Aktien-Rally Kein Ende in Sicht

Seifenblasen und Aktienblasen haben eines gemein: Sie platzen schnell und unerwartet. Die aktuelle Stimmung an den Börsen lässt sich mit dem Wort „Übermut“ jedoch kaum beschreiben | © Getty Images

Seifenblasen und Aktienblasen haben eines gemein: Sie platzen schnell und unerwartet. Die aktuelle Stimmung an den Börsen lässt sich mit dem Wort „Übermut“ jedoch kaum beschreiben Foto: Getty Images

Graeme Sharpe aus dem Multi-Asset-Team von Kames Capital

Droht Aktienkäufern Ungemach? In den vergangenen Wochen warnten mehrere Finanzexperten vor einer Blase. Der Hintergrund: Die Börsen haben Anlegern in den vergangenen Jahren astronomische Renditen beschert.

So hat der MSCI World Index allein seit Jahresbeginn Kursgewinne in Höhe von 9 Prozent verbucht. Außerdem melden Wall Street und Co. fast täglich neue Höchststände. Daraus folgt aber nicht zwangsläufig, dass eine Krise bevorsteht.

Historisch gesehen sind die globalen Aktienmärkte ein guter Maßstab, um die Krisengefahr und zugrundeliegende Gewinne von Unternehmen abzuschätzen. Der MSCI World Index beispielsweise eignet sich mit 23 vertretenen Industrienationen hervorragend  für eine Analyse.

Vorboten einer Blase?

Ende Mai 2017 lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des MSCI World Index bei 21,5. Dieser Wert liegt knapp über seinem Durchschnitt der letzten 20 Jahre. Zum Vergleich: Der KGV der günstigsten Dax-Aktie wird in diesem Jahr auf 13,1 geschätzt.

Die nachfolgende Grafik illustriert das Kurs-Gewinn-Verhältnis des MSCI World Index in den vergangenen 12 Monaten.

KGV des MSCI World Index in den letzten 12 Monaten

Zwar lässt sich das KGV nicht immer eindeutig interpretieren, weil Werte in verschiedenen Branchen unterschiedliche Bedeutungen haben. Jedoch lässt sich grob sagen, dass ein höherer Wert bessere Gewinnchancen suggeriert.

In der Vergangenheit war das KGV des MSCI World Indexes über lange Zeit wesentlich höher als aktuell. Eine Verbindung zwischen diesen Phasen und verschiedenen Marktblasen – beispielsweise der Dotcom-Blase im Jahr 2002 – lässt sich eindeutig herstellen.

Die aktuelle Stimmung an den Börsen lässt sich mit dem Wort „Übermut“ jedoch kaum beschreiben. Das Gegenteil ist der Fall: Investoren verhalten sich eher zurückhaltend. Von einer Blase kann daher keine Rede sein.

Hinzu kommt, dass Aktien – gemessen am gesamten Investment-Universum – aktuell nicht teuer sind. Im Renditevergleich mit anderen Anlagen wie beispielsweise Anleihen sind sie eindeutig die bessere Wahl.
Die nachfolgende Grafik zeigt die Rendite von Aktien und Anleihen im Vergleich.

MSCI World Index schlägt US-Staatsanleihen

Eines sollten Investoren jedoch bedenken: Die Aktienrenditen werden sich nur dann behaupten, wenn Unternehmen ihre Umsatzprognosen einhalten. Und dafür müsste das Wirtschaftswachstum weltweit anziehen. Das ist jedoch nicht der Fall – Indikatoren zeigen aktuell sogar einen Abwärtstrend.

Die weltweiten Inflationszahlen beispielsweise sind nach wie vor enttäuschend. Die USA meldeten für das erste Quartal 2017 eine Verlangsamung beim Wachstum ihres Bruttoinlandprodukts. Nur die Einkaufsmanagerindizes der Eurozone geben Hoffnung. Sie kletterten kürzlich auf den höchsten Stand seit 2011.