Altersvorsorge und Garantieprodukte: „Raus aus der Lethargie“

Siegfried Nießen (links) und Ralf Weißenfels

Siegfried Nießen (links) und Ralf Weißenfels

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DAS INVESTMENT.com: Was war die zündende Idee für das Deutsche Garantieforum? Ralf Weißenfels: Das Thema Garantien ist derzeit im Markt für Altersvorsorgeprodukte so brisant wie kaum ein anderes. Die Materie ist äußerst komplex, die Wissensdefizite bei Vermittlern und Kunden sind dagegen erheblich. Wir müssen raus aus der Lethargie: Produktgesellschaften und Vermittler brauchen eine Plattform zum Dialog, Erfahrungsaustausch und zur Weiterentwicklung der relevanten Garantiethemen. Denn erst wenn Berater und Kunden nachvollziehen können, wie die Garantien konkret funktionieren und Anbieter verständliche und überschaubare Lösungen entwickeln, kommt es nicht zu enttäuschten Erwartungen beim Kunden - und zu möglichen Haftungsrisiken für Berater. Siegfried Nießen: Der Altersvorsorgemarkt hat sich dramatisch gewandelt. Er war lange geprägt durch die klassische deutsche Lebensversicherung, die vor allem durch ihr Steuerprivileg einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Anlageformen hatte. Doch ist der Steuervorteil seit 2005 Geschichte, zudem wurde bereits seit 1994 im Zuge der europäischen Deregulierung der Finanzmärkte der deutsche Versicherungsmarkt schrittweise liberalisiert. Darum hat der Wettbewerb auf Anbieter- und Produktseite deutlich zugenommen – so ist beispielsweise die Zahl der ausländischen Versicherer auf dem deutschen Markt deutlich gestiegen. Weißenfels: Vor allem konnten angelsächsische Anbieter mit investmentorientierten Konzepten Marktanteile gewinnen. Und die Renditeorientierung bei Altersvorsorgesparern wächst – diese Funktion erfüllt die klassische Lebensversicherung durch das anhaltend niedrige Zinsniveau und den Wegfall des Steuervorteils in der Regel nicht mehr. Der Markanteil fondsgebundener Lebens- und Rentenversicherungen steigt deswegen stark, Umfragen von Beratungsunternehmen und Meinungsforschungsinstituten zeigen weitere hohe Wachstumspotenziale. DAS INVESTMENT.com: Was wohl auch damit zusammenhängen dürfte, dass den Absatz dieser Produkte vor allem unabhängige Vermittler vorantreiben – und diesem Vertriebskanal eine wachsende Bedeutung zugeschrieben wird. Nießen: Das stimmt. Vor dem Hintergrund des Beratungsauftrags und der größeren Produktauswahl des unabhängigen Vermittlers werden zunehmend Vorsorgekonzepte mit langfristig höheren Renditechancen in die Kundenauswahl einbezogen. Die Kehrseite der Medaille ist natürlich auch zu nennen: zwei Schwächephasen an den globalen Finanzmärkten in dieser Dekade haben den Optimismus und das Vertrauen der Akteure in die Kraft der Aktien- und Beteiligungsmärkte erschüttert. Insofern darf eine Absicherungsstrategie in keinem Altersvorsorgeportfolio fehlen.