Alpenland bald abgebrannt? Warum Mifid II eine Schweizer Tradition gefährdet

International aufgestellt: Die Swatch-Wand im Besucherzentrum der US-Olympia-Mannschaft in Colorado Springs | © Getty Images

International aufgestellt: Die Swatch-Wand im Besucherzentrum der US-Olympia-Mannschaft in Colorado Springs Foto: Getty Images

Schweizer Unternehmen haben heute eine globale Reichweite. Es scheint daher logisch, dass die Manager dieser Firmen nach dem Leistungsprinzip und nicht nach ihrer nationalen Identität ausgewählt werden. Es scheint auch durchaus normal, dass die Schweizer Unternehmen – und die Anleger, die in diese investieren – nach den talentiertesten Führungskräften Ausschau halten.

Eleanor Taylor Jolidon

In den Top 20 der Schweizer Unternehmen hat weniger als die Hälfte der Geschäftsführer die Schweizer Staatsangehörigkeit. Und auch in den Verwaltungsräten sitzen in der Regel Personen mit einem eher internationalen Profil – namentlich Spezialisten aus verschiedenen Bereichen und Ländern –, womit die strategische Ausrichtung des Unternehmens unterstützt werden soll. Dies hat im Wesentlichen dazu beigetragen, dass heute zahlreiche Unternehmen in ihren jeweiligen Branchen weltweit führend sind.

Diese globale Führungsposition erklärt teilweise auch, weshalb der SPI (Swiss Performance Index) in den letzten 30 Jahren deutlich besser abgeschnitten hat als der MSCI World. Grund dafür ist insbesondere, dass die Schweizer Unternehmen bereit und in der Lage sind, ihre Cashflow-Renditen (CFROI d.h. Cash Flow Return on Investment) zu verbessern und auf einem höheren Niveau zu halten als viele internationale Konkurrenten.

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Die Anleger können angesichts der bisherigen Erfahrungen sicher sein, dass bei den Entscheidungen stets das Leistungsprinzip und die Bedürfnisse der Unternehmen im Vordergrund standen. Bis anhin hat die Regulierung die Zusammensetzung der Verwaltungsräte und der Geschäftsleitungen kaum beeinträchtigt. Die Schweizer Unternehmen haben also keine Probleme, qualifizierte Spitzenkräfte zu finden, die bereit sind, sich für die Interessen dieser Firmen einzusetzen, wobei Verbesserungen im Hinblick auf ein ausgewogeneres Geschlechterverhältnis in den Führungsgremien durchaus denkbar sind.

Nach der Minder-Initiative scheinen die institutionellen Anleger und die Schweizer Unternehmen für eine bessere Corporate Governance gesorgt zu haben. Die Generalversammlungen finden heute größere Beachtung als in der Vergangenheit. Obwohl die Vergütung eine große Rolle spielt, lässt nichts darauf schließen, dass auf Manager zweiter Wahl ausgewichen werden musste. Und auch die ausländischen Talente wurden durch die politischen Maßnahmen nicht davon abgebracht, in die Führungsgremien von Schweizer Unternehmen einzutreten.