Allianz-Experte Thomas Wiesemann „Für uns ist ein Run-off definitiv kein Thema“

Thomas Wiesemann leitet seit 2014 den Maklervertrieb der Allianz Lebensversicherung und der Allianz Private Krankenversicherung. Zuvor war er für den Sondervertrieb beider  Gesellschaften tätig. Wiesemann arbeitet seit 1995 für die Allianz. Er studierte Wirtschafts- und angewandte Mathematik in Ulm und Los Angeles. | © Allianz

Thomas Wiesemann leitet seit 2014 den Maklervertrieb der Allianz Lebensversicherung und der Allianz Private Krankenversicherung. Zuvor war er für den Sondervertrieb beider Gesellschaften tätig. Wiesemann arbeitet seit 1995 für die Allianz. Er studierte Wirtschafts- und angewandte Mathematik in Ulm und Los Angeles. Foto: Allianz

DAS INVESTMENT: In der Branche häufen sich derzeit Meldungen von strategischen Neuausrichtungen, Stellenabbau und so weiter. Auch bei der Allianz bauen Sie 700 Stellen ab. Woran liegt’s?

Thomas Wiesemann: Es gibt vor allem zwei Veränderungstreiber, die in der gesamten Finanzdienstleistungsbranche wirken. Erstens: Vor dem Hintergrund des lang anhaltenden Niedrigzinsniveaus steigt der Druck auf die Kosten. Und wir erleben zweitens derzeit einen Technologieschub, der wiederum zwei Auswirkungen hat. Zum einen verändern sich durch die Digitalisierung das Kundenverhalten und die Kundenerwartung in puncto Einfachheit, Schnelligkeit und Verfügbarkeit. Zum anderen gibt es dadurch neue Möglichkeiten, Prozesse zu automatisieren – etwa in der Bestandsverwaltung. Diese Stellen verändern sich und können auch wegfallen. Das ist aber keine Einbahnstraße. Es werden auch neue Stellen geschaffen, etwa im Kunden- oder Leistungsservice.

Wie muss sich ein Versicherer aufstellen, um diese Veränderungen zu überstehen?

Durch die ständige Verfügbarkeit von Informationen im Internet, durch Vergleichsmöglichkeiten und Kundenbeurteilungen findet in gewisser Weise eine Machtverschiebung in Richtung Konsumenten statt. Vor diesem Hintergrund steigt die Bedeutung einer konsequenten Kundenorientierung weiter, da die Kundenzufriedenheit letztendlich zum entscheidenden Erfolgsmerkmal wird.

Haben Sie hier ein Beispiel?

Wir haben vor zehn Jahren das Produkt „Allianz Index-Select“ gestartet. Die Kunden erwirtschaften dort – trotz Niedrigzinsniveaus – attraktive Renditen. Gleichzeitig gibt es zwar keinen Garantiezins, aber diverse Sicherheitsbausteine. Erwirtschaftete Renditen werden jährlich festgeschrieben, der Beitragserhalt ist garantiert, ebenso eine Mindestrente. Das ist ein Beispiel dafür, wie man Kundennutzen erlebbar machen kann. Ein anderes Beispiel kommt aus der Krankenversicherung.

Schießen Sie los.

In der Krankenversicherung nutzen wir die Digitalisierung in Form unserer Gesundheits-App. Der Kunde kann nicht nur seine Rechnung abfotografieren und einschicken, er hat außerdem rund um die Uhr Zugang zu medizinischer Hilfe und einen Überblick über seine vertraglichen Leistungen. Das Angebot der App wollen wir kontinuierlich weiter ausbauen.

Kommen wir zu einem Thema, das die Versicherungsbranche derzeit bewegt. Die Abwicklung von Beständen, die etwa die Ergo und die Generali vorhaben. Die Allianz hat solch einen Run-off für sich ausgeschlossen. Verspielt die Branche Ihrer Ansicht nach hier das Vertrauen ihrer Kunden?