Aktien Growth- und Value-Anlagen: Ansätze, die sich ergänzen

Value-Investor Warren Buffett (r.) und Growth-Profiteur Bill Gates bei einer Podiumsdiskussion: Angesichts der jüngsten Marktvolatilität könnte der Fokus auf den Bereich Value zurückkehren | © Getty Images

Value-Investor Warren Buffett (r.) und Growth-Profiteur Bill Gates bei einer Podiumsdiskussion: Angesichts der jüngsten Marktvolatilität könnte der Fokus auf den Bereich Value zurückkehren Foto: Getty Images

Growth-Anlagen laufen Value-Anlagen aus mehreren Gründen nun schon seit einiger Zeit den Rang ab. Einer der Hauptgründe hängt mit dem abgezinsten Wert von Geld zusammen. Aus wirtschaftlicher Sicht bedeutet dies: Je niedriger ein Zinssatz, desto höher der Wert künftiger Gewinne.

Seit der weltweiten Finanzkrise 2008 bis 2009 hält die Geldpolitik in vielen Ländern rund um den Globus die Zinssätze künstlich niedrig.

Allgemein sind Wachstumsunternehmen – deren künftige Gewinne höher als die aktuellen sein werden – in Zeiten künstlich niedriger Zinssätze für Anleger in der Regel attraktiver als Substanzwerte. Auch wenn nach unserer Auffassung Wachstums- und Substanzwerte ihren Platz im Portfolio eines Anlegers haben und sich ergänzen können, sehen wir Gründe für eine baldige Erfolgsphase bei Value-Anlagen.

Jüngste Marktvolatilität

Der jüngste Volatilitätsschub bei Aktien Anfang Februar dieses Jahres ließ die Debatte um Growth- und Value-Titel erneut aufflammen.

Volatilität am Markt ist normal – und wir fassen sie als Chance auf. Value-Anleger halten nach fehlbewerteten Aktien Ausschau, und wenn es kaum Volatilität gibt, kommt es auch nur selten zu Fehlbewertungen. Aber wenn die Anleger ihr Geld aus dem Markt abziehen, tun sie dies meist ziemlich wahllos. Dieses wahllose Verkaufen sorgt häufig für die Fehlbewertung von Aktien im Vergleich zu ihren Fundamentaldaten. Value-Anleger sehen hier Chancen, um einzusteigen und diese Fehlbewertung auszunutzen.

Nach unserem Dafürhalten stellt der jüngste Volatilitätsschub eine Rückkehr zu normaleren Bedingungen dar. Im vergangenen Jahr war an den weltweiten Aktienmärkten eine sehr stete Aufwärtsbewegung zu beobachten. Dies war ungewöhnlich. Nun kehrt wieder mehr Nervosität ein. Wir rechnen künftig mit Kursrückgängen und sehen dies als gesundes Phänomen an – und als Gelegenheit, um Wert freizulegen.

Könnte sich das Blatt für Value-Anlagen wenden?

In der Vergangenheit übertrafen Value-Anlagen für lange Zeit Growth-Anlagen, und in Phasen großer Umbrüche (Disruption) übertreffen Growth-Titel in der Regel Value-Titel. In einer Zeit der Disruption sind die künftigen Gewinner kaum auszumachen. Zu sagen, wer die Verlierer sind, ist unter Umständen einfacher.

Value-Manager halten gewöhnlich nach einer Rückkehr zu einem Mittelwert Ausschau und versuchen, Anlagewerte zu identifizieren, die sie zu diesem Zeitpunkt als unterbewertet ansehen, bei denen sie jedoch einen künftigen Kursanstieg erwarten. Value-Manager werden häufig auch als „konträre“ Verwalter bezeichnet, denn sie achten darauf, was andere kaufen oder verkaufen, und tun dann in der Regel das Gegenteil.

In den vergangenen 10 Jahren war eine der längsten Outperformance-Phasen von Growth-Titeln zu beobachten – vielleicht die bisher längste überhaupt.

Und das Wachstum konzentrierte sich weitgehend auf eine Handvoll Technologie-Aktien. Technologieunternehmen gelten traditionell als Wachstumstitel, und Finanzunternehmen und Rohstoffunternehmen als Substanzwerte.