Altersarmut, Deutschlandrente & Co. Bert Rürup: „Freiwillige Altersvorsorge ist teuer und extrem kompliziert“

Der Ökonom Bert Rürup ist Namensgeber der Rürup-Rente und hat das Produkt mit gestaltet | © Getty Images

Der Ökonom Bert Rürup ist Namensgeber der Rürup-Rente und hat das Produkt mit gestaltet Foto: Getty Images

Bert Rürup hält nicht viel von Entscheidungsfreiheit – zumindest, wenn es um die Altersvorsorge geht. „Freiwillige Systeme können nie so effektiv sein wie obligatorische“, erklärt der Altersvorsorge-Experte und Namensvater der Rürup-Rente in seinem Vortrag auf der Versicherungsmesse DKM. Denn bei freiwilligen Systemen in der Versicherungswirtschaft greifen Selbstselektion-Effekte, die das System zu einem Sammelbecken schlechter Risiken werden lassen.

„Altersvorsorge ist eine Wette auf den eigenen Todeszeitpunkt“

Wie das funktioniert, erläutert Rürup am Beispiel der freiwilligen Altersvorsorge. Bei dieser Versicherungsart handele es sich um eine Art Wette auf den eigenen Todeszeitpunkt, erklärt der Rentenexperte. Wer besonders alt wird und mehr Rente bekommt, als er eingezahlt hat, stehe auf der Gewinner-, wer früh stirbt, auf der Verlierer-Seite. In einem großen Kollektiv gleichen sich die Risiken aus.

Überlasse man es den Bürgern nun selbst, ob sie diese Wette eingehen wollen, würden sich nur diejenigen dafür entscheiden, die ihre Lebenserwartung aufgrund ihres Gesundheitsverhaltens oder ihrer Familiengeschichte als besonders hoch einschätzen. Wer hingegen davon ausgeht, relativ früh zu sterben, würde von einer Versicherung absehen. Damit würde sich die Risikostruktur verschieben. Aus diesem Grund sei auch die Riester-Rente in Verruf geraten.