AGI-Experte Hans-Jörg Naumer über Bitcoin „Selbst die Tulpenzwiebeln waren dagegen nur eine kleine Blase“

Finanzmarktblasen sind faszinierend – Anlegern scheinen alle Sinne benebelt worden zu sein. Zumindest in der Rückschau erscheint die Sachlage klar. „Wie konnte man  bloß“, mag sich der nüchterne Betrachter beim Anblick der Charts plötzlich explodierender Kurse fragen.

Angesichts der gegenwärtigen Bitcoin-Euphorie haben Analysten von Allianz Global Investors unterschiedliche Finanzmarktblasen einander gegenübergestellt. Ihre Grafik zeigt die Kursentwicklungen von Märkten und Vermögensgegenständen, von denen jeder für sich einmal eine Preisexplosion mit nachfolgendem Absturz erlebt hat.

Quelle: Allianz Global Investors

Hans-Jörg Naumer, Leiter Kapitalmarktanalyse bei AGI, sieht auch beim Bitcoin eine neue Blase. Und zwar eine gewaltige. Im Vergleich sei selbst die Mutter aller Blasen, die sogenannte „Tulpenzwiebelblase“ des 17. Jahrhunderts, eine kleine gewesen. Letztes Argument dafür sei der jüngst gestartete Handel mit Bitcoin-Futures, mit dem vor einigen Tagen die Börse Chicago den Auftakt machte. Naumer sieht damit das letzte von insgesamt neun Kriterien erfüllt, die US-Ökonom Charles Kindleberger als typische Indikatoren für Finanzmarktblasen definiert hat.

„Das wichtigste Kriterium bleibt sicher, dass Bitcoin unter dem Thema „Neue Technologie – neue Währung“ wahrgenommen wird, was dann auch „neue“ Preise rechtfertigen soll“, so Naumer. Seiner Meinung nach habe Bitcoin dabei keinen der Währung innewohnenden Wert. Dasselbe gelte im Übrigen für die beliebte Krisenwährung Gold, fügt Naumer an. Der Kapitalmarkt-Experte empfiehlt, sich lieber an reale Werte zu halten – und zum Beispiel in solide verwaltete Aktienfonds zu investieren. Dass das eine lohnenswerte Investition sei, macht Naumer am deutschen Aktienindex fest: Vor 30 Jahren gestartet bei einem Indexstand von 1.000 steht der deutsche Leitindex heute bei immerhin 13.000 Punkten.