„Alles spricht gegen eine nachhaltige Aufwärtsbewegung“

Ralf Zimmermann

Ralf Zimmermann

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Auf den ersten Blick sieht der IFO sehr erfreulich aus: Die Geschäftserwartungen und das Geschäftsklima (das Erwartungen und Lage vereint) sind gestiegen. Zusammen mit dem gestrigen Anstieg beim Einkaufsmanagerindex zeigen die aktuellen Frühindikatoren eine Stabilisierung der Konjunktur, für den einen oder anderen Beobachter sogar eine Trendwende zum Guten.

Der letzte Schluss ist definitiv nicht zu ziehen. Die Auswirkungen der Finanzkrise in all ihren Verästelungen sind noch nicht auf die Realwirtschaft durchgeschlagen (öffentliches Sparen, Deleveraging der Wirtschaft, insbesondere bei Banken, was zu zäher Kreditvergabe führt). Innerhalb des heutigen IFO-Berichts ist denn auch die aktuelle Lage nicht sichtbar gestiegen, im Verarbeitenden Gewerbe nur minimal, für das Gesamtgewerbe einschließlich Handel und Bau ist die Lage sogar gefallen.

Insgesamt ist das Risiko einer IFO-Erwartungsblase wie 2001/02 gegeben. Die Erwartungen sind damals gestiegen, die aktuelle Lage nicht. Nach einem anfänglichen Anstieg beim Dax hatte dann aber die zähe Entwicklung der IFO-Lage gebremst.

Ähnliches droht auch aktuell. Der Anstieg der IFO-Erwartungen mag den Optimismus der Märkte reflektieren, dass die Lösung der Euroland-Krise ein gutes Stück vorangeschritten ist. Aber auch hier lauern genügend Tretminen:

•         Verhandlungen mit Griechenland sind ins Stocken geraten, IWF fordert wohl Schuldenschnitt auch bei EZB – die ziert sich. IWF/EU fordern Zinskupon deutlich unter 4 Prozent bei neuen Anleihen für Private, Private wollen nicht. Auch wenn ungeordnete Insolvenz nach wie vor unwahrscheinlich ist, ist sie  nicht auszuschließen.

•         Wichtiger: Portugal mutiert zum nächsten Konkursfall, Risikoprämien sind an Allzeithochs – Ausfall würde spanische Banken belasten und zu Test der Brandmauer führen.

•         Risikoprämien bei 10-jährigen Anleihen für Spanien und Italien sind ohnehin nach wie vor auf hohem Niveau. Risiko, dass Festigkeit der Brandmauer getestet ist meines Erachtens hoch – zumal hier immer noch eine Fülle offener Fragen bestehen. Die aktuelle Euphorie über den 3-Jahres-Tender der EZB erscheint überzeichnet. Um die Zahlen zurecht zu rücken: Netto (nach Abzug auslaufender Tendergeschäfte) wurde den Banken nicht die allseits zitierten 489 Milliarden Euro, sondern nur 193 Milliarden Euro zugeführt. Und seit dem Tender sind die Überschussguthaben der Banken bei der EZB, die mit nur 0,25 Prozent verzinst werden, um über 200 Milliarden Euro gestiegen. Die Banken horten weitgehend die Liquidität im Vorgriff auf die anstehenden Mega-Refinanzierungen.

•         Euro-Austritt Griechenlands als zentrales Risiko -> dann droht Bankenrun in Peripherie.