Aktie, Markt und Fonds des Monats Die große Geldverbrennungs-Anlage

Netflix-Gründer und -Chef Reed Hastings vor einem Relikt aus früheren Zeiten, der Videokassette: Die Online-Videothek gewinnt viele neue Kunden, verbraucht aber Unmengen an Geld. | © Getty Images

Netflix-Gründer und -Chef Reed Hastings vor einem Relikt aus früheren Zeiten, der Videokassette: Die Online-Videothek gewinnt viele neue Kunden, verbraucht aber Unmengen an Geld. Foto: Getty Images

In der Print-Ausgabe von DAS INVESTMENT tauchen seit Jahren regelmäßig Märkte und Aktien auf, die in dem Monat etwas Besonderes kennzeichnet. Außerdem nennen wir den Fonds, der im vorangegangenen Monat das meiste Geld einsammelte (Geldmarktfonds ausgenommen). In Ausgabe 12/2017 sind es diese:

Aktie des Monats: Netflix

Eigentlich ging die Wachstums-Serie der Online-Videothek Netflix weiter. 104 Millionen zahlende Abonnenten meldete es am 16. Oktober für Ende September, ein Jahr zuvor waren es noch 83 Millionen. Das sind mehr Neukunden als erwartet. Der Quartalsumsatz stieg im selben Zeitraum von 2,16 auf 2,87 Milliarden Dollar. Das war immerhin leicht über einigen Marktschätzungen.

Dass der Aktienkurs trotzdem nicht nach oben flimmerte, liegt am wenig erbaulichen Bonusmaterial zum Film. So liegt der freie Cashflow, also das frei verfügbare Geld nach Tagesgeschäft und Investitionen, bei unterirdischen minus 1,5 Milliarden Dollar. Das ist eher Drama als Komödie. „Die Firma verbrennt noch schneller Geld als zuvor“, schreibt Morningstar-Analyst Neil Macker in seinem Urteil.

Schuld sind nicht zuletzt die hohen Ausgaben für Eigenproduktionen, zum Beispiel die gefeierte Serie „Narcos“ über den Drogensumpf Lateinamerikas. Aber solche Werke wiederum sind eine wichtige Waffe im heftiger werdenden Konkurrenzkampf. So will zum Beispiel der Disney-Konzern seine Filme – unter anderem von Marvel und Pixar – von Netflix abziehen und ein eigenes Streaming-Portal eröffnen.

Nun will Netflix einen Kredit über 1,6 Milliarden Dollar aufnehmen und die ohnehin hohen Ausgaben für Eigenproduktionen von 6 Milliarden Dollar im Jahr weiter erhöhen. Um das zu finanzieren, erhöht es den Abo-Preis für HD-Gucker um rund 10 und für Ultra-HD-Zuschauer um fast 20 Prozent. „Wir glauben, dass viele Abonnenten weiterzahlen werden, aber die Abwanderungsrate wird steigen, und die höheren Preise werden die Konkurrenz für mögliche Neukunden interessanter machen“, stellt Analyst Macker nüchtern fest.

Warum die Aktie unter diesen Umständen noch immer bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 194 und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) von 25 notiert, ist schleierhaft. Zum Vergleich: Der S&P 500 hat ein KGV von 22 und ein KBV von 3,1, und das ist auch schon nicht ganz billig. Da spielt eine Menge Zukunftsmusik mit.