Aktienfonds-Serie: “Es ist Zeit, US-Aktien zu kaufen”

Fondsmanager Duilio Ramallo

Fondsmanager Duilio Ramallo

// //

Duilio Ramallo arbeitet für die niederländische Fondsgesellschaft Robeco Asset Management, einer Tochter der Rabobank. Er managt den Aktienfonds Robeco US Premium Equities (WKN: A0YFGY)

DAS INVESTMENT.com: Ihre drei Argumente bitte, warum Anleger derzeit Aktien kaufen sollten.

Duilio Ramallo: Für Anleger ist es gerade eine gute Zeit, US-Aktien zu kaufen. Denn aus meiner Sicht gibt es aktuell nur wenig ökonomische Übertreibung. Die Gefahr einer Rezession als auch eines beträchtlichen Gewinnrückgangs bei US-Unternehmen ist gering. Während den Rezessionen von 2001 und 2008 gingen deutliche Übertreibungen voraus. Beispielsweise die Technologie-Blase im Jahr 2000 und die Immobilienblase 2007. Das wiederum hat im darauffolgenden Jahr zu deutlichen Gewinnrückgängen geführt, 30 Prozent im Jahr 2001 und 45 Prozent in 2008.

Folgende vier Aspekte beeinflussen den US-Aktienmarkt derzeit:
Erstens ist die Zahl der Beschäftigten bis heute wieder auf 133 Millionen Menschen gestiegen, das bedeutet einen Rückgewinn von vier Millionen Arbeitsplätzen. Der Beschäftigungsstatus (ohne Landwirtschaft) wies Ende 2007 138 Millionen Beschäftigte aus, die Gesamtzahl ging bis Februar 2010 jedoch auf 129 Millionen zurück – ein Verlust von 8,7 Millionen Arbeitsplätzen.

Zweitens sind die Bilanzen der privaten Haushalte sind wieder ausgeglichen. Ihre Schuldenquote – ein Maß für die Belastbarkeit eines Landes – liegt derzeit bei elf Prozent. Das ist der niedrigste Wert seit 1994 und drei Punkte niedriger als 2006. Die Konsumentenkredite liegen mit einer Gesamthöhe von 2,5 Billionen auf dem gleichen Level wie im Jahr 2008. Höher verschuldete Haushalte haben von den niedrigen Zinssätzen deutlich profitiert.  

Drittens liegen die Konsumausgaben und die Investitionsausgaben der Unternehmen mit 14 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nahe am Rekordtief, drei Punkte niedriger als 2006 und zwei Punkte niedriger als der langjährige Durchschnitt von 16 Prozent seit 1952.

Viertens kosten laut dem Case-Shiller-Index Wohnungen im Schnitt 30 Prozent weniger als 2006. Es gibt faktische Belege dafür, dass sich die Situation auf dem Immobilienmarkt verbessert: der Bestand nimmt ab, die Preise steigen – und wir bekommen positive Rückmeldungen von Wohnungsbaugesellschaften.

Damit ist eine Rezession wenig. Derzeit ist das Szenario einer zurückhaltenden Erholung der Wirtschaft am wahrscheinlichsten.

DAS INVESTMENT.com: Was sind derzeit Ihre Top-3-Märkte und -Sektoren?

Ramallo: In unserem Investmentprozess bevorzugen wir Unternehmen mit hohen Renditen, die ihr Kapital in der Vergangenheit intelligent eingesetzt haben. Derzeit sind wir stark in Dienstleistungsunternehmen sowie wachsenden Technologiefirmen gewichtet. Zudem sind wir stark im Finanzsektor investiert und diversifiziert.

DAS INVESTMENT.com: Was können Anleger nächstes Jahr und die Kommenden danach erwarten?

Ramallo: Dazu will ich nur zum US-Markt sprechen. Da, denke ich, ist mittels Dividenden und Kursanstiegen eine Rendite von 8 bis 10 Prozent möglich. Das „Fiscal Cliff“ ist ein bekanntes Problem in den USA, das vermutlich kurz nach der Wahl beziehungsweise der Vereidigung des Präsidenten gelöst sein dürfte. Die Aussicht auf eine Lösung sollte den Märkten generell helfen.