Altkanzler Schmidt, Deutsche-Bank-Doppelspitze und das Sch-Wort

Helmut Schmidt. Quelle: Getty Images

Helmut Schmidt. Quelle: Getty Images

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Helmut Schmidt teilt die Menschheit in drei Kategorien ein. Die erste Kategorie seien die „normalen Menschen“, die „als Jungs mal Äpfel geklaut“ hätten, aber dann „doch anständige Kerle geworden sind“. Zweite Kategorie seien die mit einer kriminellen Ader, die vor Gericht und ins Gefängnis gehören. Und die dritte Kategorie seien Investmentbanker und Fondsmanager.

„Dabei ist das Wort Investmentbanker nur ein Synonym für den Typus Finanzmanager, der uns alle, fast die ganze Welt, in die Scheiße geritten hat und jetzt schon wieder dabei ist, alles wieder genauso zu machen, wie er es bis zum Jahre 2007 gemacht hat“, schreibt der ehemalige deutsche Bundeskanzler in einem Leitartikel in der „Zeit“. Die Reaktionen kommen prompt.

„Wenn man „Scheiße“ schreiben darf, darf man auch „Finanzfuzzies“ schreiben“

„Diese Woche habe ich angefangen, mir wegen des Zustandes der Welt wirklich Sorgen zu machen“, kommentiert Eckhard Fuhr, Chef des Feuilletons bei der Tageszeitung „Die Welt“, in seiner Kolumne "Fuhrs Woche". Schließlich stamme der Kraftausdruck nicht von „irgendeinem Feuilletonist, mit dem die Gäule durchgingen, als er einmal auf der Seite 1 seine Meinung sagen durfte“, sondern vom ehemaligen deutschen Bundeskanzler. 

„Wir sind längst drin, in der Scheiße“, folgert der Journalist. „Oder wir waren es und sind jetzt schon wieder auf dem Weg dorthin, dank unbelehrbarer Finanzfuzzies – das Wort benutze ich jetzt zum ersten Mal in dieser Kolumne, wenn man „Scheiße“ schreiben darf, darf man auch „Finanzfuzzies“ schreiben“.

Und sollte es so kommen, wie manche befürchten - der Euro wird kaputtspekuliert, aus der Schuldenkrise einiger Euro-Staaten entwickelt sich eine globale Finanz- und Wirtschaftskrise, die durch staatliches Handeln nicht mehr einzudämmen ist, Politik und Banken verlieren jegliches Vertrauen – hätte sich die Rede von der Scheiße erübrigt, so Fuhr weiter. Dann nämlich werde viel Blut fließen, völlig unmetaphorisch.

„Klare, lösungsorientierte Worte“

Die „Zeit“-Leser sehen Schmidts Wortwahl differenzierter. „Danke für diese klaren, lösungsorientierten Worte“, schreibt beispielsweise der Leser mit dem Spitznamen Universalinfidel. „Erlauben Sie, dass unsereiner das fortan künftig auch tun darf - trotz der von diversen Redakteuren manchmal beschissen willkürlich vorgeschobenen "Zeit-Etiquette"? fragt ein anderer Leser. „Dass man in der wertvollen „Zeit“ als Herausgeber auch mal das SCH....Wort sagen und schöne Beispiele für seine Menschheitsphilosophie anführen darf, schön ungehobelt und rau - das ist doch was“, schreibt ein dritter.