Altabt erklärt das Reichwerden „Die Gnade ist größer als die Sünde“

Altabt Gregor Henckel-Donnersmarck, Redner und Autor.

Altabt Gregor Henckel-Donnersmarck, Redner und Autor.

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DAS INVESTMENT: Sie waren einst als Manager in der Wirtschaft erfolgreich. Wie kam die Entscheidung, mit 34 Jahren ins Kloster zu gehen, zustande?

Gregor Henckel-Donnersmarck: Ich war sehr gern berufstätig, aber ich habe ein Defizit an religiösem Leben verspürt. Im Gespräch mit Kollegen und Freunden bin ich immer wieder, etwa nach der Aufsichtsratssitzung um 11 Uhr nachts oder nach dem Skifahren in den Pyrenäen um 2 Uhr früh, auf die Themen Glaube, Religion und Kirche angesprochen worden. Ich habe dann nachgedacht, was für mein Leben wichtig ist. Ganz der Diplom-Kaufmann, habe ich Soll und Haben aufgelistet. Dazu kam eine ganz bewusste Solidarität mit dem damaligen Papst Paul VI., der von den Medien stark kritisiert wurde.

Haben Sie Ihren wirtschaftlichen Sachverstand von Anfang an in die Kirche eingebracht?

Henckel-Donnersmarck:
Nein, ich war zunächst für die jüngeren Mitbrüder zuständig. Später im Abtsamt habe ich großen Wert darauf gelegt, dass ich nicht Hauptverantwortlicher für die Wirtschaft bin. Der Abt muss laut Kirchenrecht einen Mitbruder oder einen Laien als Hauptökonomen einsetzen. Dieser berichtet dann dem Abt. Es wäre falsch, wenn der Abt sich als Manager sähe, er ist Vater, Begleiter oder Seelenarzt.

Sie fungierten aber als Troubleshooter für in finanzielle Not geratene Klöster?


Henckel-Donnersmarck:
In dieser Funktion hatte ich mich auch direkt um die Wirtschaft zu kümmern. Dabei haben mir Studium und Erfahrung genützt. Meine Praxis als Troubleshooter zeigt, dass es bei Klöstern in wirtschaftlicher Schieflage meist daran liegt, dass sich der Abt auch als Wirtschaftsverantwortlicher begriffen hat. Es kommt in der Kirchengeschichte immer wieder vor, dass ein geistlicher Würdenträger sein Amt verfehlt.

Haben kirchliche Entscheidungsträger genügend finanziellen Sachverstand?


Henckel-Donnersmarck: Im Großen und Ganzen – ja. Klöster sind untypische Unternehmen, bei denen die Wirtschaft nur einen untergeordneten Rang hat. Wichtiger sind die pastoral-spirituell-theologischen Dinge. Kein Kloster kommt heutzutage mehr ohne eine Bank aus, die berät, wie man notwendige Reserven am besten anlegt. Ziel ist stets, den Zweck des Klosters zu fördern.

Sie erwähnen in Ihrem Buch Bill Gates, dessen Art, reich zu werden, zweifelhaft gewesen sei, der nun aber seinen Reichtum auf gute Weise einsetze. Ist das ein moderner Ablass?

Henckel-Donnersmarck: Nein. Ablass ist etwas ganz anderes aus dem sakramentalen Bereich. Bill Gates hat mit seinem Produkt Microsoft, das übrigens auch ich nutze, etwas Tolles in Gang gesetzt. Ich finde, es steht ihm zu, für seine geniale Erfindung und sein geniales Management auch den Profit zu bekommen.

Ein Beispiel: Ein Mafiaboss wird im Alter reumütig und unterstützt die Kirche. Wird ihm alles vergeben?

Henckel-Donnersmarck: Die Kirche sollte vorsichtig sein, welches Geld sie annimmt. Sie bekommt von den Gläubigen glücklicherweise genügend, sodass sie nicht auf problembelastete Geldströme angewiesen ist. Andererseits ist die Gnade größer als die Sünde. Gnadenlose Vergeltung ist kein christlicher Begriff. Einem Sünder, der Umkehr und Reue zeigt und Buße tun will, dem wird auch vergeben. Der Mafiaboss, der umkehrt und Reue tut, sollte aber lieber einer sozialen Stiftung Geld spenden als der Kirche.