„Aktien sind die letzte gängige Alternative“

Gregor Graf von Wallwitz

Gregor Graf von Wallwitz

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Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wie sich die gedanklichen Rahmenbedingungen in den angelsächsischen Ländern und Kontinentaleuropa vertauscht haben. In der Anglosphäre bestimmt eigentlich das Denken von Milton Friedman die Agenda.

Ronald Reagan und Margret Thatcher haben den Staat deutlich schrumpfen lassen, weil sich herausgestellt hatte, dass Staatsbedienstete von Natur aus nicht kompetenter oder weniger korrupt sind als der Rest der Bevölkerung. Warum also nicht den Ansporn, den das Gewinnmotiv bedeutet, auf Aufgabenfelder ausweiten, von denen man heute sowieso nicht mehr weiß, warum sie eigentlich vom Staat besorgt werden?

Dem stand das Modell der Kontinentaleuropäer gegenüber, das dem Staat eine Lenkungsfunktion in der Wirtschaft zubilligte, die nicht zuletzt dafür sorgen sollte, dass es sozial zuging.

Die Verachtung, die der alte Kontinent und die Anglosphäre für einander empfanden, wurde durch Bücher mit Titeln wie „Amerikaner sind vom Mars, Europäer von der Venus“ popularisiert und prägte bis heute das Bild, das man jeweils von einander hatte.

Getauschte Rollen

Irgendwie haben die Wirren der Finanzkrise zu einem Bevölkerungsaustausch zwischen Mars und Venus geführt. Das liegt vielleicht daran, dass man sich in Krisen oft nicht mehr wohl fühlt in seiner Haut und gerne mal was Neues probiert.

Jedenfalls tun die USA und Großbritannien alles, um die Härten der Rezession möglichst abzufedern. Sie bringen Geld unter die Leute, damit der Konsum weiter geht und zu einem Wachstum führt, das es dann ermöglicht, die Schulden abzutragen. Früher hätte man gesagt, dass dies klassische sozialdemokratische Politik ist. In Europa hingegen wird gespart, hier haben die Deutschen sich durchgesetzt.

Man ist der Meinung, der Staat habe über seine Verhältnisse gelebt und müsse nun zurückgeschnitten werden. In einigen Ländern gibt es dazu keine Alternative, denn von privaten Gläubigern bekommen sie andernfalls kein Geld mehr und Steuererhöhungen sind kaum durchzusetzen.