AGI-Fondsmanager: „Wir sind vergleichsweise konjunkturresistent“

Thorsten Winkelmann, AGI

Thorsten Winkelmann, AGI

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Frage: Macht Ihnen die hohe Volatilität an den Aktienmärkten Sorgen?

Winkelmann: Unser Investmentansatz zielt ausschließlich auf die Einzeltitelselektion ab. Deshalb begreife ich die anhaltende Volatilität eher als Chance, um günstig europäische Aktien von Unternehmen mit einer strukturellen Wachstumsstory zu erwerben.

Frage: Wo finden Sie dieses Wachstum?

Winkelmann: Die Sektorauswahl ist keine relevante Steuerungsgröße für den Fonds. Ich schaue mir das strukturelle Wachstumspotenzial der einzelnen Unternehmen über einen Zyklus hinweg an. Es geht um profitables Wachstum jenseits zyklischer Bewegungen.

Frage: Woran machen Sie das fest?

Winkelmann: Das Wachstum soll sich natürlich in den Kenngrößen Gewinn- und Margenwachstum sowie in der Cashflow-Entwicklung widerspiegeln. Wichtiger ist aber die Frage, was die Wachstumsstory ausmacht. Wir unterscheiden dabei drei Faktoren: im Wettbewerbsvergleich überlegene Geschäftsmodelle, Technologieführerschaft und langfristige Wachstumstrends. Ein gutes Beispiel ist Novo Nordisk, Weltmarktführer für Insulinprodukte. Wir wissen, dass die Anzahl der Diabetes-II-Patienten seit Jahren stetig steigt und weiter steigen wird, weil auch viele Menschen in den Schwellenländern westliche Lebensgewohnheiten übernehmen. Die Notwendigkeit der Insulinbehandlung der Patienten richtet sich nicht nach ökonomischen Zyklen.

Frage: Ist das Wachstum nicht meist schon eingepreist?

Winkelmann: Natürlich gibt es eine Reihe Unternehmen, deren Wachstumspotenzial von den Marktteilnehmern in der Breite erkannt wurde und die ein entsprechend hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis haben. Wir richten unser Augenmerk auf Unternehmen, deren strukturelles Wachstum vom Markt noch nicht adäquat reflektiert wurde, dies aber kurzfristig zu erwarten ist.

Frage: Zum Beispiel?

Winkelmann: H&M ist in Europa mit bezahlbarer Mode sehr erfolgreich und expandiert jetzt auch in den USA und in Asien. Wir sind davon überzeugt, dass das Geschäftsmodell global funktioniert aufgrund des wachsenden Konsums in Asien und dem tendenziell sinkenden Anteil des Haushaltseinkommens, den US-Bürger für Bekleidung ausgeben. Sobald die Quartalszahlen reflektieren, dass die globale Expansion für weiteres Gewinnwachstum sorgt, werden viele Marktteilnehmer ihre Bewertung ändern und der Kurs der Aktie in der Folge steigen. Wir sprechen da von Auslösern oder Triggerpunkten.