Aktienfonds-Serie: „Anleihen bieten keinen Inflationsschutz“

Fondsmanager Matthew Siddle

Fondsmanager Matthew Siddle

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Matthew Siddle managt den Fidelity European Growth Fund (WKN: 973270). Erst im Juli 2012 hat er beim Fonds die Nachfolge von Alexander Scurlock angetreten.

DAS INVESTMENT.com: Ihre drei Argumente bitte, warum Anleger derzeit Aktien kaufen sollten.

Matthew Siddle: Von der gegenwärtigen Ausgangsbasis aus ist die langfristige Aussicht für Aktienanlagen meiner Meinung nach sehr gut. Es gibt drei wesentliche Faktoren, die langfristige Gewinne unterstützen: Erstens sind die Bewertungen europäischer Aktien im historischen Vergleich aktuell sehr attraktiv.

Zweitens sind Unternehmen mit ihren Gewinnen, Dividenden und Aktienkursen in der Lage, mit der Inflation mindestens Schritt zu halten. Das ist ein wesentlicher Vorteil von Aktien beispielsweise gegenüber Anleihen. Unternehmen, die die Preissetzungsmacht haben, steigende Rohstoffpreise an die Kunden weiter zu geben, haben das Potenzial, attraktive reale Renditen zu liefern.

Drittens darf man europäische Unternehmen nicht mit der europäischen Gesamtwirtschaft gleichsetzen. In Europa ansässige multinationale Qualitätsunternehmen wachsen, obwohl einige Euro-Randstaaten vor großen Herausforderungen stehen. Ich finde für meine Fonds im aktuellen Umfeld viele aussichtsreiche Aktien, die attraktiv bewertet sind.

DAS INVESTMENT.com: Was sind derzeit Ihre Top-3-Märkte und -Sektoren?

Siddle: Die drei Sektoren, in denen ich die meisten spannenden Unternehmen finde und in denen ich übergewichtet bin, sind Grundbedarfsgüter, Energie und Konsumgüter.

Der Konsumgütersektor, vor allem der Medienbereich, bietet viele Möglichkeiten, in umsatzstarke Unternehmen mit einem hohen Cashflow zu investieren. Diese Unternehmen werden aktuell im historischen Vergleich zu günstigen Bewertungen gehandelt. Ein Beispiel ist WPP: Die Holding von Werbeunternehmen ist sowohl im Wachstumsmarkt Digital Advertising als auch in den wachstumsstarken Schwellenländern gut aufgestellt.

Der Energiesektor profitiert von einem starken Nachfrageausblick. Da die herkömmlichen, leicht zu erschließenden Öl- und Gasvorkommen langsam zur Neige gehen, müssen Förderunternehmen mehr Technologie einsetzen, um die Fördermenge zu halten. Viele der neu entdeckten Energievorkommen sind entweder Schiefergas beziehungsweise Schieferöl oder befinden sich in der Tiefsee. Diese Vorkommen sind nur mit einem deutlich höheren technologischen Aufwand zu erschließen als herkömmliche Öl- und Gasfelder. Das unterstützt einen höheren Ölpreis und davon profitieren Fördertechnikunternehmen.

Auch der Bereich der Grundbedarfsgüter bietet einige ausgewählte Möglichkeiten für Investoren. Beispiele sind Danone und Nestle. Beide Unternehmen sind in den Schwellenländern sehr gut aufgestellt und bieten in diesen Märkten ein starkes Wachstum.

DAS INVESTMENT.com: Was können Anleger nächstes Jahr und die Kommenden danach erwarten?

Siddle: Mittel- und langfristig sehe ich gute Aussichten für Aktien. Ich gehe jedoch davon aus, dass die Aktienmärkte im Jahr 2013 sehr volatil bleiben. Der gegenwärtige Zweikampf positiver und negativer Faktoren wird noch anhalten. Die wirtschaftlichen Fundamentaldaten werden in den kommenden Monaten weiter negativ bleiben, und es gibt Anzeichen dafür, dass das Wachstum in den großen Volkswirtschaften USA und Deutschland abflaut.

Allerdings haben wir in den vergangenen Monaten erlebt, dass eine bisher so noch nie dagewesene Lockerung der Geldpolitik die Marktstimmung aufhellt. Dieser Zweikampf wird voraussichtlich auch im Jahr 2013 weitergehen – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Marktstimmung.

Ich habe keine spezifische Sicht auf den Dax als Ganzes, da ich einen Stockpicking-Ansatz verfolge. Ich bin jedoch der Meinung, dass die Aussichten für Aktienanlagen besser werden, je langfristiger Investoren denken. Die Qualität vieler europäischer Unternehmen und die aktuell günstigen Bewertungen werden sich auf lange Sicht auf jeden Fall auszahlen.