumentationspflichten verschlingen Zeit und horrende Summen pro Jahr. Für viele mittelständische Finanzdienstleister ist dies schlicht und einfach unwirtschaftlich.

DAS INVESTMENT.com: Warum halten Sie Alternativlösung, dass sich die Vermittler einem Haftungsdach anschließen, für nicht praktikabel?

Rottenbacher: Es kann sein, dass Haftungsdächer die Auswahl im Produktportfolio erheblich einschränken, was nicht im Sinne einer unabhängigen Beratung sein kann. Wir haben rund 500 Berater und Vermittler im AfW-Vertriebsbarometer gefragt: 12 Prozent verfügen bereits über eine Haftungsdachanbindung. Von den übrigen ist derzeit nur jeder Vierte bereit, sich einem Haftungsdach anzuschließen, falls die Regulierung im Sinne Schäuble verabschiedet wird. Dieser Anteil steigt allerdings erheblich, falls auch der Vertrieb von Investmentfonds betroffen sein sollte.

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: Für wie wahrscheinlich halten Sie dieses Szenario?

Rottenbacher: Investmentfonds sind bereits als Finanzinstrumente eingestuft, nur eine im Ausland durchaus kritisch beäugte deutsche Ausnahmeregelung bei der Umsetzung der Finanzmarktrichtlinie Mifid ermöglicht die Vermittlung von Investmentfonds ohne KWG-Lizenz oder Haftungsdach. Es ist durchaus möglich, das Brüssel bei der Evaluierung der Finanzmarktrichtlinie dieses Detail beanstandet und Änderung verlangt. Wir befürworten hier – wie bei den geschlossenen Fonds - eine Regulierung über die Gewerbeordnung mit Sachkundenachweis, Vermögenschaden-Haftpflichtversicherung, Register und Beratungsdokumentation, die sich an die bereits erfolgte Lösung beim Vertrieb von Versicherungen anlehnt.

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: Welchen Zuspruch erhalten Sie von den unabhängigen Beratern und Vermittern?

Rottenbacher: Die Unterstützung ist riesig. Unsere Befragung hat ergeben, dass die Vermittlerschaft die Verbandspositionen zur Regulierung in großem Ausmaß unterstützt. Der Anteil der Zustimmung ist im Vergleich zum letzten Jahr von 75 auf 86 Prozent gestiegen. Das belegt auch unsere Protestaktion. Wir haben bis dato mehr als 3.500 Unterschriften gegen die Schäuble-Pläne gesammelt, die demnächst an die Regierung übergeben werden.

Ich möchte aber festhalten: Die freien Finanzdienstleister stehen der Regulierung per se durchaus positiv gegenüber und arrangieren sich damit. 58 Prozent der Umfrageteilnehmer haben die Regulierung im Versicherungsvertrieb als positiv beurteilt, nur 14 Prozent haben negative Ansichten dazu. Schließlich führen die neuen Rahmenbedingungen auch dazu, dass unqualifizierte Wettbewerber vom Markt verschwinden.