Aktien und Volatilität Bei Marktkorrekturen das Gesamtbild im Blick haben

Händler an der Börse New York am Morgen des 9. Februar: Der überraschende Sell-Off des Dow Jones Industrial sorgte für tagelange Verunsicherung  | © Getty Images

Händler an der Börse New York am Morgen des 9. Februar: Der überraschende Sell-Off des Dow Jones Industrial sorgte für tagelange Verunsicherung Foto: Getty Images

Stephen Dover, Head of Equities bei Franklin Templeton

Am Montag, den 5. Februar verzeichnete der US-Aktienmarkt einen plötzlichen Volatilitätsschub. Der Dow Jones Industrial Average verbuchte seinen bisher größten Punkterückgang und schloss knapp 1.175 Punkte niedriger. Im Laufe des Tages war der Index kurzzeitig sogar um fast 1.600 Punkte gefallen. Prozentual betrachtet war dies der größte eintägige Rückgang des Index seit August 2011. Die Nachwirkungen machten sich rund um den Globus bemerkbar, als die asiatischen und europäischen Börsen am Dienstag, den 6. Februar nachzogen.

Die Plötzlichkeit des Markteinbruchs hat viele Marktbeobachter veranlasst, nach einer Erklärung zu suchen. Eine Möglichkeit ist sicherlich die Erkenntnis, dass die Ära des billigen Geldes offenbar weltweit zu Ende geht.

Allerdings haben Aktienanleger inzwischen seit vielen Jahren gute Renditen erzielt. Daher halten wir die aktuelle Marktkorrektur für eine gesunde Entwicklung.

Wenn man berücksichtigt, dass die Märkte in den vergangenen Jahren einen relativ starken, beispiellosen Anstieg verzeichnet haben, können Marktkorrekturen eine Gelegenheit bieten, die Bewertungen zu verbessern, so dass Aktien nicht ganz so teuer gekauft werden müssen. Dies hilft dabei, die Effizienz neuer Portfolioallokationen zu erhöhen.

Anleger sollten den Markt nicht mit der Wirtschaft verwechseln. Wir haben weltweit reales und solides Wirtschaftswachstum verzeichnet. Unternehmen mit einer geringen Verschuldung, einer transparenten Ertragslage, Preismacht und positivem Cashflow sollten in der Lage sein, sich auch in einem von straffer Geldpolitik und steigenden Zinsen geprägten Umfeld gut zu entwickeln.

Langfristig spiegeln Aktienkurse stets die Fundamentaldaten

Es sollte unbedingt beachtet werden, dass die Märkte kurzfristig zwar volatil sein können, sie langfristig jedoch die zugrundeliegenden Fundamentaldaten von Unternehmen und Ländern widerspiegeln. Die langfristigen strukturellen Wachstumstreiber sind unverändert. Zugleich dürfte ein leichter Anstieg der Zinsen oder der Inflation keine gravierenden Auswirkungen haben. Langfristig wird das globale Wachstum durch strukturelle Faktoren wie Verbraucherausgaben, Infrastruktur, technologische Innovationskraft, Akzeptanz neuer Technologien und innovative Ansätze im Gesundheitswesen bestimmt.

Wir sind uns durchaus der Tatsache bewusst, dass weltweit nach wie vor Herausforderungen bestehen. In einigen Ländern sind strukturelle Reformen erforderlich, die oftmals auf Widerstand stoßen. Wahlen können Unsicherheit und Veränderungen mit sich bringen, und es besteht immer die Möglichkeit politischer Fehltritte oder unerwarteter geopolitischer Schocks.

Auf Kurs bleiben

Bei Marktturbulenzen ist es stets verlockend, sich auf die kurzfristigen Entwicklungen zu konzentrieren. Es ist jedoch wichtig, den eigenen langfristigen Anlagehorizont und die eigenen Anlagegründe im Auge zu behalten – sei es der eigene Ruhestand, die Ausbildung der Kinder oder ein anderes Ziel.

Die Marktrenditen können im Laufe der Zeit schwanken. Solange die Weltwirtschaft jedoch robust bleibt und Unternehmen eine hohe Innovationskraft und Wachstum an den Tag legen, sind die Argumente für eine fortgesetzte Anlage in Aktien stark. Nur so lässt sich das Wachstumspotenzial ausschöpfen, mit dem künftig zu rechnen sein dürfte.

Die meisten Anleger halten umfangreiche Anlagen in ihrem jeweiligen Heimatland – ein Phänomen, das im Bereich der „Behavioural Finance“ als Heimatlandtendenz bezeichnet wird. Wir sind der Ansicht, dass es für alle Anleger gute Gründe gibt, eine Diversifizierung über Anlageklassen und Märkte hinweg vorzunehmen, um sich vor den negativen Auswirkungen eines einzelnen Ereignisses zu schützen. Darüber hinaus kann sich eine aktive Verwaltung in Zeiten erhöhter Volatilität als äußerst wertvoll erweisen. Wir empfehlen Anlegern, einen Finanzberater zu Rate zu ziehen, um die für ihre Situation jeweils am besten geeignete Portfolioallokation zu ermitteln.

Die jüngsten Marktturbulenzen haben unsere Weltsicht nicht verändert. Es mag zwar mit weiterer Volatilität zu rechnen sein. Wir sind hinsichtlich der Aussichten für das laufende Jahr jedoch weiterhin optimistisch.