Aktien Neue Baisse oder größere Korrektur?

Adam Golombek, Gründungsgesellschafter der Giesbrecht & Golombek Vermögensmanagement

Adam Golombek, Gründungsgesellschafter der Giesbrecht & Golombek Vermögensmanagement

// //

Aktienbesitzern weht derzeit Wind ins Gesicht: Seit Kurzem kommen die Kurse auch in den Industrieländern zurück. Statt Risiko ist Sicherheit gefragt, die Zinsen für Bundesanleihen fallen deutlich. Ist das der Beginn einer neuen Aktienbaisse? Wir meinen: Nein!

Vielmehr hat die von uns prognostizierte Korrektur begonnen, nach der die Kurse auf stabiler Basis erneut anziehen können. Entscheidend wird sein, wie sich die Emerging Markets, vor allem China, entwickeln. In den vergangenen Monaten lebten Aktienanleger, die auf die USA und Europa, insbesondere Deutschland, setzten, quasi im Paradies.

Während die Börsen in den Emerging Markets seit Anfang 2013 unter Dauerdruck standen, jagten Dax und Dow Jones von einem neuen Hoch zum nächsten. Damit ist es nun vorbei.

Betrachtet man etwa den Weltaktienindex MSCI World, so zeigt sich, dass der aktuelle Rückgang so stark ist wie der Einbruch im Mai 2013, als der frühere Fed-Chef Ben Bernanke überraschend ankündigte, die Anleihekäufe zurückzufahren.

Es sind die Emerging Markets!

Der Grund für die aktuelle Schwäche ist in den Schwellenländern zu finden. Insbesondere China steht in unserem Fokus – zum einen sind die Konjunkturdaten schwächer als erwartet ausgefallen, zum anderen kriselt es im Schattenbanksystem des Landes.

So kamen von ICBC, der größten chinesischen Bank, Signale, dass es bei einem Trust, in den Anleger eine halbe Milliarde Dollar investiert haben, Probleme gibt; Chinas Notenbank aber bleibt bei ihrer restriktiven Linie.

Gleichzeitig scheuen die Anleger das Risiko von Anlagen in Schwellenländern, die Leistungsbilanzdefizite aufweisen, und ziehen massiv Kapital ab – was diese Länder zusätzlich unter Druck setzt. Selbst drastische Zinsanhebungen, wie jüngst in der Türkei, können den Abfluss kaum stoppen. Erinnerungen an die Asienkrise 1997/98 werden wach; der Ausgang ist ungewiss.

Zu viel Optimismus am Markt


Dass diese fundamentalen Nachrichten nun auf die Kurse durchschlagen, liegt auch an der zuletzt immer sorgloseren Stimmung der Marktteilnehmer. Insbesondere in den USA fanden sich nach dem monatelangen Anstieg kaum noch Finanzprofis, die an eine größere Korrektur glaubten.

Der Optimismus spiegelt sich auch im hohen Verschuldungsgrad der Anleger, die für ihre Investitionen Schulden aufnahmen wie kaum zuvor. In diesem fragilen Umfeld wirkt es nicht förderlich, wenn die Federal Reserve ihren Worten Taten folgen lässt und, wie jüngst, die Stimmungsaufheller für die Börsenparty spärlicher verteilt.

So senkte Bernanke bei seiner letzten Sitzung als Fed-Chef das Volumen der monatlichen Anleihekäufe zum zweiten Mal auf nun 65 Milliarden US-Dollar.