Alpenstaat Imageproblem trotz Finanzreformen

Trotz der jüngsten Reformen ihres Finanzsystems hat die Schweiz weiterhin ein Imageproblem in der deutschen Öffentlichkeit. Foto: Getty Images

Trotz der jüngsten Reformen ihres Finanzsystems hat die Schweiz weiterhin ein Imageproblem in der deutschen Öffentlichkeit. Foto: Getty Images

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Während die deutsche Politik mittlerweile anerkannt habe, “dass sich die Schweiz hier bewegt hat und die zuvor kritisierten Aspekte ihres Finanzplatzes an internationale Standards angepasst hat”, sei dies in der Öffentlichkeit bislang kaum wahrgenommen worden, sagte Guldimann am Freitag im Interview mit Bloomberg News.

“In deutschen Krimis tauchen immer noch obskure Schweizer Banker auf”, kritisierte der Botschafter. “Es ist uns noch nicht genügend gelungen, die Wende unseres Finanzplatzes hin zur Steuertransparenz positiv zu kommunizieren.”

Sein Land habe das Finanzsystem in den vergangenen zwei Jahren an internationale Standards angepasst, erklärte Guldimann. “Noch vor drei Jahren war die Steuerfrage das zentrale Problem in den bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und der Schweiz”, sagte er.

Mittlerweile sei es gelungen, “das Steuerproblem im bilateralen Verhältnis sowohl durch die neue Politik der Banken als auch durch den angekündigten Beitritt zum automatischen Informationsaustausch aus der Welt zu schaffen”.

So seien die wichtigsten Schweizer Banken mittlerweile dazu übergegangen, ihre deutsche Kundschaft aufzufordern, sich mit ihrem jeweiligen Finanzamt zu “regularisieren”, betonte Guldimann. Dies habe zu einer “Welle von Selbstanzeigen” geführt und deutsche Anleger dazu gebracht, ihr Vermögen zurück in die Heimat zu bringen. Zudem habe die Schweiz die “klare Absicht”, sich an dem weltweiten Abkommen zum globalen Austausch von Steuerdaten zu beteiligen, sagte Guldimann. “Das Bankgeheimnis war früher eine heilige Kuh.”

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte das Abkommen zum Austausch von Steuerdaten im Oktober als “Ende des Bankgeheimnisses” gefeiert. Rund 50 Staaten, darunter auch Liechtenstein, Bermuda und die Cayman Islands, haben es bislang unterzeichnet. Die Schweiz ist dem Abkommen noch nicht beigetreten, will dies aber demnächst nachholen. Ein bilaterales Steuerabkommen zwischen Deutschland und der Schweiz, das Schäuble noch in der früheren schwarz-gelben Koalition auf den Weg gebracht hatte, war 2012 am Widerstand der SPD-regierten Länder im Bundesrat gescheitert.

Im vergangenen Jahr war die Schweiz erneut in die Schlagzeilen geraten, nachdem bekannt geworden war, dass der mittlerweile wegen Steuerbetrug inhaftierte frühere FC-Bayern- Manager Uli Hoeneß mehrere 100 Millionen Euro auf einem Schweizer Bankkonto deponiert hatte.