Aktien in der Ukraine Zehn Jahre nichts passiert

Demonstration gegen das russische Eingreifen auf der Krim: Für viele Menschen in der Ukraine wird Putin zum Teufel. (Foto: Getty Images)

Demonstration gegen das russische Eingreifen auf der Krim: Für viele Menschen in der Ukraine wird Putin zum Teufel. (Foto: Getty Images)

// //

An der ältesten Ukrainischen Börse (Ukrainian Stock Exchange, UKRSE) mit Hauptsitz in Kiew sind heute 133 Unternehmen gelistet. Es könnten mehr sein, doch einige Firmen scheuen die Börse – dieses Sinnbild des Kapitalismus – noch. Andere sind an anderen Börsen gelistet – denn die Börsenvielfalt ist in der Ukraine groß. Wikipedia zählt sieben klassische Börsen und drei elektronische Handelssysteme.

Als die UKRSE als erste Börse im Jahr 1991 ihre Türen öffnete, begann der Handel nur schleppend. Manche Unternehmen hatten Angst, die Kontrolle über den Vermögenswert ihrer Firmen zu verlieren. Andere konnten die strengen Transparenzauflagen nicht erfüllen – kein Wunder in einem Land, das laut Transparency International ganz unten in den Anti-Korruptions-Charts steht. Genau genommen auf Platz 144 von 175 Ländern.

Dass es an Transparenz und einheitlicher gesetzlicher Regulierung fehlt,sind wahrscheinlich die größten Probleme nicht nur der Firmen, sondern im ganzen Land. Noch immer ziehen ein paar mächtige, aber nicht immer ganz politisch korrekte Oligarchen viele Fäden.

Auch für die Börsenlandschaft bedeutet das ein ziemliches Durcheinander. Es gibt keinen einheitlichen Markt. Die verschiedenen kleinen und großen Börsen unterscheiden sich teils stark voneinander, manche Börsen kann man kaum als solche betiteln.

Neben der UKRSE gibt es zum Beispiel noch die elektronische Börse PFTS Stock Exchange, die nach dem Handelsvolumen mit Wertpapieren bis 2008 größte in der Ukraine war. Sie gibt es seit 1996. Eine der jüngsten Börsen ist die 2008 gegründete Ukrainian Exchange in Kiew.  Sie wuchs nach ihrer Eröffnung schnell und löste die PFTS als bedeutendste Börse der Ukraine ab.

Dass alles nicht ganz so durchorganisiert ist wie hierzulande – den Eindruck bekommt man auch, wenn man etwa die Internetseite der UKRSE besucht. Auf der Startseite lächelt ein netter Mann, der sich Chairman, also Unternehmens-Chef, nennt.

Der Text zum Bild ist die „Chairman’s Message“, in der der Ukrainischen Börse zu ihrem 13. Geburtstag im Jahr 2004 gratuliert wird. Dass auf den internationalen Finanzmärkten in den darauf folgenden zehn Jahren viel passiert ist, scheint keinen zu stören. Hier ist die Zeit stehen geblieben.

Zumindest stimmt das auch bei den Zielen der ukrainischen Börse, über die der Chairman berichtet: Marktregulierung soll geschaffen, Markteintritte für ausländische Investoren sollen vereinfacht werden, es sollen gleiche Bedingungen für Marktteilnehmer gelten und noch manches mehr. Das sind Evergreens, die dort wahrscheinlich noch in weiteren zehn Jahren passen.

Auch interessant: Wenn man einem der Mitarbeiter an einer der wichtigsten Börsen in der Ukraine eine Mail schreibt, dann erwartet man vielleicht nicht sofort eine Antwort. Aus Kiew aber kommt sofort eine Rückmeldung – und zwar die, dass es die angegebene Mailadresse gar nicht gibt. Bei anderen Börsen passiert das nicht. Antwort gibt es trotzdem keine.