AGI: Schuldenabbau dämpft Wachstumserwartungen 2013

// //

Die zuletzt enttäuschende Daten in Kombination mit neuen monetären Impulsen der amerikanische Notenbank US Federal Reserve und der Bank of Japan stimmen Andreas Utermann, Global Chief Investment Officer (CIO) von Allianz Global Investors, vorsichtig: „Die quantitative Lockerungsmaßnahmen könnten auch als eindeutiges Signal für schwierige Zeiten interpretiert werden. Und schwierige Zeiten stehen den USA definitiv bevor. Im neuen Jahr werden automatisch Ausgaben- und Steuererhöhungen in Höhe von vier Prozent des Bruttoinlandsproduktes fällig, sofern Präsident Barack Obama und der Kongress bis dahin keine neuen Beschlüsse fassen.“

Die Experten von Allianz Global Investors gehen jedoch davon aus, dass rechtzeitig Maßnahmen ergriffen werden, da die sogenannte „fiskalischen Klippe“ das amerikanische Wachstum ansonsten nachhaltig belasten könnte. Längerfristig sorgt sich Utermann jedoch weniger um die USA: „Aufgrund ihrer Wirtschaftsdynamik und der demografischen Rahmendaten haben die Vereinigten Staaten bessere Ausgangsbedingungen zur Bewältigung der Verschuldungssituation als Europa.“

Positive Signale in der Eurozone, aber noch keine Stabilität

Positive Signale erkennt Utermann in der Euro-Zone. Mitte 2012 gingen die Märkte noch davon aus, dass die Europäische Währungsunion in der Form nicht überleben wird. Das haben extrem hohe Aufschläge auf Peripherie-Staatsanleihen und flache bzw. inverse Renditestrukturkurven widergespiegelt. Das entschlossene und konsolidierte Handeln der Politiker im Zusammenspiel mit der Europäischen Zentralbank (EZB) habe die Gefahr jedoch vorerst wieder reduziert, wenn auch noch nicht vollständig gebannt: „Nicht zuletzt die klare Aussage Mario Draghis, alles Notwendige zur Euro-Rettung zu tun, hat das Entzünden eines europaweiten Brandherdes in Griechenland verhindert. Momentan haben nun die Politiker wieder das Heft in der Hand, was die Dynamik der Krise verändert.“

Den im September eingeführten Stabilitätsmechanismus bewertet er als wichtigen Entwicklungsschritt, der sich bereits positiv an den Kapitalmärkten widerspiegele. Insgesamt sieht sich Utermann in seiner Meinung bestätigt, dass die Krise eher einen intensiveren Austausch innerhalb der Europäischen Union als ein Auseinanderbrechen fördere. Dennoch sei es für eine generelle Entwarnung zu früh: „Um die europäische Währungsunion langfristig wieder auf ein stabiles und glaubwürdiges Fundament zu setzen, müssen drei grundlegende Maßnahmen umgesetzt sein: erstens muss die EZB als Kreditgeberin in letzter Instanz für alle Staaten eintreten. Zweitens muss man sich in die Richtung einer Fiskalunion bewegen. Und drittens muss man sich auf eine Bankenunion verständigen, um die Abhängigkeit zwischen Staatshaushalt und Bankensektor aufzuheben.“