Altersvorsorge mit ETFs „ETF-Sparpläne haben einen Zuwachs von über 10 Prozent pro Quartal“

Thomas Wiedenmann, Vertriebsexperte bei BlackRocks ETF-Plattform iShares

Thomas Wiedenmann, Vertriebsexperte bei BlackRocks ETF-Plattform iShares

ETF und Altersvorsorge – passt das überhaupt zusammen?

Thomas Wiedenmann: Ja, sehr gut sogar. ETFs werden aufgrund ihrer geringen Kosten nicht nur als taktische Instrumente eingesetzt. Sie werden auch für den längerfristigen Vermögensaufbau verwendet. Denn gerade über die längere Zeit können ETFs ihre Kostenvorteile voll ausspielen. Schauen wir zum Beispiel, was aus einem Sparplan von 1.000 Euro im Jahr bei einer Bruttoverzinsung von 4,4 Prozent – das ist die historische annualisierte Zehn-Jahres-Rendite des MSCI World – wird. Unterstellen wir jährliche Fondskosten von 0,2 Prozent, hat der Anleger nach 30 Jahren etwa 60.400 Euro, bei laufenden Fondskosten von 2,0 Prozent wären es rund 16.000 Euro weniger.

Kann man die Altersvorsorge komplett mit ETFs abdecken?

Wiedenmann: Altersvorsorge ist mehr als Vermögensaufbau. Mit ETFs kann man natürlich keine Risiken wie Berufsunfähigkeit oder den Pflegefall abdecken. Auch die Immobilie spielt bei vielen Bürgern eine wichtige Rolle. Der Vermögensaufbau fürs Alter im Wertpapierbereich kann aber durchaus über ein reines ETF-Portfolio erfolgen.

Vermögensaufbau funktioniert gut über Sparpläne. Wie entwickelt sich die Nachfrage nach ETF-Sparplänen?

Wiedenmann: Eine Auswertung des Extra-Magazins der Zahlen von sechs Direktbanken zeigt, dass das monatliche Sparplangeschäft in den vergangenen Jahren stetig gewachsen ist. Im Januar 2017 führten die sechs Anbieter 345.568 ETF-Sparpläne mit einem Volumen von knapp 52 Millionen Euro aus. Das entspricht einer durchschnittlichen Sparrate von rund 150 Euro. Insgesamt zeigte die Anzahl der ETF-Sparpläne über die letzten Quartale jeweils ein Wachstum von mehr als 10%. Nicht nur Direktbanken, auch alle Großbanken und Fondsplattformen bieten mittlerweile ETF-Sparpläne an. Einzelne Vertriebe ebenso, ein Beispiel wäre hier die MLP. Und auch bei den Versicherern steigt die Nachfrage nach ETFs

Wodurch kommt die verstärkte Nachfrage zustande?

Wiedenmann: Ein Grund für die hohe Nachfrage ist sicherlich die allgemein steigende Beliebtheit von ETFs. Sie werden bei Privatanlegern immer bekannter als Alternative zum aktiv gemanagten Fonds. Warum sollte man sie dann nicht auch für die Altersvorsorge nutzen? Ein Plus neben den Kosten ist die Zuverlässigkeit. Anleger und Berater wissen, woran sie sind. Wenn man sich einen ETF auf den MSCI World kauft, kriegt man auch langfristig die Performance des MSCI World.

Welche Art von ETFs ist gefragt?

Wiedenmann: Am häufigsten nachgefragt bei Sparplänen sind die Klassiker Dax und MDax. Allerdings sind auch breiter diversifizierte Produkte gefragt, die sich für den langfristigen Vermögensaufbau wahrscheinlich besser eignen. So zählen Sparpläne auf den MSCI World zu den Top-Produkten. Sehr beliebt sind auch Dividendenstrategien. Die sind etwas konservativer und werfen laufende Erträge ab.

Sind in den Zahlen zu den ETF-Sparplänen auch die Sparpläne im Fondspolicen-Mantel enthalten?

Wiedenmann: Nein, das ist ein separates Geschäft und eine weitere Möglichkeit, über ETFs für das Alter vorzusorgen. Aktuell bieten 28 Versicherungsgesellschaften iShares-ETFs in ihren Fondspolicen an. Gefragt sind bei den Fondspolicen ähnliche ETFs wie bei den reinen Sparplänen. Am besten werden allerdings gemanagte ETF-Portfolios von Beratern angenommen, wie sie zum Beispiel die INTER Versicherungsgruppe und die Alte Leipziger anbieten.

Gibt es auch geförderte Altersvorsorgeprodukte, die ETFs nutzen?

Wiedenmann: Es gibt eine ganze Palette von ETFs, die über die EBASE als vermögenswirksame Leistungen genutzt werden können. Ebenfalls im Angebot sind ETF-basierte Riester- und Rürup-Produkte, sowohl als Fondslösung als auch im Policenmantel. Fairr.de bietet beispielsweise Riester- und Rürup-Lösungen an. Im Versicherungsbereich gibt es mehrere Anbieter für ETF-basierte geförderte Produkte, zum Beispiel die LV 1871, die Stuttgarter oder der Volkswohl Bund.

Historische Wertenentwicklung