Alternativen zu Zinskupons „Bei der Dividende zählt die Qualität“

Dan Roberts, Fondsmanager von Fidelity Global Dividend Fund

Dan Roberts, Fondsmanager von Fidelity Global Dividend Fund

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Im Juli betrat die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland Neuland: Zum ersten Mal emittierte sie eine zehnjährige Anleihe mit einem Zinskupon von Null. Wie das Marktumfeld erwarten ließ, rutschte die Rendite der Anleihe sogar sogleich ins Negative. Deutschland ist im Minusbereich nicht allein. Zur Jahresmitte hatte mehr als ein Drittel der globalen Staatsanleihen aus Industrieländern eine negative Rendite – gemessen am BofA Merrill Lynch Global Government Index. Über 70 Prozent rentierten unter der Ein-Prozent-Marke.

Wer noch stete Erträge mit Anleihen erzielen will, muss höhere Risiken eingehen und extrem lange Laufzeiten oder schlechtere Bonitäten der Emittenten akzeptieren. Oder er muss über das Anleiheuniversum hinaus in die Aktienwelt blicken. Hier lassen sich mit geeigneten Dividendenstrategien regelmäßige Erträge erzielen. Tatsächlich übersteigen die Dividendenrenditen in den meisten Industrieländern die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen. Besonders großzügig sind europäische Unternehmen mit ihren Ausschüttungen. Hier liegt die Dividendenrendite im langfristigen Durchschnitt bei gut drei Prozent. Bei zahlreichen Unternehmen ist mittlerweile die Dividendenrendite höher als die Rendite für die eigenen Anleihen.

Dividende ist nicht garantiert, aber planbar

Dividenden werden daher gern als der neue Zins bezeichnet. Dies ist jedoch irreführend, denn Dividenden und Zinsen sind zwei unterschiedliche Dinge. Im Gegensatz zu Anleihen mit fixem Zinskupon gibt es für Dividendenzahlungen keine festen Zusagen. Sie können sinken, ausfallen, aber auch steigen. Der entscheidendere Unterschied ist jedoch, dass Anleihekurse zwar während der Laufzeit schwanken, zur Fälligkeit erhält der Anleger aber – vorausgesetzt es gibt keine Zahlungsausfall – 100 Prozent des Nominalkapitals, nicht mehr und nicht weniger. Aktien hingegen haben keine Laufzeit und keine Rückzahlungsgarantien, zur Dividende kommen also stets Kursgewinne oder Kursverluste.

Auch wenn Fonds mit Dividendenstrategie Aktienrisiken unterliegen, so können sie dennoch eine Lösung für Anleger sein, die regelmäßige Erträge möchten.  „Dividenden sind zwar nicht garantiert, aber verhältnismäßig gut planbar“, sagt Dan Roberts. Er managt den Fidelity Global Dividend Fund, einen globalen Aktienfonds, der auf dividendenstarke Aktien setzt. Die Höhe der Dividendenrendite ist dabei für Roberts allerdings nicht das entscheidende Merkmal. Schließlich kann eine hohe Dividendenrendite auch ein Zeichen für Probleme im Unternehmen sein. Sie setzt die Dividende ins Verhältnis zum Aktienkurs. Je niedriger der Kurs, desto höher ist zwar die Rendite, aber für den niedrigen Kurs dürfte es einen Grund geben, der eventuell auf Schwierigkeiten des Unternehmens hindeutet.